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21. Mai 2021: Nachgedanken aus Deutschland

Eine Woche ist es nun her, dass wir am neuen Flughafen BER gelandet sind (der schon ganz schön ist, aber mit dunkler Holzvertäfelung und Monumentalarchitektur etwas an den alten Flughafen Tempelhof erinnert) und direkt von unseren lieben Freunden Lulu und Laurens mit einem "Welcome home J + E"-Schild in Empfang genommen und nach Hause gefahren wurden.

Unsere Wohnung haben wir beinahe in einem besseren Zustand wiederbekommen, als wir sie verlassen haben - unser Untermieter hat sogar die Sofabezüge gewaschen (und beteuert, es hätte dafür keinen speziellen Anlass gegeben...). 

Während der 5 Tage Quarantäne holen wir gemütlich eine Kiste nach der anderen aus dem Keller und sortieren viele Dinge daraus direkt aus, weil sie uns jetzt überflüssig erscheinen. 

Ich freu mich sehr über die eigene Küche und das trinkbare Leitungswasser. Der Jetlag plagt uns eine Weile. Eugen schläft oft erst sehr spät ein und ratzt dann bis weit in den Tag hinein, während ich zwar auch nicht einschlafen kann, mein Körper sich aber daran erinnert, dass wir ja mit dem Sonnenaufgang aufstehen - ich bin um 6 hellwach.
Inzwischen haben wir aber beide wieder einen guten Rhythmus, es hat sich eingependelt. 

Wie ist es nun, wieder hier zu sein? Das ist für mich gerade gar nicht so die wichtige Frage. Die eigentliche Frage, die für mich bedeutsam geworden ist, ist: Wie geht es mir da, wo ich gerade bin? 
Und die Antwort ist: Es geht mir ausgesprochen gut. Richtig richtig gut. Nachdem der letzte Sommer für mich an vielen Stellen doch nicht ganz einfach war, fühle ich mich jetzt endlich wieder richtig frei und glücklich, ob nun in Ecuador oder in Berlin. 
Und ohne da jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Wir sind auch als Paar nochmal viel enger zusammengerückt und einfach durch und durch glücklich miteinander. 

Ab heute darf in Berlin wieder draußen gesessen und gegessen werden, und die Sonne scheint. Der Sommer kann kommen.
Wir sind unglaublich reich an Erinnerungen und total beseelt von unserem Abenteuer.
Danke, schöne Welt!

13. Mai 2021: Abflug!!

Wir hatten gestern noch ein riiichtig schönes Abschiedsessen. Eugen hat den einzig schönen Fleck in Guayaquil entdeckt und das Restaurante Casa Julian rausgesucht, was zu einem superfancy Hotel gehört, das auf einer Halbinsel im Fluss in einem dschungeligen Park gelegen ist. Unser Tisch ist draußen auf der Terrasse bei angenehmen 26°. Als wir ankommen geht gerade die Sonne unter, sodass wir nochmal schnell auf einen Steg mit Blick über den Fluss, den Flughafen und die Stadt gucken. Und siehe da – es startet gerade die 18:30 KLM-Maschine nach Amsterdam, an deren Bord wir morgen sein werden!

 

Eine sehr nette aufmerksame Kellnerin versorgt uns zur Feier des Tages erst einmal mit Cosmopolitan bzw. Gin Tonic. Das Essen ist hervorragend – wir gönnen uns jeweils zwei Gänge und bekommen zum Nachtisch noch ecuadorianische Pralinen. 

Beim Essen lassen wir die Reise Revue passieren und schwelgen in tollen Erinnerungen. Wir sind beide superhappy und hätten uns dieses Abenteuer nicht schöner vorstellen können!

 

Den Abflugstag beginnen wir mit einem letzten Frühstück in unserem liebgewonnenen Grand Hotel. Es ist zwar bewölkt, aber ich lege mich dennoch nochmal auf die Dachterrasse, um das letzte bisschen Sonne aufzusaugen. Danach mache ich einen kleinen Stadtspaziergang, während Eugen chillt bzw. Crypto-Kram macht. Das Stadtbild ist echt nicht schön, und ich werde viel angebettelt.

Wir bestellen uns Mittagessen ins Hotel und packen ein letztes Mal die Rucksäcke. An dieser Stelle trennen wir uns von einigen bewährten, aber sehr zerschlissenen Klamotten (wir sind beide in teils löchrigen Lieblings-Hosen rumgelaufen...).

Das Hotel bewahrt unser Gepäck auf und wir machen einen letzten kleinen Spaziergang. Vor der Kathedrale (die von innen sehr unspektakulär ist, so wie alles in Guayaquil) ist ein kleiner Park, in dem neben vielen Tauben und einer Leguankolonie auch Karpfen und Schildkröten in einem Teich leben. Am Eingang verkauft uns jemand Leguanfutter für ein paar Cent – es sind einfach Salatblätter. Die Viecher sind riesig, völlig unbeeindruckt von uns, und können sogar Bäume hochklettern! Während die Meisten sehr satt wirken, finde ich immerhin einen Leguan mit Anstand, der mir die Ehre erweist, ein Salatblatt aus meiner Hand zu fressen. 

 

Nachdem wir noch schnell einen Gürtel für Eugen erstehen bringt uns ein Taxi zum Flughafen. Und dort sitze ich nun mit gemischten Gefühlen, während ich dies hier schreibe. Freue ich mich auf zuhause? Ja, schon. Bin ich reisemüde? Absolut nicht! Ich hoffe, ich kann mit dem Wechsel zu deutlich weniger Input, neuen Eindrücken und Abenteuer gut umgehen. 

Die kleinen Annehmlichkeiten des Alltags wie trinkbares Wasser, stabiles Internet und die eigene Küche sind natürlich schon nett. Und auch wenn das jetzt kitschig klingt – solange ich Eugen bei mir habe, ist es überall schön!

 

Wir haben in 6 Monaten und einer Woche vier Länder bereist und vier PCR-Tests gemacht. Unser ökologischer Fußabdruck ist eine Katastrophe – wir saßen in 18 verschiedenen Flugzeugen. Zurückgelegt haben wir, grob gerechnet, 35.000km.


Ein paar generelle Dinge, die für künftige Reisen interessant sein könnten:

 

Gepäck 

Wir haben ziemlich gut gepackt. Wir hatten beide ungefähr 15kg plus 5kg Handgepäck.

Was ich zuviel dabei hatte: 

  • Makeup (es war schon nicht viel, aber ich hätte noch weniger gebraucht, hätte man ahnen können...)
  • Kleider (ich habe zwei meiner fünf Kleider wirklich oft getragen)
  • Schuhe (was auch daran lag, dass meine Wanderschuhe wundersam zu klein wurden)
  • Bikinis (ich verrate nicht, wie viele ich hatte, aber merke: drei reichen)


Was ich zu wenig dabei hatte:

  • Vielleicht Flipflops mit vernünftigem Fußbett (Eugen war sehr happy mit seinen Crocs-Flipflops, und mir hat mit meinen Havaianas nach langen Spaziergängen dann doch die Hüfte etwas wehgetan - in meinem Alter...)


Was ich zugekauft habe:

  • Ein tolles langes buntes Kleid, das ich viel getragen habe
  • Jumpsuit von Walmart, der direkt kaputt ging
  • Zwei Abendkleider, die ich seit Comitan (Mexiko) mit mir rumtrage, weil sie einfach zu schön sind
  • Poncho, den ich nur einmal getragen habe...
  • Schmuck, weils hier einfach überall tolle Sachen gibt
  • Jogginghose und Thermoleggings, weil’s kalt war
  • Schlabberhose in Guayaquil, weil nur 5$
  • Eugen hat uns beiden lange Unterwäsche für die mexikanischen Berge gekauft, wobei meine Garnitur auch zum Schnorcheln ein super Sonnenbrandschutz war


Was ich dabei hatte, was wirklich wertvoll war:

  • Neben dem Handgepäck-Rucksack noch eine simple Strandtasche, die auch als Laptop- und generelle Handtasche diente
  • Statt Geldbeutel ein Aufklebefach auf der Rückseite meiner Handyhülle (super für Kreditkarten und Geldscheine)
  • Allzweck-Schal (Kopftuch, Picknickdecke, Bettdecke, ...)
  • Duct Tape (hilft immer, bei allem)
  • Eugen (hilft auch immer, bei allem) <3


Finanzen

Ich hatte zwei Kreditkarten dabei: die gute alte Visa der Sparkasse Pforzheim Calw, die immer ganz gute Dienste leistet, und eine von Revolut, mit der man umsonst abheben kann. Revolut hat so guten Kundenservice, dass die sogar innerhalb kürzester Zeit eine Ersatzkarte für Eugen an ein Hotel in Medellin zustellen konnten, als er seine in einem Automaten hat stecken lassen. Sehr zu empfehlen!

Unsere Ausgaben haben wir über Splitwise getracked, und am Ende jedes Monats geschaut, dass wir beide einigermaßen gleich viel bezahlt haben. Das ging total easy. 
Insgesamt waren wir etwas über dem veranschlagten Budget, aber noch sehr im Rahmen. Wir haben nicht deutlich mehr Geld ausgegeben, als wir in Berlin verbraucht hätten. Und wir hätten noch deutlich günstiger unterwegs sein können, haben aber bewusst die Entscheidung getroffen, uns nicht über die Maßen einzuschränken. Das hat den Grund, dass wir die Reiserei nicht als einmalige Sache, sondern mehr als Lebensstil sehen wollen. Und wenn wir bei jedem Kaffee zögern oder ständig in lausigen Unterkünften schlafen würden, dann wäre das nicht nachhaltig, weil's dann keinen Spaß machen würde. :-) 

Ich habe gar keinen Überblick mehr, wer das hier eigentlich alles liest, aber wenn Euch sonst noch irgendetwas rund um die Reise-Organisation interessiert, gebt gerne Bescheid! :-)

Eine Sache, die ich nebenbei gelernt habe, ist: Kleine Gewohnheiten summieren sich auf. Dieses Reisetagebuch beläuft sich auf 154 Seiten in Word! Falls ich doch jemals ein Buch schreiben will, weiß ich jetzt, wie ich das (theoretisch) anzugehen habe - jeden Tag ein bisschen.
Wir sitzen gerade in Amsterdam am Flughafen, sind also fast zuhause. An dieser Stelle ganz vielen lieben Dank für all die netten Nachrichten und die treue Leserschaft! Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen nochmal was zur "Reintegration". Ich versuche, Berlin als eine Art weitere Station auf dieser Reise zu betrachten. Und irgendwie ist es das ja auch - nach der Reise ist vor der Reise.
In diesem Sinne - schön wars!

10. bis 12. Mai 2021: Ayampe nach Guayaquil

Es fühlt sich ganz merkwürdig an, dass dies einer der letzten Einträge hier sein wird. Montag ist unser letzter ganzer Tag im Wild Child Village. Wir sind wunderbar ausgeschlafen und erholt. Das Klima ist hier einfach toll, tagsüber angenehm warm, aber nicht zu heiß, und nachts schön kühl. Der Tag wird gefüllt mit ein bisschen Arbeit, ganz viel in der Natur sein, Meditation, Spielen mit unserer Hauskatze und den Hunden, gemütlichem Beisammensein mit den Anderen, und langsamem geistigen Vorbereiten auf die Rückkehr.

Dienstag früh packen wir dann wieder die Rucksäcke, machen ein paar Abschlussfotos, und verabschieden uns von allen. Eines der Fotos zeigt Rio, den Sohn von Eigentümer Brett, der gerade stolz einen Leguan aus den Fängen einer Katze befreit hat. 
Auch zwei Schweizer, Julian und Nicole, reisen heute ab, und so wandern wir zu fünft den kleinen Pfad hinauf zur Straße, damit Brett uns runter nach Ayampe zur Bushaltestelle fahren kann. Leider fährt der VW-Bus nicht - die Bremse klemmt, und zwar gruseligerweise nicht der Hebel der Handbremse, sondern die Handbremse unten. Wir schieben und schieben gegen den Berg, aber sie löst sich nicht. Möge sie halten. 
Also fährt Brett uns alle vier nacheinander mit seinem Motorrad hinunter, und wir verabschieden uns. Eugen sponsort ein Spielzeugauto für Rio zum Geburtstag.

Wir haben Glück, der Bus nach Olon kommt direkt. Dort müssen wir umsteigen und holen uns schnell einen Cheeseburger auf die Hand, den ich leider für ungenießbar erklären muss. Vielleicht hat mich die vegetarische Kocherei im Wild Child Village sensibilisiert.
Die Busfahrt von Olon bis Guayaquil dauert 3h. Die Ecuadorianer haben die unangenehme Angewohnheit, in jedem ihrer allesamt mit Fernsehern ausgestatteten Busse grundsätzlich Horror- oder mindestens Action-Filme mit sehr lautem Ton laufen zu lassen. Ich kann da schon nicht hinschauen und frage mich immer, wie Leute mit kleinen Kindern das machen?!

Die Landschaft ist abwechslungsreich, erst geht's noch an der Küste entlang durch nette Fischerdörfer, im Inland erinnert die Gegend wieder mehr an Arizona. An der Straße wird immer das verkauft, was in der jeweiligen Ecke gerade wächst. Als es wieder grüner wird, bieten hunderte kleine Stände beispielsweise Weintrauben an. 

In Guayaquil angekommen beziehen wir unser Hotel für die letzten zwei Nächte - das Grand Hotel. :-) Eugen hat einen super Deal gefunden, Sternehotel zum Hostel-Preis. Das Hotel ist total schön, aber sehr banausenhaft direkt an die Rückwand der großen Kathedrale von Guayaquil gebaut. Da hat bestimmt der Cousin des Bürgermeisters eine kleine Spende überwiesen oder sowas...

Da das Hotelrestaurant hier laut Tripadvisor das beste Restaurant der Stadt ist, essen wir hier. Es gibt nichts Vegetarisches, sodass ich mir was zusammenbaue, was am Ende bedeutet, dass ich Quinoagemüse, Salat und Avocado (statt wie geplant einfach in einer Schüssel) dekadent auf drei Tellern bekomme. Aber sehr lecker und sehr günstig! 
Das Übliche "Vegetarier? Kein Problem, wir haben ein Hühnchen-Gericht!" bleibt hier aus, dafür fragt der Kellner, ob Käse denn vegetarisch sei... Hach ja. 

Mittwoch früh machen wir im Hotel-Fitnessstudio mal wieder sowas wie Sport. Um 8 kommt eine Ärztin für den PCR-Test vorbei, den wir für den Rückflug brauchen. Was für ein Service!
Beim Frühstücksbuffet im Hotel darf man sich nicht selbst bedienen, sondern sagt einem armen Angestellten, was man alles so will. Sehr Corona-konform. 
Nachdem ich im Frühstücksraum kurz meine Eltern angerufen habe, quatscht mich der Typ am Nachbartisch auf Deutsch an (man darf sich nie der Illusion hingeben, nicht verstanden zu werden... die Welt ist klein) und will wissen, wie wir unseren inhouse-Coronatest bekommen haben.

Um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen (der Wetterbericht für Berlin sieht grausig aus!) legen wir uns eine Runde an den Pool, bevor wir einen Stadtspaziergang machen.
Guayaquil ist leider wirklich richtig hässlich. Es gibt die Kathedrale, davor einen kleinen Park, und ungefähr zwei schöne historische Gebäude. Am Ufer haben sie eine kleine Promenade angelegt, die auch noch ganz nett ist. Der Rest ist absolut furchtbar. Wir essen Salatbowls zu Mittag und nutzen dann noch das günstige Preisniveau hier aus: Ich kaufe eine 5$ Hose und gehe zur 5$-Pediküre und Eugen zum Friseur. 
Bei einem Tischtennis-Match auf dem Hoteldach zeigt sich mal wieder, dass Eugen mir da doch leicht überlegen ist. 

Gleich gehen wir noch einmal schön Abendessen und werden unseren letzten Abend hier genießen. 
Dann stellt sich die Frage: Wo ist eigentlich dieser Haustürschlüssel, den wir vor 6 Monaten irgendwo im Gepäck vergraben haben? :-)
Deutschland, wir kommen!

08./09. Mai 2021: Lockdown-Wochenende im Wild Child Village

Das ist hier wie ein lustiges Sozial-Experiment. 20 Leute und viele Tiere auf einem Haufen, und alles organisiert sich irgendwie selbst.
Am Samstag hält Eigentümer Brett einen Capoeira-Kurs (eine ursprünglich brasilianische, fast tanz-artige Kampfkunst). Ich halte mich fern, aber Eugen ist am Start. Dazu trommeln ein paar Jungs, was eine coole Atmosphäre erzeugt. 
Nachmittags gibt eines der Mädels Unterricht in afrikanischem Tanz. Diesmal trommelt Eugen, und ich lerne die Choreografie und hüpfe wild durch die Gegend. Macht Spaß! 

Sonntag brechen wir den Lockdown und laufen ganz illegal runter ins Dorf, wo wir einen Massagetermin haben. Ein letztes Mal Tiefenentspannung, bevor es nach Hause geht! Anderthalb Stunden Massage, dann Whirpool und Sauna. Herrlich! 
Klammheimlich laufen wir danach schnell wieder den Berg hoch in unser kleines Dorf, kochen mit den Anderen und quatschen. 
Abends sitzen wir noch lange (bis 23 Uhr!) mit ein paar Leuten zusammen und Eugen spielt ein bisschen Musik. Ich koche Suppe, und es kommen immer mehr Leute, sodass ich einem alten Sprichwort folge, was mein lieber Herr Papa früher zu sagen pflegte: "Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle Willkommen!" :-)
Hier finden sich viele sehr interessante, weltoffene Menschen. Wir saugen diese Hippie-Lebensart und die Natur nochmal richtig ins uns auf - die Tage sind gezählt!

06./07. Mai 2021: Wild Child Village


Wir sind genau ein halbes Jahr unterwegs! Wahnsinn, wie die Zeit verfliegt. Es fühlt sich an, als hätten wir nie anders gelebt. Ich nehme das Reisen nach wie vor überhaupt nicht als anstrengend, rastlos oder unstet war. Es ist einfach Normalität geworden, auf eine schöne Art. Nicht langweilig, sondern eher ganz natürlich.


Donnerstag verlassen wir das Grundstück des Wild Child Village nicht einmal. Wir quatschen viel mit anderen (teilweise Langzeit-)Gästen hier. Ein holländisches Pärchen ist gerade angekommen - sie sind "Natural Builders". Die letzten 3 Monate haben sie in Costa Rica geholfen, ein durchdesigntes Toilettenhäuschen aus Bambus und anderen Naturmaterialien für ein Öko-Hotel zu bauen. Hier im Wild Child Village werden sie drei neue Wohnhütten bauen, so verdienen sie sich ihre Unterkunft. 

Ein anderes Pärchen verkauft hier Schmuck. Das klingt nach Freundschaftsbändchen, ist aber in Wirklichkeit richtig hohe Handwerkskunst. Alicia knüpft Armbänder und Ketten, und Dixon fertigt Schmuckstücke aus Draht und Edelsteinen an, wobei der Draht kunstvoll geklopft und in allerhand sehr filigrane Strukturen gebogen wird. Eugen kauft eine großartige sehr besondere Kette und ich ein paar Ohrringe mit Ara-Federn, die Dixon von einem Stamm im Amazonas geschenkt bekommen hat. 

Nachmittags machen wir der Community eine Freude, indem wir eine ordentliche Portion Hummus (Eugen) und Leinsamen-Fladenbrot (ich) zubereiten und in die Gemeinschaftsküche stellen. 

Wir wohnen ab jetzt nicht mehr in einem Zimmer im Haupthaus, sondern in einer eigenen Hütte. Die Hütte ist superschön mit Sofa und Tisch, wo Eugen ab jetzt arbeitet (ich brauche immer etwas mehr Trubel und arbeite lieber in der Küchenhütte), und einer zweiten Ebene, auf der das Bett ist. 
Bevor wir schlafen gehen schleicht sich eine der Katzen in unsere Hütte, kuschelt sich aufs Sofa und schläft ein. Wir überlegen lange, ob wir sie da lassen sollen oder ob sie uns irgendwann maunzend aufwecken wird, weil sie rauswill. Sie lässt sich aber wirklich nicht rausbewegen, also gehen wir schlafen. Am nächsten Morgen ist sie weg - sie hat ein Schlupfloch gefunden. :-)

Freitag beginnt der Tag mit einer Kundalini-Yoga-Stunde von einem der Gäste, eine spannende Mischung aus Yoga und Atemübungen. Danach arbeitet Eugen, und ich fahre mit Hotelbesitzer Brett, drei anderen Gästen und zwei Hunden mit dem klapprigen VW-Bus in die nächstgrößere Stadt, Puerto Lopez, da wir Bargeld brauchen. Außerdem erledigen wir dort in einem Supermarkt und auf zwei lokalen Märkten die Großeinkäufe für alle Gäste. Puerto Lopez ist sehr trubelig nach all der Abgeschiedenheit des Wild Child Village. Überall fahren Tuktuks hupend durch die Straßen, Hunde rennen herum, kleine Händler bieten schreiend ihre Waren an. 
Die drei anderen Gäste bleiben unten in Ayampe, während ich mit Brett noch bei seinem Wohnhaus vorbeifahre, das unten am Berg liegt - er wohnt mit seiner Familie nicht mehr im Wild Child Village, weil seine beiden Kinder dort wohl alles auseinander nehmen. Von der Frau, mit der er das Hotel aufgebaut hat, lebt er inzwischen getrennt, aber irgendwie dennoch im selben Haus - es ist kompliziert. Er erzählt mir viel von ihrer Post-Partum-Depression und dem Gefühl, die Frau in die er sich mal verliebt hat seit der Kinder nicht mehr gesehen zu haben. 
Die Frau wirkt sehr nett, und die beiden Kinder sind echt süß. Brett und ich sammeln die Kinder ein, packen auch die beiden Hunde wieder ins Auto und fahren weiter ins Wild Child mit all den Einkäufen. Ein Schwarm Helfer kommt, um alles den Trampelpfad hinunter vom Parkplatz ins Haus zu schleppen.

Ich habe Eugen vom Fischmarkt eine Scheibe Thunfisch mitgebracht, die es nun zum Mittagessen gibt. Den Rest des Tages arbeiten wir. 
Heute regnet es auch mal nicht (es wird gerade Winter hier und die Regenzeit kommt). Pünktlich gegen 17 Uhr fallen die Mosquitos ein, aber wir wissen uns inzwischen zu schützen. Die Ruhe und die Natur hier tun uns nach wie vor sehr gut!

04./05. Mai 2021: Umzug ins Wild Child Village, Ayampe

An unserem letzten Tag in Santa Marianita führen wir noch ein Patienteninterview für unseren Bluthochdruck-Kurs, packen unsere Sachen und werden dann von unserem Taxifahrer abgeholt. In Manta beschließen wir, uns von ihm die ganze Strecke nach Ayampe fahren zu lassen, anstatt den Bus zu nehmen - geht schneller und ist Covid-sicherer. Er lässt uns in einer Shopping-Mall in Manta ein schnelles Mittagessen holen. Es ist unmöglich, dort etwas auch nur annähernd Gesundes zu finden. Also sitzen wir hinten im Taxi mit Crepe (ich) und KFC-Maximenü (Eugen).

Kurz vor Ayampe biegen wir einer fast geheimen Wegbeschreibung folgend ab den Berg hinauf. Die letzten 500m müssen wir mit all unserem Gepäck laufen, bergauf und bergab einen kleinen Pfad entlang. Unser Ziel ist das Wild Child Village, ein kleines Hostel im Nirgendwo mit Platz für etwa 20 Gäste. Wir werden direkt von einigen Hunden und Katzen begrüßt. 
Ein amerikanisches Pärchen hat sich hier vor einigen Jahren ein Stück Land im Regenwald gekauft und die Anlage errichtet. Sie besteht inzwischen aus einem Haupthaus, was eine riesige Bambus-Struktur mit einigen dreieckigen Zimmern, einer Gemeinschaftsfläche mit Sitzmöglichkeiten und unterm Dach einem Yogastudio ist. Beeindruckend schön und beeindruckend, dass das hält! Darüberhinaus gibt es noch eine Maloka (für Zeremonien...), drei komfortablere Wohn-Hütten und eine weitere große Hütte mit Gemeinschaftsküche und Sitzmöglichkeiten. 
Die Küche ist total schön eingerichtet und mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt. Das System hier ist einfach: Einmal die Woche macht Eigentümer Brett den Großeinkauf und bringt frisches Obst und Gemüse und allerhand Anderes für alle. Jeder zahlt 25$ pro Woche und darf sich an allem bedienen. Man kann nur für sich, oder auch für mehr Leute kochen, wie man mag. 
Dem Hippie-Klischee entsprechend sind viele Veganer hier und alle leben höchst gesund. Wir sind total begeistert, was es alles gibt. Kiloweise Avocados, Bananen, Passionsfrucht, Erdbeeren, Brokkoli und Blumenkohl, Spinat, Zucchini, Kartoffeln, Karotten und noch viel viel mehr. Als hätte man den Obst- und Gemüsestand im Kühlschrank. 

Das Internet ist erstaunlich gut, und wir haben ständig Gesellschaft beim Arbeiten: Eugen hat sich direkt mit einem 6 Monate alten Hund angefreundet, und meine neue Freundin ist eine nette Katze, die mir schamlos über die Laptop-Tastatur latscht. Im Wäschehäuschen wohnen Katzenbabies. 

Es tut richtig gut, nochmal so mitten in der Natur zu sein. Alles ist offen, man ist quasi immer draußen. Es nieselt, aber irgendwie passt das zur Regenwald-Stimmung. In der Ferne kann man das Meer sehen. 
Abends kochen wir ein leckeres Gemüse-Curry. Auf der Suche nach einer Dose Kokosmilch zeigt uns einer der Langzeitmieter hier (er ist mit Frau und 3jährigem Sohn schon seit Monaten hier), wie man eine richtige Kokosnuss mit der Machete aufhackt, und dann durch Pürieren von Wasser und Fruchtfleisch "echte" Kokosmilch bekommt. 

Am Mittwoch Morgen nutzen wir die Yogafläche und machen uns danach großartigen Haferbrei mit all dem tollen Obst. Dann wird gearbeitet. Als wir zum Mittagessen in die Küche kommen stellen wir fest, dass unsere Reste von gestern schon gegessen wurden - Kollektiv-Küche eben. Dafür bekommen wir selbstgemachtes Brot aus Leinsamen und Kokosmehl, Hummus und Salat angeboten und machen dazu noch Quinoa-Gemüse. 

Am Nachmittag nimmt Brett uns (und zwei seiner Hunde) mit seinem uralten, völlig klapprigen, aber wunderschönen VW-Bus mit runter nach Ayampe. Den Ort hatten wir uns größer vorgestellt (und mit mehr Geldautomaten - es gibt leider keinen). Es ist definitiv ein Surfer-Ort mit netten kleinen Cafés und Restaurants, aber wenigen Touristen. Die Einheimischen gehen so ihren Dingen nach, Kinder spielen mit Hunden und Hühnern auf der Straße. Wir lassen den afrikanischen-Trommel-Tanzkurs aus, den Brett uns anbietet, und erkunden stattdessen das Dorf. Ich kaufe einem kleinen Schmuckladen ein paar Ohrringe ab und wir erstehen im Minimarkt unter anderem etwas Milch (hat man als Veganer ja nicht, ist daher nicht teil des Gemeinschaftseinkaufs, macht aber meinen Kaffee deutlich leckerer).  

Zufällig fährt gerade Laura an uns vorbei, die Frau des Kokosnuss-Mannes, und nimmt uns mit ihrem Jeep mit hoch zurück zum Wild Child Village. Abends kochen wir wieder lecker und gehen wie immer früh schlafen. Wir haben uns schon sehr gut eingegliedert bei den Hippies hier. :-) 

01. bis 03. Mai 2021: Santa Marianita

Das Lockdown-Wochenende verbringen wir sehr entspannt in unserer kleinen Hütte. Nach einer besonders intensiven Coaching-Session mit einer neuen Klientin renne ich verbotenerweise sogar einmal kurz ins Meer, um den Kopf wieder freizubekommen. Unser Strand hier ist zum Dorfzentrum ganz gut abgeschirmt, sodass die Polizei hier nicht kontrolliert, was außer mir auch noch einige Einheimische ausnutzen. 
Eugen steht manchmal Nachts auf, weil irgendeine Krypto-Währung abschmiert. :-) Das ist, als hätte man ein Tamagotchi.

Am Montag haben wir zum letzten Mal Gelegenheit zum Kitesurfen. Eugen stürzt sich schon wie gehabt souveränst alleine in die Fluten. Ich stehe noch unter Aufsicht von Kitelehrer Javier, weil er mein Können (haha) gemäß irgendeines internationalen Kitesurf-Standards einstufen will. Erst klappt es frustrierend schlecht, bis ich meine Ausrüstung wechsle. Man muss nämlich je nach Windverhältnissen eine andere Kite-Spannweite, Leinen-Länge und Board-Größe wählen - eine Wissenschaft für sich. Dann geht's aber ab und ich komme auch ohne Lehrer inzwischen richtig gut klar. Wie schön das ist, sich vom Wind auf den großen weiten Ozean ziehen zu lassen! Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich laut dabei singe vor Freude (dank des Windes und der Entfernung hört einen ja auch keiner). 

Ich hatte hier wirklich den besten Kitelehrer, den ich mir hätte wünschen können. Javier ist nicht nur Kitelehrer, sondern auch Arzt (er hat mir stolz ein Zertifikat irgendeiner indischen Uni gezeigt, mit Schwerpunkt Homöopathie...), Life Coach (wir haben uns also viel zu erzählen) und ehemaliger Motorrad-Rennfahrer. Ein Mann der vielen Talente! Er wusste jedenfalls genau, wie er mit mir kommunizieren muss, damit ich nicht frustriert werde. :-)
Und er kann perfektes Englisch, das macht es im Vergleich zu den letzten Versuchen auch deutlich leichter.
Nach der letzten Kitestunde kutschiert er mich sogar mit seinem Motorrad in die nächstgrößere Stadt Manta, weil wir nicht mehr genug Cash haben, um unsere Stunden zu bezahlen. Santa Marianita hat weder Supermärkte noch Geldautomaten. Die Spritztour auf dem Motorrad macht auch mal wieder richtig Spaß. Eugen isst derweil Cheeseburger in der Kiteschule mit Sebastian, dem französischen Volunteer aus Friedrichshain, und die beiden diskutieren angeregt über Kryptowährungen.

Morgen wachen wir zum letzten Mal zum Rauschen des Meeres auf und ziehen dann um in ein Hippie-Hotel nach Ayampe. Wir sind schon ganz gespannt!
Gestern war übrigens auch der erste Tag, an dem ich mich mal richtig auf Berlin und Zuhause gefreut habe. :-) 

29./30. April 2021: Noch mehr Kitesurfen in Santa Marianita

Aufwachen zum Sound der Wellen, Frühstück, Arbeit, Mittagessen, Kitesurfen, Abendessen, Schlafen. Genau so haben wir uns das vor vielen vielen Monaten mal erträumt! 
Und wir machen beide große Fortschritte beim Kiten. Eugen darf jetzt ohne Lehrer raus und surft munter hin und her. Ich übe noch die Kurven während mein Lehrer irgendwo im Wasser rumschwabbelt (was der Typ an Kilometern am Tag schwimmt ist unglaublich!), aber habe beschlossen, dass ich diesen Sport doch richtig lernen will. 

Ansonsten gibt es nicht so viel Neues. Am Wochenende ist hier Lockdown, den wir gemütlich in unserer Hütte verbringen werden. Der Kühlschrank ist voll, es gibt einen Pool nebenan, und wir haben gut zu tun - langweilig wird uns nicht.
Am Dienstag ziehen wir um nach Ayampe, einer anderen kleinen Küstenstadt. Das ist unsere letzte richtige Station. Dort bleiben wir eine Woche, bevor wir dann die letzten beiden Tage vor dem Heimflug in Guayaquil verbringen (von wo wir auch fliegen), da wir nur dort einen PCR-Test machen können. Und dann hat Deutschland uns bald wieder!

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27./28. April 2021: Kitesurfen in Santa Marianita

Hach, ein ganz neues Lebensgefühl in unserer wunderschönen Holzhütte. Beim Aufwachen hört man nur das Meeresrauschen und ein paar Vögel (okay, irgendwann kommen die Bauarbeiter nebenan auf der Baustelle, die laut der Anzeige auf Airbnb „quasi fertig“ ist – das Haus ist ein Rohbau ohne Fenster/Türen/Dach...).

Ab jetzt ähneln sich die Tage. Wir machen uns ein schönes Frühstück, arbeiten eine Weile und machen gegen Mittag einen Strandspaziergang zur Kiteschule. Dann haben wir 2-3h Kitesurf-Unterricht. Gestern hat Eugen entschieden, sich vor dem Kitesurfen einen doppelten Cheeseburger einzuverleiben und wir mussten dann doch noch etwas Pause einlegen. :-)

 

Ich hadere noch mit mir, ob Kiten wirklich mein Sport wird, weil mich die Kosten und das Geraffel mit der ganzen Ausrüstung etwas nerven. Bis man immer diesen Kite aufgepumpt hat, an der richtigen Stelle, mit den richtigen Leinen verknüpft, im Neoprenanzug mit Harness, dann ewig der Strömung entgegen gelaufen ist mit dem schweren Board in der Hand, sich dann mühsam hinter die Wellenlinie gekämpft hat mit all dem Zeug – aber wenn man es denn mal schafft, eine schöne Strecke auf dem Board zu stehen und die Küste entlang zu düsen, dann macht’s schon richtig viel Spaß. Hach. 

Es ist auf alle Fälle spannend, noch mal einen Sport so von Grund auf zu lernen, komplett ohne Vorkenntnisse. Das macht man ja nicht mehr so oft, in unserem Alter. :-) 

 

Unsere Vermieterin und Nachbarin Lorena ist sehr hilfsbereit, bis zu einem Punkt wo’s merkwürdig wird: Als ich gerade gemütlich am Pool liege, kommt sie und meint das sei doch so ein schönes Foto gerade mit mir und den Blumen im Hintergrund. Da ich mein Handy nicht parat habe, macht sie kurzerhand Fotos von meinem halbnackten Hintern mit ihrem Handy und schickt die an Eugens Nummer... Okay. :-)

 

Wir haben unseren Aufenthalt hier in der Hütte verlängert bis Dienstag und müssen daher nochmal groß einkaufen gehen, um übers Lockdown-Wochenende zu kommen, also machen wir einen Ausflug zu MegaMaxi in Manta. Ich freu mich aufs selber kochen, zumal die wenigen Restaurants hier im Ort quasi nichts außer Fisch anbieten. Interessanterweise hat Südamerika ein Problem mit Käse. Hier wird nur komischer Queso fresco gegessen, also frischer Käse, der aussieht wie Feta, aber nach absolut gar nichts schmeckt. MegaMaxi hat zwar auch Gouda und Ziegenkäse, aber da kostet dann der kleinste Brocken schon 7 USD. 

 

Außerdem gibt’s Planungs-Neuigkeiten: Wir haben unseren Heimflug nach Berlin gebucht! Am 14. Mai sind wir wieder zuhause. 

24. bis 26. April 2021: Lockdown in Quito und ab ans Meer

Am Samstag dürfen wir unser Haus nicht verlassen und arbeiten den ganzen Tag. Der Lieferservice bringt Lasagne, die diesen Namen nicht verdient. 

Glücklicherweise klappt am Sonntag alles mit unserem Escape-Plan. Der (unter Vorlage von Flugticket und Ausweisen) vorbestellte Taxifahrer bringt uns trotz menschenleerer und teils gesperrter Straßen gut zum Flughafen und wir können nach Manta fliegen. Nach einem netten kurzen Flug sind wir also wieder in der Wärme! Die Sonne geht gerade unter, als wir aus dem Flieger steigen.

 

Ein Taxi bringt uns ins 30min entfernte Fischerdorf Santa Marianita, wo wir mal wieder in einem Whitehouse einchecken: dem Hotel Casa Blanca. Erst macht uns ewig keiner das Tor auf. Dafür hören wir Gekläffe von vielen kleinen Hunden. Dann erscheint Besitzer Johnny, ein etwas komischer Kauz. Auf die Frage, wo wir denn noch ein Abendessen herkriegen würden, schickt er uns ins Dorf – da gäbe es auf jeden Fall noch Burger. Okay, es ist Lockdown, aber trotzdem ist das Dorf erstaunlich ausgestorben (in fact, die einzige Menschenansammlung, die wir sehen, ist eine Beerdigung...). Wir finden weder Burger noch Supermarkt.

Zum Glück haben wir einen Grundstock an Frühstückszutaten dabei, sodass wir uns in der Hotelküche immerhin Notfall-Haferbrei mit Obst machen können. Die kleinen Köter kläffen auch spät abends noch...

 

Am nächsten Morgen sagen zwei meiner Termine kurzfristig ab. Meine Laune hebt sich aber wieder, als ein alter Klient von mir sich meldet, den ich zu Liebes- und Beziehungsfragen beraten habe, um mir mitzuteilen, er habe sich nun verlobt! 

Das als „kontinental“ angepriesene Frühstück im Hotel ist eher mager und wir beginnen, nach alternativen Unterkünften zu schauen. Wir versuchen noch, bei einem Dorfspaziergang etwas zum Mittagessen zu finden, aber alles ist dicht. Ein Minimarkt verkauft uns eine Packung Nudeln, ein Glas Tomatenmark und eine Dose Erbsen. Das rühren wir im Hotel zusammen. Hmmm! 

 

Nachmittags haben wir Kitesurf-Unterricht. Und ich hab endlich mal einen Kitelehrer, der vernünftig Englisch spricht und mir richtig gut erklärt, wie das geht! Eugen ist schon fast Profi und surft fröhlich vor sich hin, und auch ich mache langsam Fortschritte. Dabei sind die Bedingungen hier deutlich härter als ich es bisher kannte – Wellengang und tiefes Wasser. Dafür klappt es erstaunlich gut. 

Zwischendrin findet mein Kitelehrer eine kleine Krabbe, die sich irgendwo zwischen meinen Haaren und meiner Schwimmweste verhakelt hat (und ich versuche nicht panisch zu werden, als er mir mitten auf dem Ozean zuruft „Oh there’s a crab stuck at your back!“). Zurück im Surfshop, als ich meine Ausrüstung ausziehe, ist die kleine Krabbe immer noch da! Kitelehrer Javier setzt sie liebevoll zurück ins Meer.

 

Außer einem jungen Mann, der in Berlin-Friedrichshain wohnt, Englisch mit hartem deutschen Akzent spricht, aber behauptet Franzose zu sein, begegnen wir keinen anderen Touristen. Aber immerhin haben heute ein paar Restaurants geöffnet. 

 

Nach dem Kiten packen wir unsere Rucksäcke und checken aus der Casa Blanca aus. Wir ziehen um in ein Airbnb, eine nette kleine Blockhütte mit Küche direkt am Strand. Viel schöner! Ich bin wieder glücklich. :-) 

Da es in Santa Marianita keinen Supermarkt gibt, müssen wir mit dem Taxi 20min bis Manta fahren, um Einkäufe zu erledigen. Zum Abendessen gibts einen großen selbstgemachten Salat, herrlich! 

22./23. April 2021: Quito

Noch vor dem Frühstück auf der Hacienda Rumiloma (von der wir immer mehr denken, dass sie mal einen Kult beherbergt haben muss - es lässt sich nichts über die Geschichte der alten Gebäude herausfinden) kriegen wir Besuch von drei (!) Llamas, die nacheinander den Pfad bis direkt vor unserer Haustür hinauflaufen, ihr Geschäft verrichten, und sich dann ungeniert umdrehen und wieder gehen. Ist das ein Willkommensgruß?!

Wir frühstücken schön zu viert, und dann machen Eugen und ich uns auf den Weg ins historische Zentrum von Quito und beziehen dort unsere neue Unterkunft. Eugen hat mal wieder ein tolles Apartment für uns gefunden. Und das ist wichtig, denn beim Frühstück erzählt uns einer der Hotelangestellten, dass Ecuador nun einen Wochenend-Lockdown eingeführt hat. Von Freitagabend mit Montagfrüh darf man sein Haus nicht verlassen - es sei denn, man hat ein Flugticket (daher buchen wir schnell noch einen Flug an die Küste für Sonntag). 

Wir lassen unsere Wäsche waschen und treffen die Mädels zu einem Museumsbesuch im Precolumbian Art Museum (nachdem die beiden von ihrem Taxifahrer erst ins falsche Museum gefahren wurden und erst nach einer halben Stunde Führung gemerkt haben, dass es verdächtig viel um Wasserzisternen und verdächtig wenig um Präkolumbus-Kunst geht...). Das Museum ist klasse, in einem alten Kolonialbau mit viel Infos zu Schamanismus und der indigenen Spiritualität.

Anschließend fahren wir vier für ein frühes Abendessen ins Café Mosaico, das hoch auf einem Berg gelegen ist mit toller Aussicht über die Stadt. Der Besitzer stammt aus New York City und hat etwa 8 sehr niedliche Hunde. Einer davon heißt Marcia, wie unsere amerikanische Freundin. Als wir gerade das (eher mittelmäßige) Essen beendet haben, winken uns zwei Gestalten vom Eingang des Restaurants wild zu. Wir brauchen eine Weile bis wir sie erkennen - es ist das Pärchen, das wir auf der 360°-Tour auf den Galapagos-Inseln kennengelernt haben. What are the odds, in einer Stadt mit nur 2,5 Mio. Einwohnern die einzigen beiden Menschen zufällig zu treffen, die wir hier kennen?!

Freitag früh gehen Eugen und ich lokal frühstücken, das bedeutet Rührei, Humitas (diese Maisteigkuchen) und "Cafe en leche" (man bekommt ein Glas heiße Milch, in das man Instant-Kaffeepulver einrühren darf. Obwohl Ecuador Kaffee anbaut, gibt es hier überall nur Instant-Kaffee. Bäh). Dann decken wir uns im Supermarkt mit Lebensmitteln fürs Lockdown-Wochenende ein. 

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt stellen wir fest, wie sehr Quito von der Pandemie getroffen wurde. Kleine nette Gässchen mit historischen Gebäuden, in denen laut Reiseführer überall Cafés, Restaurants und Geschäfte sind, alle Leute auf der Straße herumflanieren und Livemusik machen würden, sind komplett tot. Alle Lokale sind geschlossen. Wir sind die einzigen Menschen auf der Straße - abgesehen von ein paar Polizisten, die uns nahelegen, gut auf unsere Wertsachen aufzupassen. Es ist ein trauriger Anblick. 
Ein kleines Schokoladengeschäft hat geöffnet und die Besitzer sind ganz aufgeregt über unseren Besuch und lassen uns 100%-Schokolade kosten. 
Wir finden eine etwas belebtere Ecke und Eugen beschließt, die Wirtschaft hier etwas anzukurbeln, und kauft ein. Neue Schuhe, ein paar Souvenirs, Snacks - irgendwer muss hier ja etwas Geld reinbringen. 

Die Altstadt ist dank der Kolonialarchitektur wirklich ganz schön, und besonders sehenswert sind all die sehr prunkvollen Kirchen, aber die Stimmung in der Stadt ist ziemlich gedrückt. 

Zum Abendessen treffen wir Stef und Marcia wieder und gehen nett essen (auf einem der Bilder seht ihr eine brennende lokale Spezialität, Kartoffelsuppe mit Käse und Avocado). Die beiden fliegen morgen heim nach San Francisco bzw. New Orleans, daher ist nun der Abschied gekommen. 

Wir werden den Samstag in unserer Wohnung mit Arbeiten verbringen, fliegen Sonntag nach Manta und bleiben ein paar Tage in Santa Marianita, wo man kitesurfen kann. :-) 

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17. bis 21. April 2021: Im Regenwald

Beim Frühstück in Latacunga erzählen wir dem Portier von unseren weiteren Plänen, und er meint da hätten wir eine kurze Reise vor uns, es seien nur 30min Busfahrt bis Ambato und dann weitere 30min nach Puyo. In Wirklichkeit brauchen wir 1h nach Ambato und nochmal 4h nach Puyo, aber wir haben ja Zeit. :-)
Als wir nach Butter fragen, sagt der Frühstücksmann sie hätten nur Frucht-Butter, ob das auch okay sei? Frucht-Butter entpuppt sich als Marmelade. Klar. 

Nun haben wir vier entspannte Tage auf einer kleinen Lodge mitten im Regenwald bei Santa Clara. Die Lodge besteht aus ein paar Hütten mit Hängematten davor, einem Dusch- und Toiletten-Häuschen und einer Maloka. Eine Maloka ist der traditionelle Treffpunkt der indigenen Dorfgemeinschaft, eine große Hütte, in der man zum Beispiel für wichtige Dorfversammlungen zusammenkommt, oder in unserem Falle für Meditation. 

Ein kleiner Pfad führt zu einem eiskalten, aber sehr schönen Fluss, in dem man baden kann. 

 

Und so verbringen wir die Tage mit viel Ruhe und Meditation, geführten Dschungel-Wanderungen, Baden im Fluss, Lesen in der Hängematte, Yoga und abendlichen Gesprächen mit anderen Gästen am Feuer. 

Wir lernen sogar einen Schamanen des Kichwa-Stammes kennen, der uns viel über Pflanzenheilkunde erzählt. 

 

Aber vor allem machen wir nette Bekanntschaften – unter anderem zwei lustige Mittvierziger Amerikanerinnen, Marcia und Stef. Wir haben denselben Abreisetag und die beiden laden uns ein, mit ihnen gemeinsam nach Quito zu fahren und in ihrem Hotel unterzukommen – sie haben nämlich eine 150qm-Suite mit zwei Schlafzimmern gebucht. Da sagen wir nicht Nein. 

Die Fahrt nach Quito zieht sich ewig, aber immerhin fällt unser sehr abenteuerlich auf dem Dach des Minivans verstautes Gepäck nicht herunter. Kurz vorm Ziel gibt es nochmal Aufregung: Das Hotel ist eine Hacienda etwas außerhalb Quitos auf einem Berg. Der Weg dorthin ist so steil, dass der Minivan nicht hochkommt. Unser wenig kompetenter Fahrer setzt das Auto bei seinen Versuchen in bedenklicher Schieflage fast in den Graben, sodass wir uns vom Hotel mit einem Allrad-Jeep abholen lassen müssen.

 

Dort angekommen erst einmal große Enttäuschung – die Küche ist schon zu (es ist 20 Uhr...) und kein Lieferservice fährt diesen Berg hinauf. Wir sind hungrig, uns ist kalt, es gibt kein Wlan. Meh. 

Der Koch erbarmt sich dann doch, und beim Betreten unseer Suite sind wir alle vier sofort versöhnt: Es ist ein eigenes Haus, ganz toll eingerichtet mit viel Holz, Kaminfeuer und einem Whirlpool im Wohnzimmer. Vor der Tür grasen Llamas. Überall liegen Rosenblätter – scheinbar dachten die Gastgeber eher an ein Honeymoon-Pärchen als an zwei befreundete Amerikanerinnen, die ein deutsches Pärchen aufgabeln. :-) 

Das Abendessen nehmen wir also im Whirlpool zu uns und tauschen Reisegeschichten aus. Marcia und Stef sind beide Ärztinnen, waren für Ärzte ohne Grenzen in der ganzen Welt unterwegs und haben viel zu erzählen. Vor allem Marcia erlebt einfach die absurdesten Geschichten.

Eugen und ich bleiben noch bis Sonntag in Quito und fahren dann an den Strand.

16. April 2021: Quilotoa Loop Tag 3: Chugchilan nach Quilotoa

Nach 11h Schlaf wache ich auf, und der Sonnenaufgang vor unserem Fenster über den Berggipfeln ist unwirklich schön. Außer ein bisschen Vogelgezwitscher herrscht absolute Ruhe. Victor macht uns Frühstück und erzählt wieder viel. Umberto kommt nochmal vorbei und bringt Eugen seine Sonnenbrille, die er beim Reiten verloren hatte. 

 

Um der lieben Gesundheit willen gibt’s heute ein weiteres Verkehrsmittel-Upgrade für Etappe Nr. 3: Wir fahren hoch zum Ziel der ganzen Sache, dem Gipfel des Quilotoa. Victor erklärt uns, wir könnten auf den Bus warten, wir könnten aber auch einfach Camioneta fahren, was quasi Trampen gegen einen Dollar bedeutet. 

Also laufen wir hoch zur Straße, haben uns gerade hingesetzt, als auch schon ein Kleinlaster heranfährt, den ich sehr nett und blond anlächle. Der nette junge Mann nimmt uns gerne mit. Er transportiert Brot von Sigchos nach Quilotoa und erzählt uns viel über die politische Lage in Ecuador. Er glaubt nicht an den Veränderungswillen des neuen Präsidenten für die armen Leute in den Bergen. In vielen Familien muss der Mann in die Großstadt gehen, um etwas Geld zu verdienen, während die Frau sich um die Familie und den Hof kümmert. 

Hier oben wurde 2010 immerhin eine asphaltierte Straße bis nach Quilotoa gebaut, aber die bricht schon wieder halb zusammen (siehe Foto).

 

Wir werden im erstaunlich hübschen Dorf Quilotoa abgesetzt und laufen sofort neugierig einen kleinen Berg hinauf, schauen über den Abgrund – und sehen das Ziel unserer Reise, den Kratersee des Quilotoa. Was für ein Anblick! Es ist mucksmäuschenstill rundherum. Keine anderen Touristen zu sehen. Der See ist vom gezackten Kraterrand umgeben. Das Wasser zieht leichte Schlieren vom Wind, ein einziges Boot ist in der Ferne zu erkennen. Schwalben fliegen waghalsige Manöver am Kraterrand und stürzen sich immer wieder in die Tiefe. Ein großer Vogel, der ein Andencondor sein könnte, zieht seine Kreise. Wir sind erstmal sprachlos. Die Sonne bricht durch die Wolken und lässt das Wasser grünlich schimmern.

 

Ein Café direkt am Kraterrand macht extra für uns auf, und wir bekommen Kaffee (ich) bzw. eine Art heißen Maracuja-Saft (Eugen). Teddy, der Australier den wir auf den Galapagos-Inseln kennengelernt haben, hat uns erzählt, es gibt hier ein Lauf-Event, bei dem die besten Läufer des Landes die 10km auf und ab einmal um den Krater rennen. Und das auf 3.900m Höhe!

 

Nachdem wir uns einigermaßen sattgesehen haben, spazieren wir durchs Dorf in die grobe Richtung, in der ein Bus zurück nach Latacunga kommen könnte. Das Dorf hat viele Restaurants und Souvenirläden (mit wirklich schönen Alpaka-Wollmützen), die lange keine Touristen mehr gesehen haben. Die Dorfbewohner gehen so ihren Dingen nach, waschen Wäsche, führen Llamas durch die Gegend, oder spielen mit ihren Hunden. Ein verlorenes Riesenrad, über das gerade der Nebel zieht, steht auf einem Parkplatz. Unten einige Fotos vom Dorf Quilotoa.

 

Von A nach B zu kommen gelingt uns immer schnell und gut – kaum haben wir uns an den Ortsausgang gesetzt, um auf den Bus zu warten, da kommt ein Camioneta vorbei und bietet an, uns für einen Dollar bis nach Zumbagua zu bringen. Dort steigen wir um (nicht ohne noch schnell ein Empanada an einem Straßenstand zu kaufen, siehe Foto) in den Bus nach Latacunga, der auch direkt losfährt. Wie am Schnürchen!

 

Zurück im Hostal Rosita in Latacunga beschließen wir, statt hier zu nächtigen doch lieber in ein Airbnb mit Heizung zu ziehen. Nachts wird’s hier doch etwas frisch, aber Heizungen sind ein Luxus, den kaum jemand hat. Also sammeln wir bei Marco unser Gepäck ein und ziehen um. Eugen legt sich schonmal ins Bett, ich erledige ein paar Einkäufe. Abends bestellen wir Pizza und Salat. Wir sind glücklich, den Quilotoa erklommen zu haben, wenn auch nicht ganz auf die geplante Art. :-)

Das mit dem Wandern müssen wir bald nochmal irgendwo probieren, wenn wir beide ganz fit sind. 

 

Wir sind jetzt bis ungefähr nächsten Donnerstag nochmal offline im Regenwald in der Nähe von Puyo!

15. April 2021: Quilotoa Loop Tag 2: Isinlivi nach Chugchilan

Auch das Frühstück im Llullu Llama Hostel ist super. Leider ist Eugens Erkältung nicht besser und die nächste Etappe deutlich härter, sodass wir uns für etwas Hilfestellung entscheiden: Wir reiten nach Chugchilan! 

Das Bezahlen im Hostel dauert ewig (wir haben nicht so viel Cash und überweisen daher, dann fällt der Hosteldame auf, dafür müsse sie zuviel Gebühren bezahlen, wir versuchen zu widerrufen, etc.). Viele Google Translate Diskussionen später verabschieden wir uns vom Hostel und seinem riesigen Bernhardiner Balou. Vor der Tür wartet schon Umberto, unser Guide für heute, mit drei Pferden und zwei Schäferhunden. Er kam heute früh schon aus Chugchilan hierhergeritten, um uns abzuholen. 

 

Eugen hat sich ja in Südafrika schonmal als erstaunlich begabter Reiter erwiesen und kann hier absolut an seine Erfolge anknüpfen. Sein Pferd Antonio ist sogar relativ stürmisch, aber Eugen pariert gekonnt. Und so reiten wir durch zwei kleine Canyons, die Schäferhunde (namens Marijuana und Hatschi, oder so ähnlich) immer an unserer Seite. Umberto erzählt uns, dass er seit 30 Jahren mit Pferdetourismus sein Geld verdient. Er hat 11 Pferde, aber seit der Pandemie kommt kaum mehr jemand. Die Dörfer hier oben sind sehr arm – etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt von weniger als einem Dollar am Tag. 

 

Auf einem Hochplateau machen wir unsere Mittagsrast. Die Pferde dürfen grasen, und wir sitzen im Gras mit einer absolut atemberaubenden Aussicht auf das malerische nächste Tal. Wir haben viel zu viel Proviant dabei, was die Hunde freut. Hier so zu sitzen mit den Pferden und Hunden fühlt sich fast unwirklich an, als wären wir Cowboys oder so. 

 

Da bittet uns Umberto, den Weg ins Tal zu Fuß zu machen. Der Grund: Der Pfad windet sich derart schmal und steil den Berg hinunter und ist wenig begangen mit tief hängenden Ästen von Büschen und Bäumen, die uns sonst fast vom Pferd gefegt hätten. Also wandern wir viele Höhenmeter hinab bis zu einer Wiese am Fluss unten. Umberto lässt die Pferde alleine hinunterlaufen, und auf seinen Ruf warten sie brav. 

Wir steigen wieder auf und reiten über eine Furt durch den Fluss. Nun ist der Weg für eine Weile etwas breiter und eben, während er den Schlingen des Flusses folgt, sodass wir sogar ein Stück galoppieren können! Ich bin im siebten Himmel, für mich ist Reiten ja das größte Glück. Und Eugen kriegt eben einen Crashkurs. Umberto ist sehr aufmerksam und bemerkt, wir zwei seien ein gutes Team, denn Eugen sei mein „Profesor de Espanol“ (denn er verbessert mein grausiges "Spanisch") und ich seine „Profesora de Caballo“ (denn ich erkläre ihm, wie man ein Pferd lenkt, bremst und wie die Gangschaltung funktioniert). 

 

Hier unten im Tal herrscht eine andere Klimazone. Die Bauern bauen Avocados an, und es wird sofort wieder richtig warm. Ein ständiges Aus- und Anziehen, aber wir sind für alle Fälle gerüstet. Wir überholen zwei Amerikaner, die noch bei uns im Hostel mit am Frühstückstisch saßen und am liebsten mit auf unsere Pferde aufgestiegen wären. Und da wussten sie noch nicht einmal, was ihnen noch blüht: Wir schlagen einen winzigen Pfad ein, der nun den auf der anderen Seite des Canyon den nächsten Berg hinaufführt. Und dieser Anstieg toppt alles, was ich selbst auf Island beim Wanderreiten durch die dortigen Schluchten erlebt habe. Der Pfad ist so steil und rutschig, dass unsere Pferde richtig zu kämpfen haben. Wir halten uns einfach nur gut fest und lassen die Tiere machen. Wie die Bergziegen klettern sie hinauf, unglaublich. Oben angekommen reiten wir wieder über sanftere Hügel und durch Ackerland. Umberto erzählt uns von dem Leben hier – Internet hat er nicht, und Dinge wie Licht, Wasser und Hundefutter bezeichnet er als Luxusgüter. Ich erzähle ihm vom Reiten in Deutschland, und er ist sehr verwundert, dass unsere Pferde nicht arbeiten müssen, sondern Maschinen die Feldarbeit machen. 

 

Umberto und die Pferde scheinen nach Hause zu wollen, und wir galoppieren weite Teile der restlichen Strecke. Eugen hat langsam den Bogen raus, wie man so mitschwingt, dass einem der Rücken nicht wehtut, und findet Gefallen an der Sache. So jagen wir munter die Feldwege entlang, bis uns kurz vor Chugchilan der erste Regenguss erwischt. Nicht schlimm, wir haben Regenjacken, und es hört sofort wieder auf. Wir haben echt Glück mit dem Wetter, es ist normalerweise extrem wechselhaft hier oben.

Umberto zeigt uns unser Hostel El Valquero, dessen Besitzer Victor ein Freund von ihm ist. Er erzählt uns auch, dass Victor einen Zaubertrank hat, der gegen Covid hilft...

 

Wir sind seit Tagen die ersten und einzigen Gäste im Hostel, was wirklich schlimm für all diese kleinen Gastbetriebe ist. Unser Zimmer hier ist okay, aber leider nicht beheizt. Dafür gibt es eine Sauna und ein Dampfbad, was echt gut tut, denn 4h Reiten spürt man dann doch in den Knochen, selbst als geübte Reiterin. 

Wir müssen uns eingestehen: Selbst unter besten Bedingungen wären wir diese Etappe wohl nicht an einem Tag durchgelaufen. Das war schon heftig. 

 

Eugen legt sich erstmal hin, um die Erkältung auszukurieren. Ich mache einen Spaziergang ins Dorf vorbei an einigen Schweinen, Schafen, vielen Hunden und Volleyball spielenden Einheimischen (das ist hier Volkssport), und kehre mit einer Ananas, Äpfeln und Ingwer zurück. 

 

Victors Frau macht uns ein leckeres Abendessen, auch hier gibt es drei Gänge. Das Hostel schaut auf ein total idyllisches Tal, in das ganz mystisch gerade der Nebel einzieht. Es hat einen kleinen Spielplatz, an dem man sich vom Klettergerüst baumeln lassen kann, um die Wirbelsäule zu strecken. Und wir kommen noch in den Genuss von Victors Zaubertrank! Details dazu erzählen wir lieber persönlich (Stichworte für unsere Erinnerung: Injection, Massage, Schnapps-Ananas)...

Überhaupt ist in diesen Tagen viel mehr passiert, als ich hier wiedergeben könnte. Die Fotos sind auch nur ein kleiner Auszug. Wir erzählen euch gern alles persönlich!

14. April 2021: Quilotoa Loop Tag 1: Sigchos nach Isinlivi

Unser Hostelfrühstück in Latacunga besteht aus interessanten trockenen Empanada-artigen Brötchen mit Käse drin und lustigen Gesprächen mit dem Hostelbesitzer Marco. Marco hat mal in London gelebt und dort Hotelzimmer geputzt und ist stolz, jetzt der Chef eines Hostels zu sein. Unser Gepäck dürfen wir für die nächsten Tage in seinem Wohnzimmer lassen. Er fährt uns sogar selbst zum Busbahnhof, wo wir in den Bus nach Sigchos steigen.

Unterwegs steigen immer wieder Leute ein und aus, vornehmlich sehr kleine alte gebrechliche Frauen mit viel Gepäck. Der Busfahrer wartet immer gerade so, bis sie sich hingesetzt haben, sodass nicht allzu sehr in ihren Sitz plumpsen. Mit dem Gepäck hilft hier jeder jedem.

In Sigchos angekommen sind wir überrascht, wie heiß es ist. Wir mussten mit unseren Tagesrucksäcken für jedes Wetter gerüstet sein, und zum Start gibt's 25° und Sonnenschein. Sigchos liegt schon auf 3.200m Höhe.
Diverse Reiseberichte haben uns vorgewarnt, man würde sich auf jeden Fall verlaufen, da der Weg kaum markiert oder ausgeschildert ist, und es auch keine guten Wanderkarten gibt. Wir haben eine App auf dem Handy, die offline Karten und die eigene Position anzeigt (maps.me, sehr zu empfehlen). Mit der Kombination aus App und Schildern hoffen wir, klarzukommen. Schon nach den ersten Kilometern, als wir gerade einen ordentlichen Anstieg hinter uns haben, tönt aus einem Maisfeld eine Stimme: "A donde vaaas?" (Wohin wollt ihr?). Wir: "Isiliniviliii!" Und die nette Bäuerin schickt uns den Berg wieder hinunter. Wir haben eine Abzweigung auf einen kleinen Trampelpfad übersehen, weil zwei Kühe darauf lagen.

Die Landschaft kann man schwer mit Worten beschreiben. Der Weg führt in einen Canyon, in dem ein kleiner Fluss plätschert. Die Berghänge sind unglaublich steil, und man fragt sich, wie die Kühe und teilweise auch Bauernhäuschen an die Stellen gelangen, an denen man sie so sieht. Durch die vulkanische Entstehung ist die Landschaft geprägt von tiefen Schluchten, Felsspalten, seltsamen richtig platten Hochplateaus und fruchtbaren Böden.

Wir sind viel zu warm angezogen, sodass ich recht bald nur noch in meiner todschicken hellgelben Ganzkörper-Skiunterwäsche wandere. Wir treffen auch keinen einzigen anderen Touristen und laufen nur ab und zu an dem einen oder anderen Bauern vorbei. Im ersten Tal kommt ein kleiner Junge aus einem Bauernhaus gelaufen und fragt nach "Caramelitos". Wir haben für diesen Zweck eine Packung Marshmellows dabei (weil die leicht und nicht nochmal einzeln verpackt sind), und der Junge kriegt große Augen, als er in eines hinein beißt.
Kurz darauf verpassen wir wieder die Abzweigung auf einen Trampelpfad (ich hab nicht oft genug auf die Karte geschaut...), und da Eugen etwas erkältet ist, sinkt die Laune kurz.

Der Trampelpfad windet sich in Serpentinen den sehr steilen Berghang hinauf und ist so schön, dass ich mir bald wieder Witze anhören muss, ich sähe aus wie ein Teletubbie. Ich musste meine Haare nämlich oben auf dem Kopf zu einem Dutt binden, weil mein Scheitel sonst Sonnenbrand bekommt, und habe außerdem einen langen Stock im Rucksack stecken, der wie eine Antenne aussieht. Fotos konnte ich weitgehend unterbinden. Der Stock ist meine Verteidigung gegen die Farmhunde, vor denen ich gewarnt wurde. Ich hab ziemlich Respekt vor Hunden, wenn sie kläffend auf mich zurennen, muss von meinem Stock aber keinen Gebrauch machen. Die Hunde, die wir treffen, sind allesamt eher niedlich und verspielt.

Der Anstieg aus dem Canyon hinauf zum Dorf Isinvili ist heftig und wir machen viele Pausen. Die Aussicht ist auch einfach zu schön, und die Vegetation um uns herum auch. Ich habe zum ersten Mal Blumen fotografiert (jaha Mama und Großmutti, jetzt müsst ihr euch mal meine Blümchenfotografie angucken, hehe).

Wir sind beide echt erschöpft. Ohne Verlaufen wären es zwar "nur" 12km Strecke, aber in dieser Höhe und mit über 500 Höhenmetern hinab und wieder hinauf ist das für erkältete Laien-Wanderer doch viel. Gegen 16 Uhr erreichen wir das Llullu Llama Hostel in Isinvili. Und dieses Hostel ist mit Abstand das beste Hostel, das wir je gesehen haben. Wir haben eine eigene kleine Hütte mit zwei Balkonen und einem Kamin. Und es gibt einen heißen Whirlpool, in dem wir 10min nach Ankunft liegen. Welch eine Wohltat nach einer solchen Wanderung! 

Nun zieht Nebel mystisch durch das Tal, das wir aus unserem Fenster sehen. Wunderschön. Zum Abendessen gibt es ein klasse Dreigängemenü. In diesem Hostel ist wirklich an alles gedacht. Es ist nachhaltig (mit solchen Plumpsklos, in die man Sägespäne schaufelt), beschäftigt indigene MitarbeiterInnen, kauft Käse von der Käserei nebenan, und das Warmwasser wird mit Solar beheizt. Es gibt Spiele, Musikinstrumente, einen Yoga-Raum, Tee und Kaffee umsonst, und selbst die Architektur ist total behaglich mit ganz viel Holz und Llama-Deko. 
Nach dem Abendessen machen wir ein Feuer in unserem Kamin und schlafen zum Knistern des Holzes ein. 

12./13. April 2021: Quito und Latacunga

Wir starten die Woche mit vieeel Arbeit und einem Tisch, der unter uns zusammenklappt (aber zum Glück schnell ersetzt wird). Coaching-Calls bei mir, Audiofile-Bearbeitung für unseren Bluthochdruck-Kurs bei Eugen. Auf der Suche nach einem vegetarischen Mittagessen landen wir in einem skurrilen chinesischen Restaurant, das zur Hälfte ein Flohmarkt mit allem möglichen Krimskrams ist, vom zerfledderten spanischen Monopoly über diese batteriebetriebenen Feen-Leuchtstäbe bis hin zur Brad Pitt DVD-Sammlung. Das Essen ist aber lecker und auch endlich wieder erschwinglich.

Ich habe beschlossen, doch wieder etwas zivilisierter aussehen zu wollen, und gönne mir daher eine Generalüberholung: Haarschnitt, Augenbrauen und Pediküre alles bei derselben netten alten spanischen Lady, die trotz mangelnder Sprachkenntnisse meinerseits munter, wenn auch etwas einseitig, mit mir plaudert. Die Kundin neben mir schläft ein und schnarcht, während sie die Haare gemacht bekommt, was ich mal positiv als Zeichen großen Vertrauens in das Können der Friseurin werte. 
Erst hatte ich mir aus Versehen einen Friseurtermin irgendwo in Kolumbien gemacht und erst beim Aufrufen der Wegbeschreibung bemerkt, dass irgendwas nicht stimmt... :-) 

Warum Quito sich "Stadt des ewigen Frühlings" nennt ist uns schleierhaft - hier herrscht zwar aufgrund der unmittelbaren Nähe des Äquators immer dieselbe Temperatur, aber die liegt eher so bei 15-17° - ewiger Winter! Medellin hatte die Bezeichnung eher verdient. Auch wenn wir das historische Zentrum noch nicht besichtigen konnten (wir hoffen, dass wir dafür nochmal wiederkommen), macht Quito sonst einen ganz angenehmen Eindruck. 

Dienstag geht endlich unser Bluthochdruck-Kurs live! Nach einem Mittagessen bei Crepes & Waffles, die mit Absicht keine Steckdosen in ihr Restaurant gebaut haben und uns somit vom arbeiten abhalten, machen wir uns mit Sack und Pack auf zum Busbahnhof. Wir haben wie immer gutes Timing, steigen in einen Bus nach Latacunga und er fährt sofort los. 
Die Landschaft ist toll, man sieht schneebedeckte Vulkangipfel und grüne Berghänge, was die Vorfreude aufs Wandern steigert. 

Latacunga ist nur eine Zwischenstation für uns, bevor wir uns morgen an die erste Etappe auf den Vulkan Quilotoa machen. Die Stadt ist sehr wuselig, jeder verkauft irgendetwas, überall kleine Lädchen und Stände (auf den Bildern seht ihr das Straßenbild ein wenig). Wir decken uns schonmal mit etwas Wander-Proviant ein. Auf der Suche nach einem vegetarischen Abendessen treffen mich erst in vielen Restaurants verständnislose Blicke (wieso denn kein Carne...?), bis eine ältere Dame in einem supernetten kleinen italienischen Restaurant mich hereinwinkt und eine wunderbare Minestrone (mit nur wenigen Wurststücken drin), frische Pasta Napoli und eine Gemüsepizza für uns zaubert. 

Unser Hostel ist auch recht unterhaltsam - sehr bunt, viel rosa, überall Jesu-Bilder und leider so niedrige Decken, dass Eugen an vielen Stellen nicht so richtig stehen kann. Dafür gibt uns die nette Eigentümerin viele Tipps für die geplante Wanderung, das WLAN ist gut und das Bett ist lang - keine Selbstverständlichkeit hier. 

Wir lassen unser Gepäck hier im Hostel und wandern die nächsten drei Tage nur mit kleinen Rucksäcken auf den Quilotoa. Danach werden wir noch einige Tage hier in der Nähe im Dschungel verbringen. Wundert euch also nicht, wenn ihr erst mal wenig von uns hört - im Frühtau zu Berge wir ziehn fallera! :-)

11. April 2021: Galapagos nach Quito

Nach einem schönen Abschieds-Frühstück geht's los zum wenige Minuten entfernten Mini-Flughafen, um unseren (vielleicht letzten?) Inlandsflug anzutreten. Der Flughafen ist sehr niedlich. Unser Flieger macht einen Zwischenstop in Guayaquil, wo wir sitzen bleiben sollen und nur ein paar Leute zusteigen - fühlt sich an wie Busfahren. 

Schon beim Anflug auf das auf fast 3.000m Höhe gelegene Quito sieht man grüne Berghänge und schneebedeckte Vulkane in der Ferne. Wie all unsere bisherigen Flüge ist auch dieser auf die Minute pünktlich. 
Unsere Unterkunft ist ein in einem Geschäftsviertel gelegenes Business-Apartment - Hauptkriterium war das unfassbar schnelle WLAN. :-) Es ist aber tatsächlich sehr nett.
Wir haben eine seeehr lange To Do Liste für die anderthalb Tage in Quito. "Das erledigen wir dann in Quito" wurde zum Running Gag der letzten Wochen. Diverse Telefonate, große berufliche Entscheidungen, Up- und Downloads, Friseurbesuche (meine Haare sind irgendwie auf der linken Seite 5cm länger als rechts...), Pediküre, Audiorecordings und dergleichen mehr sind geplant. 

Wir sind froh, ohne Probleme angekommen zu sein, denn heute wird in Ecuador der neue Präsident gewählt. Nachdem in der Vorwahl im Februar ein indigener Umweltaktivist leider rausgekegelt wurde, darf sich das Volk nun zwischen dem rechtskonservativen Banker Lasso und dem jungen linksgerichteten Ökonomen Arauz entscheiden. Beide vertreten aus meiner Sicht merkwürdige Ansichten.
Gegen 19 Uhr ist klar: Lasso hat gewonnen. Autokorsos fahren durch die Stadt, es klingt als hätte Ecuador gerade die Fußball-WM gewonnen.

Wir bestellen uns Essen nach Hause und schauen die lange erwartete Netflix-Dokumentation "Seaspiracy". Die lege ich euch allen sehr ans Herz! Darin setzt sich der junge britische Dokumentarfilmer Ali Tabrizi mit dem kommerziellen Fischfang auseinander. Dafür reist er um die Welt, beleuchtet die Praktiken von Unternehmen, unterhält sich mit verschiedenen WissenschaftlerInnen und schaut sich vor allem auch diverse Gütesiegel an, die angeblich nachhaltigen Fischfang garantieren sollen - aber in Wirklichkeit nur gegen viel Geld verkaufte Lügen sind. 
Insbesondere nachdem wir in den letzten Wochen so viel Glück in der Unterwasserwelt erfahren haben, ist die Doku echt schockierend und traurig. Für mich vor allem schrecklich: Unzählige Delfine (und Schildkröten, und Wale, und andere Fische) landen als sogenannter "Bycatch" in den Fischernetzen und werden tot zurück ins Meer geworfen. 
Eine der Thesen der Doku ist: Wenn wir als Menschheit weiter so mit den Weltmeeren umgehen wie bisher, dann sind die Ozeane im Jahr 2048 quasi tot. Und ich würde mir doch sehr wünschen, dass auch folgende Generationen noch so viel Begeisterung und Faszination beim Schnorcheln und Tauchen erleben dürften wie wir. 
Daher meine Bitte: Schaut euch die Doku an und überlegt, ob Thunfisch aus der Dose für 0,49€ wirklich sein muss.

Die Zeit auf den Galapagos-Inseln war unvergesslich. Ich bin gerade noch etwas erschlagen von der Großstadt und vermisse schon die Seelöwen vor der Haustür, die freundlichen Schildkröten, lustig schwimmenden Iguanas und gemütlichen Pelikane. Möge dieses Paradies unserem Planeten noch lange erhalten bleiben!

Unter dem Eintrag vom 09. April findet ihr nun ein paar Unterwasser-Videos. Und neue Fotos gibt es bis zurück zum 26. März!

10. April 2021: Letzter Tag San Cristobal, Galapagos

Unsere unglaublich freundlichen Gastgeber zaubern mal wieder ein tolles Frühstück, bei dem wir wie immer den rülpsenden Seelöwen lauschen. Um ein paar Arbeitssachen zu erledigen setzen wir uns bis zum Mittagessen in ein Café. Mittags gibts wieder Sauerteigbrot mit Avocado und pochierten Eiern im Fresco Café bei der netten Australierin. 

 

Gemütlich liegen wir eine Weile gemeinsam in einer der riesigen Hängematten auf der Terrasse unseres Hotels, lauschen einem Hörbuch, das wir gemeinsam hören, und schauen den Fregattvögeln zu, die am Himmel ihre Kreise ziehen. Ich würde gerade nirgendwo anders auf der Welt lieber sein wollen.

 

Ein Flugzeug startet vom hiesigen Flughafen und macht uns bewusst, dass dies das einzige Flugzeug ist, das wir in unserer Zeit hier gehört oder gesehen haben – und wir wohnen direkt neben dem Flughafen. Wie schön! Nicht so schön ist das natürlich für die vielen Hotel- und Restaurantbetreiber und Tour-Anbieter auf den Inseln. Man sieht die Spuren der Pandemie schon deutlich – etwa jedes zweite Restaurant ist mindestens temporär zu oder hat ganz aufgegeben. Die Regierung hier leistet spärlich Unterstützung – die Betroffenen bekommen für drei Monate jeweils 140$ an Corona-Hilfen... dafür kann man hier etwa dreimal im Supermarkt den Familieneinkauf machen, das war‘s. 

 

Mich zieht es am Nachmittag raus, während Eugen lieber chillt – kein Problem, hier ist alles so sicher und easy, dass ich mich gerne alleine durchs Dorf auf den Weg zur Playa Mann mache, dem Strand an der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Wir können uns fast zuwinken, man sieht vom Strand aus unser Haus. 

Am Eingang zum Strand wird meine Tasche auf Alkohol kontrolliert. So können sich weder die Einheimischen noch die amerikanischen Touris zum Sonnenuntergang grölend am Strand besaufen, sehr gut. Um mich herum sind viele einheimische Familien. Im Wasser bekommen Menschenkinder und Seelöwenkinder nebeneinander das Schwimmen beigebracht. Ein schönes Schauspiel. 

Als die Sonne langsam hinter den Wolken über dem Hafen versinkt, mache ich mich auf den Weg nach Hause und schaue nochmal bei der großen Seelöwenkolonie vorbei. Überall werden winzig kleine süße Seelöwen von ihren Müttern gesäugt, und die riesigen Väter machen Radau. 

 

Zum Abschied gehen wir in ein fancy Sushi-Restaurant, Midori, wo wir mit toller Aussicht über den Hafen sitzen und Eugen den besten Thunfisch der Welt bekommt. Den Nachtisch liefert ein kleiner Bäckerei-Stand, an dem zwei junge Männer Zimtschnecken, Kuchen und Empanadas verkaufen. Wir probieren die „Tres Leches Tarta“, was im Prinzip ein in Milch getränkter Trockenkuchen ist. Aber essbar. 
Morgen fliegen wir nach Quito!

09. April 2021: 360°-Tour, San Cristobal, Galapagos

Frühstück um 6:30, damit wir pünktlich um 7 Uhr in der Tour-Agency sind. Es regnet in Strömen, wie auch schon die ganze Nacht. In der Agency sitzen schon ein Schweizerisch-El Salvadorianisches Pärchen und eine Einheimische (die die Tour zum 10. Mal macht und den selben horrenden Preis zahlen muss wie alle anderen). Nach der üblichen Wetsuit- und Flossen-Anprobe heißt es warten. Wegen des Regens lassen wir die Wetsuits gleich an. „Una familia“ fehlt noch, bevor wir loskönnen. Und wir warten. Um 8 Uhr erscheint die fünfköpfige Familia dann endlich und marschiert ohne sich zu entschuldigen als erstes aufs Boot. Grr! 

Es gießt zum ersten Mal wirklich wie aus Kübeln. Der Tourguide versichert uns, das sei total gut, weil die Haie dann nah an der Oberfläche schwimmen würden, um sich zu entsalzen. Wir werden sehen...

 

Die Tour geht einmal um die ganze Insel San Cristobal und stoppt an verschiedenen Schnorchel- und Strandstationen. Unser erster Stop ist das Highlight der Tour – Kicker Rock. Kicker Rock sind zwei nur durch eine schmale, aber tiefe Schlucht getrennte, hoch aus dem Wasser ragende Felsen. Der Ort ist bekannt für die Vielfalt seines Unterwasserlebens. Schnorcheln bei Regen ist auch irgendwie schön, das Wasser fühlt sich dann viel wärmer an. Eugen und ich sind die ersten im Wasser und schnorcheln schonmal los. Zum Glück, denn direkt schwimmt tief unter uns ein wunderschöner Hammerhai vorbei! Ich hatte sooo sehr gehofft, dass wir einen von ihnen treffen. :-) Wie man so lustig und so majestätisch zugleich aussehen kann! Das Tier nimmt reißaus, bevor die restlichen Schnorchler ihn sehen können. Aber wir haben unseren Hammerhai gesehen!

Kicker Rock ist ein Traum. Vier Adlerrochen schwimmen in Formation langsamen Flossenschlags an uns vorbei. Schildkröten paddeln geruhsam durch die Gegend. Und zwei junge Seelöwen sind so verspielt und neugierig, dass sie uns die ganze Zeit fast ins Gesicht schwimmen! So linkisch die Tiere an Land wirken, so flink und wendig sind sie unter Wasser. Ich habe größten Spaß daran, tief runterzutauchen, Blubberblasen zu machen (was die Seelöwen anlockt) und mich dann mit ihnen im Kreis zu drehen. Wahnsinn! Ich will gar nicht mehr aus dem Wasser, aber der Kapitän ruft.

 

Unser Boot fliegt über ziemlich ordentliche Wellen Richtung nächster Station, während es weiter schüttet und schüttet. Der Regen und das Meerwasser klatschen uns ins Gesicht, alles ist durchnässt und kalt. Angekommen an einer kleinen Sandbucht liefert unser Guide meinen Lieblingsmoment der Tour. Man stelle sich folgendes vor: Wir sitzen alle frierend und klatschnass auf dem Boot. Es gießt, der Himmel ist düster. Wir schauen den Guide fragend an, und er sagt: „Sooo here is a nice beach, please relax on the beeeaaach now, you have one hour here!“

Sein Ernst!? Scheinbar ja. Auf Nachfrage erklärt er uns, wir könnten diese Station nicht auslassen, und mögen daher doch jetzt bitte am Beach relaxen. Eugen geht mit gutem Beispiel voran, macht das Beste draus, springt ins Wasser, schwimmt zum Strand und joggt in der kleinen Bucht hin und her. Ich steige ein. Der Familienvater tut es uns gleich, während der Rest weiter auf dem Boot bibbert. 

Nach einer Weile erbarmt sich der Captain und fährt uns zur nächsten Station – einer weiteren schönen Sandbucht. Inzwischen gewittert es, und keines der Crewmitglieder kann uns die Frage beantworten, ob so ein Boot eigentlich auch als Faraday’scher Käfig fungiert... (google sagt: Ja, sofern der Anker im Boden ist. Klingt logisch).Die Baderegeln hat hier auch keiner auswendig gelernt, sodass wir für uns selbst entscheiden, nicht ins Wasser zu gehen, bis das Gewitter sich verzogen hat. 

Erstmal gibt es ein essbares Mittagessen an Bord. Zum Glück klart es ein wenig auf, sodass wir anschließend mit dem Guide und der ganzen Truppe an Land gehen können, wo ein kleiner Pfad über Lavafelsen zu einer Lagune führt. Hier ist das Wasser schön ruhig, und hier können wir wieder schnorcheln. Die Lagune ist von Mangroven gesäumt, in denen Baby-Riffhaie leben sollen – wir treffen aber keinen an. Dafür sehen wir die größten und ältesten Schildkröten aller Zeiten! Mit ganz ruhigen Bewegungen schwabbeln sie dahin, ihre Panzer von Algen bewachsen, mit ganz runzligen Hälsen, wie aus einer anderen Zeit. 

Eugen hat seinen Spotter-Tag und entdeckt erst einen gepunkteten Schlangen-Aal, der sich auf dem Grund um die Steine windet, und dann eine Formation aus einigen Gold-Rochen. Unbewegt auf einem Stein abhängend sehen wir einen weiteren Rochen, den wir nicht recht bestimmen können. Er ist tiefschwarz, wie ein Manta, aber kreisrund und ohne Stachel – eine Beschreibung, die auf keine der üblichen Rochenarten hier zutrifft. Außerdem schwimmen überall schöne große bunte Fische durch die Gegend. 

Unser Touranbieter hat uns eine Unterwasserkamera geliehen, sodass wir euch hoffentlich bald ganz viele Videos von all den Tieren zeigen können. 

 

Eigentlich stünde noch ein Angel-Stop auf dem Programm, aber da alle frieren und es wieder regnet erlässt uns der Guide das zum Glück. Die Landschaft, an der wir vorbeidüsen, ist richtig toll. Die Felsformationen von Punta Pitt zum Beispiel, in denen ein naher Verwandter der berühmten Blue-footed Boobies nistet: Der seltene Red-footed Boobie. Fregattvögel kreisen am Himmel. 

Für die letzte Etappe gehen Eugen und ich nach oben aufs Boot, zum Captain. Der Wellengang ist so heftig, dass wir uns stehend richtig gut festhalten müssen, aber es macht einen Heidenspaß! Und von hier sieht man viel mehr, der Regen hat aufgehört. Immer wieder erscheinen große dunkle Schatten unter der Wasseroberfläche, die alles Mögliche sein können (Mantarochen? Hai? Wal? Nessie?). Lustige Springfische, die der Captain „Lisa“ nennt, tollen vor dem Boot im Wasser. 

Es ist auch spannend zu sehen, wie hart der Captain arbeitet, um das Boot auf Kurs zu halten und die Wellen möglichst sanft zu nehmen. 

Am Hafen angelangt geben wir schnell unsere Wetsuits ab und tigern nach Hause, wo wir uns über eine warme Dusche freuen. Das war ein sehr besonderer Ausflug!

Das Abendessen im Sea Garden ist heute leider gar nicht lecker – der Koch schenkt uns ungenießbare Extras, die wir unter dem restlichen nicht gegessenen Gemüse verstecken, und uns dann schnell aus dem Staub machen. Übrigens ist die Seelöwenkolonie echt toll, führt aber dazu, dass das ganze Dorf permanent nach Seelöwenrülpser riecht, was an den Geruch von Affenkäfigen erinnert.

Im Hostel macht eine Truppe in Quito arbeitender Englischlehrer Party, verzieht sich aber rücksichtsvoll, um uns alte Leute schlafen zu lassen.

Bilder mit diesen Unterwasserkameras lassen einen über Wasser immer wie ein Fisch aussehen. Hier nun auch ein paar Unterwasser-Videos - wir haben noch vieeel mehr davon! :-) 

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07./08. April 2021: San Cristobal, Galapagos

Unser erster Tag auf San Cristobal beginnt sehr entschleunigt mit einem ausgiebigen Frühstück in unserem Hostel mit Blick über die Stadt und den Hafen. Unsere Gastgeber Ivan und Trudy servieren uns frisches Obst, Omelette und Brötchen. Man fühlt sich, als wäre man in ihrem Zuhause zu Gast (was wir irgendwie ja auch sind). 

 

Eugen ist ja sehr gut im „hermitten“, sprich darin ganz entspannt in der Hängematte zu liegen und gar nichts zu tun, während mich der Erkundungsdrang aus dem Haus treibt. Also spaziere ich eine Weile durchs Dorf, schaue was die Leute (es gibt kaum Touristen) und die Seelöwen (sie sind üüüberall) so machen und lasse mich treiben. Auf der anderen Seite der Bucht finde ich ein wunderbares kleines vegetarisches Café, von einer netten Australierin geführt. Es hat nur drei Tische und zwei Hängematten. Dort trifft mich Eugen zum Mittagessen – es gibt richtiges Sauerteigbrot mit Kruste! Am Nachbartisch sitzen eine Deutsche und ein in Deutschland studierter Ecuadorianer, die sich gerade über Karlsruhe unterhalten. :-) 

 

Am Nachmittag ähnliches Programm: Eugen bleibt zuhause, ich spaziere durch die Gegend bzw. erkunde die Supermärkte. Supermärkte sind hier grundsätzlich eher so von Wohnzimmergröße, sehr chaotisch und extrem teuer. Jeder scheint seinen eigenen Minimarkt aufmachen zu können. Das Einwegrasierer-Kartell (1,75$ für einen! Nix da.) ist nur dank einer Apotheke zu schlagen (3 für 3$... und wir reden hier über US-Dollar). 

Ansonsten arbeiten wir ein bisschen und verhandeln mit ein paar Tour-Anbietern. Es gibt hier eine Rundumschlag-Tour, die 360°-Tour, bei der man mit einem Boot einmal um die Insel fährt und an verschiedenen Stellen schnorchelt. Eugen ist in seinem Element, den besten Deal dafür zu finden. Allerdings haben sie sich auch hier wieder abgesprochen... Wir wissen inzwischen, dass nur ein Bruchteil der horrenden Tourpreise bei den Guides oder dem Kapitän landen – das Allermeiste geht in die Tasche des Eigentümers des jeweiligen Bootes. Bootslizenzen werden alle 25 Jahre neu vergeben.

 

Zum Abendessen ist Eugen erst ganz enttäuscht, als der von ihm anvisierte online entdeckte Fisch-Grill-Laden nicht mehr zu existieren scheint – bis wir ihn dann zufällig an ganz anderer Stelle als bei Google Maps verzeichnet finden. Hier kommt aber wirklich ausschließlich Fisch auf den Grill, weshalb ich mir bei einem Öko-Laden ein Stück Pizza hole.

 

Donnerstag frühstücken wir mit einem netten australisch-ecuadorianischen Pärchen, gehen dann wieder in das schöne Café und arbeiten eine Weile (Wlan gibts hier nicht wirklich, aber über Handy-Hotspot können wir surfen). Anschließend laufen wir über einen kleinen Berg und an einer Sandbucht vorbei weiter raus aus der Stadt zum einzigen Museum der Insel, dem „Interpretation Center“.

Freiwillige Nationalpark-Guides begrüßen und registrieren uns, dann dürfen wir allein in die Ausstellung. Das Museum beschreibt eindrucksvoll die Geschichte der Galapagos-Inseln und ihre Entdeckung, Klima-Phänomene und natürlich Darwin. 

Die ersten Tier- und Pflanzenarten wurden von Wind und Meeresströmungen hierher getragen. Die Reise vom Festland beispielsweise auf einem treibenden Baumstamm dauert mindestens zwei Wochen, sodass nur Tiere, die lange ohne Wasser sein können, dies überleben konnten – zum Beispiel Reptilien wie die Iguanas und Schildkröten. Da sie keine Fressfeinde wie Säugetiere auf den Galapagos-Inseln vorfanden, sind diese beiden heute noch die häufigsten Landtiere. 

Und dann nahm die natürliche Selektion ihren Lauf, die Darwin bei seinem Besuch erkannte. Landschildkröten auf dem ecuadorianischen Festland wiegen ungefähr 8kg. Die hiesigen Exemplare liegen so bei 250kg. :-)

Die Festland-Iguanas klettern auf Bäume. Die Galapagos-Iguanas können schwimmen und sogar tauchen und ernähren sich von Algen. 

Und während der Festland-Kormoran ein ausgezeichneter Flieger ist, kann sein Galapagos-Verwandter überhaupt nicht fliegen. Der Mangel an Fressfeinden und der Überfluss an Nahrung führten dazu, dass Fliegen nicht notwendig war, um ein gutes Leben zu führen, wenn man hier ein Kormoran ist.  

 

Die erste schriftliche Erwähnung der Galapagos-Inseln war 1535, nachdem ein Spanier mit seinem Boot abgedriftet und hier gelandet war. Er schrieb unter anderem, „die Vögel dort sehen ähnlich aus wie in Spanien, sind aber so dumm, dass sie nicht vor Menschen fliehen – man kann sie mit der Hand fangen“. Und das ist bezeichnend, denn es ist heute noch so. Keine der ganzen Tierarten, die hier so kreuchen und fleuchen, nimmt reißaus, wenn man sich nähert. Kein Tier hat gelernt, dass der Mensch böse ist. Ist das nicht schön? 

Gestern Abend stand ein riesiger Vogel direkt vor uns auf der Straße, mit langen Beinen und dickem aufgeplusterten Körper (siehe Foto). Er stand mitten auf der Straße, war aber erst, als ich mich ihm frontal sehr aufdringlich genähert habe, dazu zu überzeugen gemütlich auf den Gehweg zu laufen. Ich fürchte, er würde auch Autos für Freunde halten, bis sie ihn überfahren. 

 

Als Darwin dann kam mit solch wilden Ideen, die Welt sei vielleicht gar nicht an sieben Tagen erschaffen worden, sondern habe sich über lange Zeit per natürlicher Selektion entwickelt, änderte sich auch der Blick auf die Tierwelt hier. Es wurde klar, welch große Gefahr von eingeführten, nicht endemischen Tier- und Pflanzenarten für die hier etablierte Flora und Fauna ausgeht. 

Leider gab es noch viele traurige Jahre im letzten Jahrhundert, in denen Schildkröten gegessen und für ihr Öl getötet und fast ausgerottet wurden, bis 1959 der Nationalpark und mit ihm der Artenschutz kamen. 

 

Die Nationalpark-Mitarbeiter leisten echt tolle Arbeit. Überall gibt es gut befestigte Wege und klare Beschilderung, und Touris werden wenn nötig deutlich darauf hingewiesen, den verwirrten Tieren nicht ihre GoPro-Kameras ins Gesicht zu strecken.

 

Am Nachmittag machen wir einen kleinen Ausflug zur 3km entfernten Playa La Loberia, einer kleinen Bucht, in der man Schnorcheln kann. Schatten ist allerdings Mangelware, sodass wir uns den Schatten einer kleinen Holzhütte mit ein paar Surfern und ein paar Seelöwen teilen. Genauer gesagt, zwei Seelöwinnen mit einem noch ganz kleinen Welpen (ist das das richtige Wort? Keine Ahnung. „Pup“ auf Englisch jedenfalls. Ein Baby halt.)! Der Kleine versucht die ganze Zeit zu trinken, aber die Mama lässt ihn nicht. Beide grunzen und rülpsen sehr viel dabei. Herrlich.

Das Schnorcheln ist auch ganz schön, wir begegnen einer bläulich gefärbten, etwa 1m langen Schildkröte. 

Auf dem Rückweg lernen wir eine Französin kennen, die gerade ihr Handy verloren hat. Sie lebt mit ihrem deutschen Mann hier, hat eine unglaublich schrille Stimme und gibt uns viele Reisetipps in einem Sprach-Mix aus Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch. 

 

Wieder im Hostel begibt Eugen sich schnurstracks in seine geliebte Riesen-Hängematte, während ich Tagebuch schreibe. Abendessen gibt’s im „Soul Food“, Pizza und Veggie Burger. 

06. April 2021: Insel-Wechsel - Isabela nach San Cristobal, Galapagos

Um 5:15 klingelt der Wecker. Da mein Rucksack aus allen Nähten platzt, trenne ich mich an dieser Stelle schweren Herzens von einem paar Schuhe und einem Kleid. Mögen sie jemandem hier Freude bereiten. Wir werden zum Hafen gefahren und durchlaufen die üblichen Gepäckkontrollen (nein, wir schmuggeln kein Obst oder Gemüse) und Hygieneschleusen. Es gibt kein direktes Boot von Isabela (die westliche Insel) nach San Cristobal (die östliche Insel), sodass wir nochmal Stopover auf Santa Cruz (in der Mitte) haben. Wir lernen aus unseren Fehlern und nehmen dieses Mal vorsorglich Tabletten gegen Seekrankheit, und siehe da, niemand muss sich übergeben. Ich schlafe sogar den Großteil der zwei Stunden bis Santa Cruz. 

 

Auf Santa Cruz frühstücken wir erstmal und verbringen die Wartezeit dann im Galapagos Deli, das sowas wie Wlan hat. Um die Mittagszeit spaziert ein bekanntes Gesicht herein: Katie! Das Schicksal scheint zu wollen, dass sich unsere Pfade immer wieder kreuzen. Sie hat schon 6h Arbeit auf der Farm hinter sich und ist auch wegen des Wlans hier. 

In der Warteschlange für das nächste Boot treffen wir zwei andere alte Bekannte wieder: das Schweizer Pärchen, das wir in unserem ersten Hostel hier kennengelernt haben. Sie wollen auch nach San Cristobal. 

Das Boot ist bis auf den letzten Platz vollgestopft, überall stapeln sich Leute, Gepäck und Kinderwagen. Die See ist ziemlich ruppig, sodass wir gut durchgeschüttelt werden. Doch die Tabletten wirken Wunder! 

Die Transfer-Boote können nie direkt am Pier anlegen, sodass man immer nochmal in ein kleineres Wassertaxi umsteigen muss. Schon hier sehen wir überall Seelöwen, denn San Cristobal beherbergt eine riesige Seelöwen-Kolonie. Die Tiere stapeln sich zu Hunderten am Hafenstrand! Und einen Lärm machen die – es klingt wie rülpsende Schafe.

 

Ivan, unser neuer Hostel-Gastgeber, holt uns vom Hafen ab – allerdings mit dem Fahrrad. Nach 10min Fußmarsch mit unserem Gepäck sind wir schon ziemlich k.o. Ivan und seine Frau Trudy betreiben das Hostel als Familienbetrieb und sind supernett. Wir bekommen das beste Zimmer im Haus – im zweiten Stock, hinausgehend auf eine Dachterrasse mit lauter Hängematten und Blick über den Hafen und die ganze Stadt. Unser Zimmer hat fast etwas DDR-Charme, auf sympathische Weise. 

Wir sind neugierig auf Puerto Baquerizo Moreno, die "Stadt" in der wir wohnen, die Hauptstadt und Verwaltungssitz der Galapagos-Inseln ist, und machen direkt einen Spaziergang. Mit 5.500 Einwohnern leben hier jedoch deutlich weniger Menschen als auf Santa Cruz (15.000), und auch der Ort wirkt etwas ruhiger als die dortige Hafenstadt. Es scheint ein schönes Zwischending zwischen dem verschlafenen Isabela und dem durchgestylteren Santa Cruz. 

Fürs Abendessen finden wir direkt ein schönes Restaurant mit Terrasse und Blick über die Seelöwen-Kolonie, in dem es bezahlbares vegetarisches Essen gibt. Wir probieren zum ersten Mal Humitas, eine Art herzhaften Kuchen aus Maisteig mit Käse drin, der eingerollt in Maisblätter gegart wird. Lecker! 

Wir schlafen trotz blökender Seelöwen früh ein. 

Ich lade mal ein paar komprimierte Bilder hoch (auch bei den älteren Einträgen unten!), kann sein dass die etwas unscharf sind. Aber wir wollen ja eh noch ein paar schöne Bilder aufheben, sodass wir euch zu Foto-Abenden mit Tausenden von Fotos einladen können wenn wir wieder da sind, hehe. 

04./05. April 2021: Eco Lodge und Surfing, Isabela, Galapagos

Den Ostersonntag beginnen wir mit einem entspannten Frühstück und faulem Rumliegen am Pool. Katie, die wir bei der Vulkantour kennengelernt haben, hat uns von einem besonderen Baum erzählt, der hier irgendwo auf der Insel stehen soll. Also machen wir drei uns am späten Vormittag auf den Weg zur Campo Duro Eco Lodge, einem Campingplatz mit riesigem parkähnlichen Gelände, Feuerstelle und dergleichen, etwas im Inland der Seepferdchen-förmigen Insel gelegen. Irgendwo dort soll der Baum stehen. Das Gelände lässt mich an Alice im Wunderland denken. Kleine gewundene Pfade führen durch Palmen- und Bambus-Wäldchen, bunte Blumen bilden Dächer über dem Weg, und man muss sehr aufpassen, nicht in Spinnennetze zu laufen. Ein paar Landschildkröten sind auch hier zuhause. 

Und tatsächlich: Wir entdecken einen wunderschönen alten Ceiba Tree. Er sieht aus, als wären zwei Bäume aneinandergewachsen, mit einem riesigen Stamm und festen Wurzeln. Ein Gärtner erklärt uns, der Baum sei 250-300 Jahre alt und wahrscheinlich von Piraten als Orientierungspunkt gepflanzt worden. Wir streifen noch eine Weile über das Gelände und fahren dann wieder heim.

 

Zum Mittagessen landen Eugen und ich mal wieder im Royal Rock, und siehe da, wer sitzt schon da? Katie. Die Insel ist eben klein. So haben wir noch ein nettes Abschieds-Mittagessen, bevor sie wieder nach Santa Cruz fährt und dort weiter auf der regenerativen Farm arbeitet. 
Das Pricing hier ist interessant: Fisch mit gebratenem Reis und Gemüse als Beilage kostet 7$, eine Portion gebratener Reis und Gemüse kostet 10$... Fisch ist hier einfach verfügbarer als Brokkoli!
Eines der Nachbar-Restaurants serviert als Mittagsmenü Beef Soup & Chicken in Coca Cola Sauce...

 

Für den Nachmittag hat Eugen sich bereit erklärt, mit mir surfen zu gehen. Ich habe in den letzten Tagen immer die Surfer beobachtet, wie sie gegen Sonnenuntergang alle da draußen in der malerischen Bucht unterwegs sind, und auch Lust bekommen. Wir haben beide schon ein bisschen Surf-Erfahrung und sparen uns daher mutig den Lehrer. Vom Surfbrett-Verleih bis zum Spot sind es gute 15min Fußmarsch, sodass wir schon k.o. sind, als wir die Bretter überhaupt erstmal dorthin geschleppt haben. Der Surfspot ist dafür in einem klasse Setting, im Nationalpark etwas außerhalb von Puerto Villamil. 

 

Wir stürzen uns in die Brandung und haben viel Spaß, auch wenn man das, was wir da machen, kaum Surfen nennen kann. Ich muss gut kämpfen, um mit dem riesigen Brett überhaupt immer wieder gegen die Wellen und die Strömung anzukommen zu dem Punkt, an dem sich die Wellen brechen. Aber immerhin, wir schaffen es beide mehr oder weniger gekonnt bzw. glücklich, die eine oder andere Welle mitzunehmen. Die Sonne steht inzwischen tief, sodass es fast kitschig aussieht. 

 

Angenehm erschöpft schleppen wir die Bretter wieder zurück ins Dorf und gehen Abendessen beim altbekannten Asadero (= Grill), der uns aufgepuffte Käse-Empanadas, Salat und Linsen auftischt. 

 

Am Ostermontag wachen wir beide mit Husten und Halsweh auf und bleiben daher direkt mal im Bett. Spätes Frühstück, gemütlicher Vormittag, und gegen Mittag geht’s uns beiden schon besser. Trotzdem sind wir froh, für heute keine größeren Aktivitäten mehr geplant zu haben. Ich springe Nachmittags nur mal in den Pool, und wir arbeiten ein wenig. Abschieds-Abendessen von der Insel Isabela findet (nachdem das Royal Rock zu hat) in einem Strandrestaurant mit super Aussicht auf den Sonnenuntergang statt.

Morgen müssen wir früh raus – um 6 fährt das Boot.

02./03. April 2021: Chillen und Vulkan-Wanderung, Isabela, Galapagos

Karfreitag ist unser Ausruh-Tag, an dem nicht viel Aufregendes passiert. Wir gehen morgens am Strand joggen, später spazieren, liegen am Pool und lesen. Das ist ein Luxus, den die wenigsten Galapagos-Touristen haben. Die allermeisten Touris, die wir treffen, sind nur ein paar Tage hier und haben für jeden Tag irgendeine Ganztages-Tour gebucht. Dank Eugens Planung haben wir’s deutlich entspannter, wir sind insgesamt 19 Tage hier. Unten ein Foto vom Sonnenuntergang von der Dachterrasse unseres Hotels mit Blick auf Meer und Lagune vor der Tür.

 

Ostersamstag sitzen wir schon vor 7 Uhr beim Frühstück, denn um halb 8 startet unsere Tour. Ein Fahrer bringt uns, unseren Guide und eine nette Amerikanerin namens Katie zum Startpunkt des Wanderwegs hoch auf den Vulkan Sierra Negra. Die Wanderung ist 16km lang, und anfangs geht es ganz schön bergauf. Erst führt uns der Weg durch Busch- und Kakteen-Landschaft, und ab und an begegnen uns ein paar Pferde oder Kühe. Darwin-Finken fliegen durch die Luft. Nach einer guten Stunde erreichen wir die Kaldera des Sierra Negra, die mit mehr als 10km Durchmesser eine der größten der Welt ist. Der Vulkan ist etwa 1100m hoch und 2018 zuletzt aktiv gewesen. Die riesige Kaldera ist mit dampfendem schwarzem Lavagestein gefüllt, das von oben aussieht wie ein schwarzer See. Zur anderen Seite bietet sich eine tolle Aussicht über Süd-Isabela bis hinunter zum Meer. 

Nach einer kleinen Pause führt uns die Wanderung weiter zum viel kleineren Nachbarvulkan Chico, der auf 860m Höhe liegt und 1979 zuletzt ausbrach. Die Landschaft wandelt sich zur Kakteenwüste, bis wir schließlich nur noch Lavafelder durchqueren. Das Lavagestein hat Farbtöne zwischen schwarz, braun, rötlich bis hin zu gelb, je nach Alter und Sulfur-Gehalt (und bestimmt noch ganz vielen anderen Faktoren, die ich vergessen habe). Es sieht aus, als wären wir auf dem Mars! Wir erforschen einige kleine Krater, Gesteinsspalten und Lavatunnel und laufen dann den Weg wieder hoch zu einem Picknick-Platz auf dem Sierra Negra. Was bin ich froh um meinen todschicken Supermarkt-Strohhut, zu dem Eugen mich nach langem Sträuben meinerseits doch überredet hat! 

 

Nach einer Picknick-Pause laufen wir vier gemütlich wieder den Berg hinab. Eines der Highlights dieser Wanderung war (ausnahmsweise mal) die Gesellschaft: Die Amerikanerin ist das Gegenteil der ignoranten, nervigen amerikanischen Touristen, die wir bisher so getroffen haben. Sie ist Anfang 20, aus Maine, und interessiert sich sehr für ähnliche Themen wie wir. Wir haben richtig tolle Gespräche. Auch unser Guide ist klasse und spricht gutes Englisch. Er berichtet Eugen, dass der Mindestlohn hier auf der Insel bei 700$ liegt – was zum Leben nicht gut reicht. Guide zu sein ist wohl ein recht angesehener Beruf (und muss lukrativ sein, bei den Summen, die wir hier immer hinlegen müssen...). 

 

Mit schweren Beinen kommen wir am frühen Nachmittag wieder im Hotel an und springen in den Pool. Weil’s so schön ist gehen wir zum Abendessen nun schon zum dritten Mal im Royal Rock essen, wo wir auch an Eugens Geburtstag waren. Katie leistet uns Gesellschaft und erzählt von ihren bisherigen Reiseerlebnissen. Beim Couchsurfing in Quito hat sie einen Ecuadorianer kennengelernt und sich verliebt. Mit ihm war sie eine Weile im Dschungel, wo sie ein verlorenes Baby-Opossum adoptiert haben, was von da an auf ihrem Kopf wohnte. Supersüße Fotos! Sie leistet hier seit einigen Wochen Freiwilligen-Arbeit auf einer Farm auf Santa Cruz, die nachhaltige Landwirtschaft betreibt.

Unser mittlerweile altbekannter Kellner Steven schenkt uns frisch gebackenes Brot aus Yuca-Mehl, das mit Käse vermischt wird. Gar nicht so schlecht!

Wir fallen erschöpft ins Bett. 

 

Unsere weitere Reiseplanung steht inzwischen auch so grob: Am Dienstag siedeln wir um nach San Cristobal, einer weiteren Galapagos-Insel im Osten des Archipels. Am 11.4. fliegen wir in die Hauptstadt Quito, erledigen ein paar liegengebliebene Internet-Sachen und machen dann eine Mehrtageswanderung auf den Berg Quilotoa. Unsere wilden Pläne, zum Abschluss unseres Trips nochmal auf eine Karibikinsel zu fliegen, haben wir verworfen – wir haben beschlossen, lieber Ecuador weiter zu erkunden. Folglich werden wir uns dann wahrscheinlich noch ein nettes Küstenstädtchen aussuchen, vielleicht kitesurfen, etwas arbeiten und dann irgendwann gegen Mitte Mai wieder nach Deutschland fliegen. Wir haben zwar noch nicht wirklich genug vom Reisen, aber freuen uns auf euch alle, wenn auch nicht auf den Lockdown! :-)