Hier gibt's Ecuador! Für die älteren Einträge bitte auf das Land klicken:

Curacao
Kolumbien
Mexiko

21. Mai 2021: Nachgedanken aus Deutschland

Eine Woche ist es nun her, dass wir am neuen Flughafen BER gelandet sind (der schon ganz schön ist, aber mit dunkler Holzvertäfelung und Monumentalarchitektur etwas an den alten Flughafen Tempelhof erinnert) und direkt von unseren lieben Freunden Lulu und Laurens mit einem "Welcome home J + E"-Schild in Empfang genommen und nach Hause gefahren wurden.

Unsere Wohnung haben wir beinahe in einem besseren Zustand wiederbekommen, als wir sie verlassen haben - unser Untermieter hat sogar die Sofabezüge gewaschen (und beteuert, es hätte dafür keinen speziellen Anlass gegeben...). 

Während der 5 Tage Quarantäne holen wir gemütlich eine Kiste nach der anderen aus dem Keller und sortieren viele Dinge daraus direkt aus, weil sie uns jetzt überflüssig erscheinen. 

Ich freu mich sehr über die eigene Küche und das trinkbare Leitungswasser. Der Jetlag plagt uns eine Weile. Eugen schläft oft erst sehr spät ein und ratzt dann bis weit in den Tag hinein, während ich zwar auch nicht einschlafen kann, mein Körper sich aber daran erinnert, dass wir ja mit dem Sonnenaufgang aufstehen - ich bin um 6 hellwach.
Inzwischen haben wir aber beide wieder einen guten Rhythmus, es hat sich eingependelt. 

Wie ist es nun, wieder hier zu sein? Das ist für mich gerade gar nicht so die wichtige Frage. Die eigentliche Frage, die für mich bedeutsam geworden ist, ist: Wie geht es mir da, wo ich gerade bin? 
Und die Antwort ist: Es geht mir ausgesprochen gut. Richtig richtig gut. Nachdem der letzte Sommer für mich an vielen Stellen doch nicht ganz einfach war, fühle ich mich jetzt endlich wieder richtig frei und glücklich, ob nun in Ecuador oder in Berlin. 
Und ohne da jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Wir sind auch als Paar nochmal viel enger zusammengerückt und einfach durch und durch glücklich miteinander. 

Ab heute darf in Berlin wieder draußen gesessen und gegessen werden, und die Sonne scheint. Der Sommer kann kommen.
Wir sind unglaublich reich an Erinnerungen und total beseelt von unserem Abenteuer.
Danke, schöne Welt!

13. Mai 2021: Abflug!!

Wir hatten gestern noch ein riiichtig schönes Abschiedsessen. Eugen hat den einzig schönen Fleck in Guayaquil entdeckt und das Restaurante Casa Julian rausgesucht, was zu einem superfancy Hotel gehört, das auf einer Halbinsel im Fluss in einem dschungeligen Park gelegen ist. Unser Tisch ist draußen auf der Terrasse bei angenehmen 26°. Als wir ankommen geht gerade die Sonne unter, sodass wir nochmal schnell auf einen Steg mit Blick über den Fluss, den Flughafen und die Stadt gucken. Und siehe da – es startet gerade die 18:30 KLM-Maschine nach Amsterdam, an deren Bord wir morgen sein werden!

 

Eine sehr nette aufmerksame Kellnerin versorgt uns zur Feier des Tages erst einmal mit Cosmopolitan bzw. Gin Tonic. Das Essen ist hervorragend – wir gönnen uns jeweils zwei Gänge und bekommen zum Nachtisch noch ecuadorianische Pralinen. 

Beim Essen lassen wir die Reise Revue passieren und schwelgen in tollen Erinnerungen. Wir sind beide superhappy und hätten uns dieses Abenteuer nicht schöner vorstellen können!

 

Den Abflugstag beginnen wir mit einem letzten Frühstück in unserem liebgewonnenen Grand Hotel. Es ist zwar bewölkt, aber ich lege mich dennoch nochmal auf die Dachterrasse, um das letzte bisschen Sonne aufzusaugen. Danach mache ich einen kleinen Stadtspaziergang, während Eugen chillt bzw. Crypto-Kram macht. Das Stadtbild ist echt nicht schön, und ich werde viel angebettelt.

Wir bestellen uns Mittagessen ins Hotel und packen ein letztes Mal die Rucksäcke. An dieser Stelle trennen wir uns von einigen bewährten, aber sehr zerschlissenen Klamotten (wir sind beide in teils löchrigen Lieblings-Hosen rumgelaufen...).

Das Hotel bewahrt unser Gepäck auf und wir machen einen letzten kleinen Spaziergang. Vor der Kathedrale (die von innen sehr unspektakulär ist, so wie alles in Guayaquil) ist ein kleiner Park, in dem neben vielen Tauben und einer Leguankolonie auch Karpfen und Schildkröten in einem Teich leben. Am Eingang verkauft uns jemand Leguanfutter für ein paar Cent – es sind einfach Salatblätter. Die Viecher sind riesig, völlig unbeeindruckt von uns, und können sogar Bäume hochklettern! Während die Meisten sehr satt wirken, finde ich immerhin einen Leguan mit Anstand, der mir die Ehre erweist, ein Salatblatt aus meiner Hand zu fressen. 

 

Nachdem wir noch schnell einen Gürtel für Eugen erstehen bringt uns ein Taxi zum Flughafen. Und dort sitze ich nun mit gemischten Gefühlen, während ich dies hier schreibe. Freue ich mich auf zuhause? Ja, schon. Bin ich reisemüde? Absolut nicht! Ich hoffe, ich kann mit dem Wechsel zu deutlich weniger Input, neuen Eindrücken und Abenteuer gut umgehen. 

Die kleinen Annehmlichkeiten des Alltags wie trinkbares Wasser, stabiles Internet und die eigene Küche sind natürlich schon nett. Und auch wenn das jetzt kitschig klingt – solange ich Eugen bei mir habe, ist es überall schön!

 

Wir haben in 6 Monaten und einer Woche vier Länder bereist und vier PCR-Tests gemacht. Unser ökologischer Fußabdruck ist eine Katastrophe – wir saßen in 18 verschiedenen Flugzeugen. Zurückgelegt haben wir, grob gerechnet, 35.000km.


Ein paar generelle Dinge, die für künftige Reisen interessant sein könnten:

 

Gepäck 

Wir haben ziemlich gut gepackt. Wir hatten beide ungefähr 15kg plus 5kg Handgepäck.

Was ich zuviel dabei hatte: 

  • Makeup (es war schon nicht viel, aber ich hätte noch weniger gebraucht, hätte man ahnen können...)
  • Kleider (ich habe zwei meiner fünf Kleider wirklich oft getragen)
  • Schuhe (was auch daran lag, dass meine Wanderschuhe wundersam zu klein wurden)
  • Bikinis (ich verrate nicht, wie viele ich hatte, aber merke: drei reichen)


Was ich zu wenig dabei hatte:

  • Vielleicht Flipflops mit vernünftigem Fußbett (Eugen war sehr happy mit seinen Crocs-Flipflops, und mir hat mit meinen Havaianas nach langen Spaziergängen dann doch die Hüfte etwas wehgetan - in meinem Alter...)


Was ich zugekauft habe:

  • Ein tolles langes buntes Kleid, das ich viel getragen habe
  • Jumpsuit von Walmart, der direkt kaputt ging
  • Zwei Abendkleider, die ich seit Comitan (Mexiko) mit mir rumtrage, weil sie einfach zu schön sind
  • Poncho, den ich nur einmal getragen habe...
  • Schmuck, weils hier einfach überall tolle Sachen gibt
  • Jogginghose und Thermoleggings, weil’s kalt war
  • Schlabberhose in Guayaquil, weil nur 5$
  • Eugen hat uns beiden lange Unterwäsche für die mexikanischen Berge gekauft, wobei meine Garnitur auch zum Schnorcheln ein super Sonnenbrandschutz war


Was ich dabei hatte, was wirklich wertvoll war:

  • Neben dem Handgepäck-Rucksack noch eine simple Strandtasche, die auch als Laptop- und generelle Handtasche diente
  • Statt Geldbeutel ein Aufklebefach auf der Rückseite meiner Handyhülle (super für Kreditkarten und Geldscheine)
  • Allzweck-Schal (Kopftuch, Picknickdecke, Bettdecke, ...)
  • Duct Tape (hilft immer, bei allem)
  • Eugen (hilft auch immer, bei allem) <3


Finanzen

Ich hatte zwei Kreditkarten dabei: die gute alte Visa der Sparkasse Pforzheim Calw, die immer ganz gute Dienste leistet, und eine von Revolut, mit der man umsonst abheben kann. Revolut hat so guten Kundenservice, dass die sogar innerhalb kürzester Zeit eine Ersatzkarte für Eugen an ein Hotel in Medellin zustellen konnten, als er seine in einem Automaten hat stecken lassen. Sehr zu empfehlen!

Unsere Ausgaben haben wir über Splitwise getracked, und am Ende jedes Monats geschaut, dass wir beide einigermaßen gleich viel bezahlt haben. Das ging total easy. 
Insgesamt waren wir etwas über dem veranschlagten Budget, aber noch sehr im Rahmen. Wir haben nicht deutlich mehr Geld ausgegeben, als wir in Berlin verbraucht hätten. Und wir hätten noch deutlich günstiger unterwegs sein können, haben aber bewusst die Entscheidung getroffen, uns nicht über die Maßen einzuschränken. Das hat den Grund, dass wir die Reiserei nicht als einmalige Sache, sondern mehr als Lebensstil sehen wollen. Und wenn wir bei jedem Kaffee zögern oder ständig in lausigen Unterkünften schlafen würden, dann wäre das nicht nachhaltig, weil's dann keinen Spaß machen würde. :-) 

Ich habe gar keinen Überblick mehr, wer das hier eigentlich alles liest, aber wenn Euch sonst noch irgendetwas rund um die Reise-Organisation interessiert, gebt gerne Bescheid! :-)

Eine Sache, die ich nebenbei gelernt habe, ist: Kleine Gewohnheiten summieren sich auf. Dieses Reisetagebuch beläuft sich auf 154 Seiten in Word! Falls ich doch jemals ein Buch schreiben will, weiß ich jetzt, wie ich das (theoretisch) anzugehen habe - jeden Tag ein bisschen.
Wir sitzen gerade in Amsterdam am Flughafen, sind also fast zuhause. An dieser Stelle ganz vielen lieben Dank für all die netten Nachrichten und die treue Leserschaft! Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen nochmal was zur "Reintegration". Ich versuche, Berlin als eine Art weitere Station auf dieser Reise zu betrachten. Und irgendwie ist es das ja auch - nach der Reise ist vor der Reise.
In diesem Sinne - schön wars!