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15./16. März 2021: Hasta luego Mexico, hola Ecuador!

Der Tag des Abschieds ist gekommen - nach 8 Wochen verlassen wir Mexiko mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und stellen fest, dass wir eigentlich ein ganzes halbes Jahr durch Mexiko hätten reisen können, um der Vielfalt des Landes auch nur annähernd gerecht zu werden. Fürs nächste Mal freuen wir uns noch auf den ganzen Westen: Puerto Escondido, Oaxaca, Baja California, Guadalajara und nicht zuletzt auch Mexico City. Aber wir haben doch einen ganz guten Eindruck bekommen durch die Kombination aus Yucatan mit seinen Stränden und Chiapas mit seinen Bergen.

Wir haben einen spannenden Tag vor uns: Da coronabedingt immer noch nicht alle Fluglinien ihre üblichen Strecken fliegen, mussten wir einen etwas wilden Trip buchen, um nach Ecuador zu kommen: Wir steigen einmal um, und zwar in Fort Lauderdale, Florida. Und da man in den USA auch bei Transit komplett einreisen, also am Immigration Officer vorbei muss, müssen wir die Einreisebestimmungen gleich zweier Länder erfüllen. Hinzu kommt, dass wir mit Spirit Air fliegen, einer Airline die mehrfach als die "Airline mit dem schlechtesten Service aller Zeiten" ausgezeichnet wurde. 
Am Spirit-Schalter in Cancun zeigen wir brav unser ESTA-Formular und unseren negativen PCR-Test vor und kriegen sogar ein Sitzplatz-Upgrade. Soweit, so gut. Wir frühstücken gemütlich am Flughafen, der Flug ist pünktlich, und wir sind gegen 15 Uhr nach nur 90min Flugzeit in Florida. Jetzt wird's spannend. Die Dame bei der Immigration ist total freundlich und hat sogar noch meine alten Fingerabdrücke parat ("You went to school here honey?"). Wir haben den Einreisestempel im Pass und sind durch! Mit Erleichterung stellen wir fest, dass auch unser Gepäck es nach Florida geschafft hat.

Nun müssen wir nochmal neu einchecken und das Gepäck neu aufgeben. Erste Hürde: Wir haben unseren PCR-Test nur digital dabei. Die Spirit-Dame ist wieder unglaublich freundlich und druckt ihn für uns aus. Dann brauchen wir angeblich noch irgendein Health Formular für Ecuador - auch das kann sie auftreiben. Sie nimmt uns unser Gepäck ab, wir gehen wieder durch die Security (nachdem wir kurz überlegt hatten, in den 2h die wir noch haben kurz an den Strand von Miami zu fahren...), und sind schon sehr siegessicher. Nach einem Mittagessen bei Burger King (es gab wirklich absolut nichts Anderes) kommt am Gate dann doch noch eine böse Überraschung: "And where's your return ticket from Ecuador that proves you will leave Ecuador?". Tjaaa... Viele Länder wollen bei Einreise einen Beweis dafür sehen, dass man ihr Land auch wieder verlassen wird. Bisher haben wir das immer gut abgewehrt ("Wir reisen über die Landgrenze wieder aus, ganz bald!"), aber da gerade alle Landesgrenzen Ecuadors geschlossen sind, funktioniert das nicht. Aber auch hier kommt uns das Spirit-Bodenpersonal wirklich zur Hilfe: Wir buchen direkt am Gate noch ein Fake-Rückflugticket, was wir direkt nach der Einreise nach Ecuador wieder stornieren sollen und voll erstattet bekommen. Puuuh...
Ende gut, alles gut - der 4,5stündige Flug ist angenehm, ich quatsche nett mit den Stewardessen (eine amerikanische Airline, endlich spricht mal wieder jemand eine Sprache, in der ich mich vernünftig ausdrücken kann) und wir landen gegen 23 Uhr im verregneten Guayaquil, Ecuador. Der Immigration-Prozess verläuft problemlos (und keiner will wissen, wann wir wieder ausreisen...). Große Erleichterung!

In Guayaquil wollen wir nur kurz zwischenübernachten - morgen geht's direkt weiter in die Berge. Unser Hotel hat großen Unterhaltungswert, es ist quasi eine Kunstgalerie mit Betten drin. Alle Gänge, die Lobby und alle Zimmer sind voll mit bunt gemischter, teils sehr skurriler Kunst. Eugen hat super Badesalz für mich gekauft und ich freu mich über eine tolle Hotel-Badewanne. Wir schlafen gut!

Am nächsten Morgen gibts klassisches Hotelfrühstück, auch wieder mit Kunst, bevor wir einen kleinen Stadtspaziergang machen, um uns ecuadorianische SIM-Cards zuzulegen. Das Stadtbild ist irgendwo zwischen modern, abgeranzt und Kolonialarchitektur. Es wirkt aber doch etwas weiter entwickelt als vergleichbare Städte in Kolumbien oder Mexiko. 
Um eine SIM-Card zu kaufen, braucht man hier eigentlich einen ecuadorianischen Pass, doch die Verkäufer im Handyshop kommen uns entgegen und nehmen die Personalien irgendeines Fremden, um sie für uns zu hinterlegen... 
Dann fahren wir zum Busbahnhof und springen in einen (sehr modernen) Bus nach Cuenca. Die 4h Fahrt vergehen wie im Flug. Die Landschaft ist toll, erst Flachland mit Bananenplantagen und Viehherden auf den Straßen, dann der Aufstieg in die Anden. Die Kühe müssen hier alle krumme Beine kriegen, so steil sind die Berge. 
Unsere Heimat für die nächsten 7 Tage ist Cuenca, eine Bergstadt auf 2.500m Höhe mit 300.000 Einwohnern, die doch eher wie ein Dorf wirkt. Es regnet leider, aber sonst ist der erste Eindruck toll: Wir wohnen direkt am Hauptplatz mit der Kathedrale! Unsere Wohnung ist auch sonst total nett, und die Aussicht über die Häuserdächer ist klasse. Hungrig gehen wir ins erstbeste, sehr ecuadorianische Restaurant und essen beide eine echt leckere traditionelle Kartoffelsuppe (und danach noch ein Stück Pizza vom Pizzamann gegenüber, das 1$ kostet). Ecuador hat kurioserweise seit dem Jahr 2000 den US-Dollar als Währung. 
Dann erledigen wir unsere Einkäufe und richten uns häuslich ein. Wir sind hauptsächlich hier, um eine Woche ablenkungsfrei und mit gutem Wlan arbeiten zu können, bevor wir auf die Galapagos-Inseln fliegen.

Apropos Einkäufe: Es gibt ja gewisse Dinge, da ist man schon froh, wenn man sie hat. Dazu gehören Tampons, zumindest als Frau. Merke: In Mexiko gibt es keine Tampons. Wenn man mal Glück hat, dann ganz seltsame Varianten. Selbst bei Walmart nicht. In Kolumbien nur in den großen Städten. Und daher war ich sehr froh, in einer ecuadorianischen Apotheke endlich mal original-OBs zu finden!

13./14.03.2021: San Cristobal nach Cancun

Samstag früh machen wir einen letzten Abschieds-Spaziergang durch San Cristobal. Dabei entdecke ich zufällig ein Werbeplakat für die Party vom Dienstag, bei der Eugen aufgelegt hat - DJ Baloo (siehe Fotos)! 
Ich bin endlich auch wieder etwas fitter. Dann packen wir unsere Rucksäcke, was leider doch mit jedem Mal etwas schwieriger wird - wir haben etwas an warmen Klamotten (und Abendkleidern, ähäm...) aufgestockt, und die Gepäckwaage am Flughafen zeigt über die Zeit immer mehr an (wir sind inzwischen bei 16-17kg, was ja generell immer noch ziemlich tragbar ist). 
Am Flughafen kommt der Moment der Wahrheit - wird die Mietwagenfirma uns das Auto anstandslos abnehmen und unsere Kaution zurückerstatten? Am Auto ist zwar nichts, aber da wir insgesamt 60€ für die drei Wochen bezahlt haben, rechnen wir fast damit, über den Tisch gezogen zu werden. Aber siehe da: es gibt keinerlei Beanstandung! Eugen & Julia 1, Alamo 0. :-) 
Der Flug nach Cancun geht pünktlich und wir landen gegen 20 Uhr Ortszeit. Dieses Mal fahren wir mit dem Bus in die Stadt und dann mit dem Taxi den restlichen Weg zu unserer Unterkunft, wodurch wir dieses Mal mit etwa 8€ (statt 40€) für die Strecke hinkommen. An unserer Unterkunft angekommen steht die Tür des Nachbar-Apartments offen, und der Inbegriff der amerikanischen "Crazy Cat Lady" gestikuliert und kreischt laut darin herum, begrüßt uns dann aber recht freundlich und macht die Tür zu. Wir fürchten schon das Schlimmste, aber Nachts hält sie die Klappe.
Unser Apartment in den Viento Suites ist komfortabel und sauber, wunderbar für die zwei Nächte. Wir sind hungrig und machen uns direkt auf zum Italiener um die Ecke, denn mexikanisches Essen wollen wir unseren Mägen doch noch nicht wieder zumuten. 

Wir schlafen hervorragend und ausnahmsweise bis 10 Uhr (okay, ist auch wieder eine Stunde Zeitverschiebung). Herrlich ausgeschlafen gehen wir in einem Café frühstücken. Auf den Fotos seht ihr mich mit der "Super Bowl" - eine riesige Schüssel Melone. Anschließend wollen wir doch mal wieder an den Strand, was hier gar nicht so einfach ist, ohne viel Geld für eine Liege in einem fancy Beach Club auszugeben. Wir finden einen öffentlichen Strand, die Playa Delfines. Unser Uber-Fahrer macht uns schon mit einem Türsteher des berüchtigsten Clubs von Cancun, dem Cocobongo bekannt (in dem ich vor 10 Jahren mal war...). Wir hadern lange mit uns, beschließen aber am Ende doch, dass wir vielleicht zu alt zum Ausgehen in Cancun sind und uns außerdem unser Geld zu schade ist.
Der Strand ist nett, aber leider so wellig, dass der Coastguard niemanden baden lässt (die sollten mal die französischen Atlantikwellen sehen...). 

Update: Wir mussten uns das berühmt-berüchtigte Nightlife in Cancun dann doch noch mal näher anschauen - und waren zum Abendessen im Senor Frogs, mitten auf der Partymeile. Dort gibt es lustige Animateure, die einen zum Tequila-trinken animieren wollen, Touristinnen die sich beim Karaoke-Singen zum Depp machen und dabei während sie auf einer Art Schaukel sitzend vorsingen in ein Becken mit kaltem Wasser getunkt werden, und vieles mehr. Großes Kino. Wir haben unseren Spaß, sind aber ganz vernünftig um 22 Uhr im Bett. Fotos von diesem Abend gibt es erst zuhause und nur im Geheimen. :-)
 

08. bis 12. März 2021: San Cristobal

Diese Woche schwankt zwischen Produktivität und Magenverstimmung. Dienstag muss Eugen zum Zahnarzt, stellt sich aber raus, es ist nichts, und die Schmerzen sind jetzt auch wieder weg. Unser Auto springt nicht mehr an und Eugen wurschtelt eine Weile mit unserem Vermieter, der Starthilfe gibt, bis das Problem klar wird: Das Auto ist total in Ordnung, nur die Batterie in der Fernbedienung war leer! Das Auto ist so ein neumodisches Ding ohne Schlüssel, sodass man dann im schlimmsten Fall sein Auto a) nicht mehr auf kriegt und b) nicht mehr starten kann. Früher war schon Manches besser... Aber wenigstens kann Eugen das Problem mit einer neuen Minibatterie beheben. Und bringt mir auf dem Heimweg sogar Blumen mit. :-) 

Dienstag Abend hat Eugen einen großen Auftritt: Ich hatte einen örtlichen Eventveranstalter angeschrieben, der hier immer mal wieder Elektro-Partys veranstaltet (also das, was wir in Berlin auch immer gerne machen), ob er nicht einen tollen Gast-DJ aus Berlin auf einer seiner Partys spielen lassen will. Und siehe da - Eugen wird gebucht und kann endlich mal wieder auflegen! Schwersten Herzens kann ich allerdings nicht dabei sein - Magenverstimmung, ich bin vernünftig und bleibe im Bett. Macht mich natürlich etwas traurig, das verpasst zu haben, aber Eugen hatte Spaß und das ist die Hauptsache. 

Mittwoch fahren wir nach Tuxtla, um dort einen PCR-Test zu machen, den wir für die Einreise nach Ecuador brauchen. Das ist hier echt gut organisiert, wir konnten den Termin online buchen und waren auch direkt dran. Auf dem Rückweg kaufen wir bei Walmart Suppe und Cracker... Yay!

Donnerstag gehts uns beiden mal wieder gut und wir arbeiten aus dem schönen Coworking-Space bei uns um die Ecke. Ich habe zwei Coaching-Calls, für die ich das gute Internet brauche. Im Coworking-Space treffen wir zufällig Shri wieder, den wir letzten Sonntag bei der Canyon-Tour kennengelernt haben. Wir verabreden uns für den Abend mit Shri (Inder der jetzt in Kalifornien lebt) und Sergio (Mexikaner aus Guadalajara).
Nach dem Abendessen treffen wir uns in einer Microbrewery, wo auch noch ein junges Schweizer Pärchen zur Truppe stößt. Dann ziehen wir weiter in eine Bar, wo Sergio uns verschiedene Mezcal (der lokale Schnapps) probieren lässt und unter anderem auch Chapulines auftischt - geröstete Grashüpfer. Ich bringe es nicht über mich, aber Eugen ist mutig und probiert einen. Angeblich gar nicht so schlecht. Sergio und Shri bringen mir Salsa tanzen bei, und der Abend wird immer feuchtfröhlicher, während ich hoffe dass keiner bemerkt, wie ich immer noch an meinem ersten und einzigen Mezcal nippe. Wir haben quasi seit Weihnachten keinen Alkohol getrunken und das Zeug steigt echt schnell zu Kopf. Auch Eugen. :-)
Gegen Mitternacht verabschieden wir uns nach einem echt lustigen Abend.

Freitag rebelliert mein Magen wieder. Wir sind schon wirklich vorsichtig geworden mit dem was wir essen (und trinken), aber scheinbar soll es nicht sein. Also ein entspannter Tag - Eugen macht Reiseplanung für die Galapagos-Inseln.
Nachmittags macht Eugen einen Spaziergang, ich kuriere mich aus.
Zum Abendessen hatten wir vorgehabt, es uns gut gehen zu lassen in einem netten Restaurant - was Eugen auch macht (Duck Tacos und Sea Bass), während ich nur Suppe bestelle. Folgender Dialog ereignet sich: 
Ich: Ist diese Suppe scharf?
Kellner: Nein überhaupt nicht, Chilisauce stellen wir nur separat auf den Tisch.
Die Suppe, die ich daraufhin bekomme, ist schon ziemlich scharf. Ich frage eine andere Suppe an.
Ich: Ist die andere Suppe scharf?
Kellner: Nein, die ist wirklich überhaupt noch viel weniger und gar nicht scharf!
Die andere Suppe ist exakt so scharf wie die davor. Diese Mexikaner haben sich einfach ihre Geschmacksnerven ruiniert mit den ganzen Chilis.
Aber gut - nach dem Abendessen haben wir viel Spaß mit einem lustigen Film names Fantastic Mr. Fox.

Morgen (Samstag) fliegen wir nach Cancun, und Montag dann weiter nach Guayaquil, Ecuador!

Ps.: Das erste Bild zeigt die wunderbare Vorfahrts-Regelung hier: Uno x Uno bedeutet eine Art Reißverschlussverfahren an Kreuzungen - jeder lässt einen anderen fahren und fährt dann selbst. Es regelt sich erstaunlich gut. 

05. bis 07. März 2021: San Cristobal und Canon del Sumidero

Freitag arbeiten wir aus dem wunderschönen Sarajevo Café. Nach dem Mittagessen machen wir einen Spaziergang und sprechen mit verschiedenen Touranbietern um zu sehen, wer uns den besten Deal für einen Ausflug zum Canon del Sumidero, einer Schlucht hier in der Nähe, bietet. Außerdem entdecken wir bei der Suche nach einem Geldautomaten, dass sich eine ganze lokale Bankfiliale in der hintersten Ecke eines Matratzen- und Möbelladens versteckt befindet. Als fände man in der Matratzen-Abteilung von IKEA plötzlich eine Sparkassen-Filiale, wo zwischen den Matratzen Wartestühle stehen...
Bei einem Abendspaziergang finden wir eine süße kleine Bäckerei mit vernünftigem Brot und einen tollen Käseladen, sodass wir uns für ein Abendessen zuhause eindecken.

Samstag früh startet dann die Tour zum Canon del Sumidero. Wir steigen in einen Kleinbus mit amerikanischen und mexikanischen Touristen, die mehr oder weniger nervig sind. Die Fahrt geht bis kurz vor Tuxtla, wo der Canyon beginnt und wir in ein Speedboot umgeladen werden (2x200PS Außenborder, wahnsinns Dinger). Die Fahrt durch den Canyon ist unterbrochen von kleinen Stops, bei denen unser Kapitän und Guide uns was über den Canyon und die Flora und Fauna erzählt. Wir kommen seeehr nah an eine Krokodilsfamilie, die sich faul auf einer Sandbank sonnt. Und wir treffen eine dreiköpfige Affenfamilie!
Die Felswände des Canyon ragen an manchen Stellen bis zu 1000m über uns in die Höhe, und der Fluss ist stellenweise 250m tief. Große weiße Vögel, eine Art Reiher würde ich tippen, starten wenn wir uns nähern und fliegen malerisch übers Wasser. Es gibt eine aus Wasserfällen entstandene, Weihnachtsbaum-geformte Felsformation und eine Höhle mit rosa Gestein zu bestaunen.
Der nervigste aller Amerikaner, ein sonnenverbrandter, betrunken wirkender Mittvierziger aus NYC, zündet sich irgendwann einen Joint an und kriegt Ärger vom Kapitän.
Die Fahrt endet an einer 1981 gebauten Staumauer, die einen der größten Stauseen Mexikos entstehen ließ. Der erzeugte Strom geht zur Hälfte an Guatemala.
Dort stehen wir mit unserem Boot eine Weile in der Schlange für ein Kiosk-Boot, das Snacks und Getränke verkauft. So ziemlich alle in unserem Boot, außer uns, bestellen Michelada (das Biergetränk mit Sojasauce und Chili...). Da Obst ausverkauft ist, probieren wir in Streifen geschnittene, mit Salz und Zitronensaft betreufelte Jicama. Jicama (zu deutsch Yambohne) schmeckt nach nicht viel und erinnert vielleicht entfernt an Kohlrabi oder Rettich. 

Nun brettern wir wieder zurück durch den Canyon, steigen in den Bus und fahren durch Tuxtla und dann in Kurven den Berg hoch zu zwei Aussichtspunkten. Hoch über dem Canyon schauen wir nun hinab auf den Fluss, 1000m unter uns. 

Im Anschluss steuert die Tour noch Chiapa del Corzo an - unsere erste Übernachtungsstation hier in Chiapas, mit dem tollen achteckigen Brunnen und den riesigen Bäumen. Da wir also das Sightseeing-Programm dort schon hinter uns haben und furchtbar hungrig sind, rennen wir förmlich in ein von Eugen vorab recherchiertes Restaurant, um ein vernünftiges Mittagessen in dem 30min-Stop hier hinzukriegen. Zwei nette Kalifornier, Courtney und Shri, schließen sich uns an. Die sind beide sehr lustig, wollten eigentlich nur 4 Wochen aus den USA entfliehen, aber sind jetzt auch schon seit November unterwegs, weil es in Mexico gerade netter ist als zuhause. Und sie sind beide Vegetarier, sodass Eugen als einziger in den Genuss der hiesigen Spezialität kommt: Cochito Horneado, lange im Ofen gegartes Schwein. Es schmeckt, und da holt er sich gleich noch einen zweiten Teller vom Buffet. :-)

Abends sind wir platt, essen zuhause, gucken Serien und quatschen. 

Sonntag sind wir zu einer Arbeits-Session mit unserem Mitgründer Heinrich verabredet. Wir brainstormen und schreiben Texte für unsere nächste Webseite. Ansonsten verbringen wir den Tag sehr entspannt.

02. bis 04. März 2021: San Cristobal de las Casas

Hach, San Cristobal. Wir sind sehr happy hier. Es fühlt sich gerade mehr wie "wir leben hier" an, was auch daran liegt, dass wir erstmal keine Ausflüge machen, bis wir beide wieder ganz fit sind, sondern einfach ein bisschen arbeiten und die Stadt erkunden. Und hier gibt es viel zu erkunden! Neben all den hübschen kleinen Cafés und Restaurants gibt es allerhand richtig schöne Kirchen und Dorfplätze die dazu einladen, einfach auf einer Bank zu sitzen und das bunte Treiben zu beobachten. Traditionell gekleidete Frauen, die als eine Art mobile Bäckerei ein Backblech auf dem Kopf tragen, sich dann für ein paar Minuten damit irgendwo auf dem Boden niederlassen und ihr Gebäck anpreisen, und dann ein paar Meter weiterziehen, wieder mit dem Blech auf dem Kopf. Einheimische Männer mit Fahrradständen, die frisches Obst, Nüsse, Getränke, Eis oder Pozol (ein ganz leckeres Maisgetränk) feilbieten. Kleine Märkte, auf denen vornehmlich Textil- und Lederwaren und Gesteinsschmuck verkauft werden. Die Region hier ist bekannt für ihre Textilkunst. Die Frauen weben und sticken wunderschön. Bernstein und Jade kann man auch sehr günstig kaufen, wenn man das wollte. 
Leider sind alle Museen wegen Covid geschlossen, aber so haben wir immerhin überhaupt keinen Sightseeing-Druck.

Mittwoch habe ich einen Coaching-Call und muss mich dafür in einem Coworking-Space einmieten, weil überall anders das Internet nicht ausreicht. Der Coworking-Space ist aber klasse, mit einem Kaminzimmer und einem Arbeits-Baumhaus im Garten (das ich erst für mich alleine habe, bis zwei junge Mexikaner da eine Brainstorming-Session machen und dabei Joints rauchen wollen... grml). 

Donnerstag machen wir dann doch unseren ersten Ausflug - es gibt hier in der Nähe zwei Dörfer, die ausschließlich von der indigenen Bevölkerung bewohnt sind. Die Einwohner von Chamula gehören dem Volk der Tzotzil (Ureinwohner und Nachfahren der Maya) an. Fast alle sprechen die indigene Tzotzil-Sprache und sehr viele sprechen kein Spanisch. Am Ortseingang liegt ein beeindruckender Friedhof, bei dem Maispflanzen wieder eine wichtige Rolle zu spielen scheinen. 
Bei der Besichtigung der Kirche geraten wir mitten in eine religiöse Zeremonie. In der Kirche liegen Reisigzweige auf dem Boden, und sie wird von Tausenden von Kerzen erleuchtet. Einheimische kommen in traditionellen, teilweise sehr ausgefallenen Gewändern herein, bekreuzigen sich, und setzen sich auf den Boden. Einige haben Unmengen an Cola dabei. Draußen wird ein Feuerwerk gezündet, und eine halbe Blaskapelle macht sich bereit. Es riecht nach Weihrauch und Tannenzweigen. Wir ziehen uns in eine Ecke zurück und versuchen, niemanden zu stören. Fotos sind leider nicht erlaubt. 

Zurück im Auto erfahren wir dank Wikipedia-Recherche folgendes: "Ihr synkretistischer Glaube beinhaltet sowohl die Anbetung christlicher Heiliger als auch traditionelle Rituale bei denen z. B. Krankheiten geheilt werden sollen. Ein Schamane oder eine Schamanin beschwört durch Rülpsen schädliche Geister (Dämonen), die nach der Vorstellung der Indianer einen Kranken befallen haben, in ein lebendes Huhn zu fahren, das anschließend getötet wird. Diese Zeremonien finden täglich in der katholischen Pfarrkirche statt, diese ist dem Patron Johannes der Täufer geweiht. Dabei wird traditionell ein selbstgebrannter Zuckerrohr-Schnaps namens Posch getrunken. In jüngerer Zeit werden auch kohlensäurehaltige Limonaden wie Coca-Cola, Sprite und Fanta bei diesen Zeremonien eingesetzt, diese erleichtern dem Schamanen das Rülpsen." Soso. Dafür also die Cola. 

In Zinacantan, dem zweiten Dorf, müssen Touristen ein paar Pesos Eintritt bezahlen. Ein paar indigene Frauen nutzen die Gelegenheit, uns ihre Dienste als Guide anzubieten und uns in ihr Haus einzuladen. Da das Nachlesen bei Wikipedia ja nun etwas spärlich ist, beschließen wir, das mal auszuprobieren. Eine Einheimische namens Cecilia steigt also zu uns ins Auto und dirigiert uns zur Kirche. Auch diese Kirche ist richtig schön, es werden Heilige angebetet und Kerzen angezündet. Das Dach musste kürzlich nach einem Erdbeben ersetzt werden. So richtig viel mehr kann unsere Führerin uns allerdings nicht berichten. 
Wichtigster Wirtschaftszweig von Zincantan ist die zu einem großen Teil in Gewächshäusern betriebene Blumenzucht. Überall werden riesige Blumengestecke verkauft (und auf Altare gestellt). Eugen versucht, auf dem Weg zum Haus unserer Führerin mehr darüber von ihr zu erfahren - vergeblich. Ihr "Haus" ist (wie erwartet) auch eher ein Klamottenladen als ein Wohnraum. Ganz interessant ist aber, dass wir sehen wie eine Frau am Webstuhl eine Art Tischläufer webt. Man kann sich nur vorstellen, wie viel Zeit in ein einziges der reich verzierten, mit bunten Tieren bestickten Kleider fließt, die hier verkauft werden. Wir geben unserer Führerin ein Trinkgeld und gehen wieder, ohne den Damen was abzukaufen. 

Dann Kontrastprogramm - ein Walmart-Einkauf. Auf der Suche nach einer billigen Jogginghose für kalte Abende muss ich feststellen, dass die Konfektionsgrößen S-M-L hier einfach nur die Breite eines Kleidungsstücks bestimmen - nicht die Länge. Alle Hosen sind kurz. Gut, alle Frauen hier sind klein. Macht schon Sinn. 

Den Rest des Tages steht mal wieder Reise-Recherche an für unsere nächste Station: Ecuador!

Ich mache noch einen Nachmittags-Spaziergang durch San Cristobal (daher stammen die Fotos ab dem Eis – die Eisdiele hat Sorten wie Mandel, Käse und Rosenblätter und für zwei Kugeln will die nette mexikanische Mamma umgerechnet 60 Cent von mir). 
Beim Abendessen schwelgen wir ein wenig in Erinnerungen - heute vor zweieinhalb Jahren hatten Eugen und ich unser erstes Date. :-)

28. Februar bis 01. März 2021: Comitan nach San Cristobal

Eugen hat das Fleischfest des gestrigen Tages nicht so gut vertragen und wacht mit Magenschmerzen auf, sodass wir lieber kurz zum Supermarkt gehen und zuhause Haferbrei machen, als auswärts zu frühstücken. Dann nehmen wir Abschied von unserer Holzhütte und dem netten alten Host Hugo und starten Richtung San Cristobal. Einen Zwischenstopp legen wir aber ein: die Wasserfälle von El Chiflon. Wo das Gebirge an eine Hochebene grenzt, fallen spektakulär mehrere Wasserfälle über 120m herab. Das Wasser hat ein tiefes Türkisblau, richtig schön. Da Eugen nicht so fit ist, ruht er sich auf einer Picknickbank am Fluss aus, während ich die Wasserfälle erkunde. 
Danach führt uns die Fahrt wieder in die Berge, durch eine erst trockene Felslandschaft, die allmählich wieder in Tannenwald übergeht. Ohne Wegzölle und ohne Polizeikontrolle kommen wir am frühen Nachmittag in San Cristobal de las Casas an. Hier bleiben wir jetzt eine Weile, und schon auf den ersten Blick erweist sich das als super Entscheidung (war auch ein heißer Tipp von Eugens Kumpel Aron. Danke Aron!): Kleine Gässchen, bunte Häuser, wenig Touristen (aber immerhin ein paar), und für mich die perfekte Mischung aus hübschen Hipster-Cafés mit gutem Wlan und vegetarischen Gerichten und sehr ursprünglichen Taquerias, in denen man halbe Schweine aufgetischt bekommt. :-)
Eugen hat auch mal wieder eine tolle Unterkunft für uns gefunden. Ein kleines Häuschen mitten in der Altstadt, total schön rustikal eingerichtet mit einem Schaukelstuhl (und einer merkwürdigen Vorliebe für Hasen und Schweine, überall Figürchen und Bildchen). 
Ich mache einen kleinen Erkundungs-Spaziergang und hole Abendessen zum Mitnehmen bei Toktok-Wok für 2€.
San Cristobal liegt auf 2100 Metern Höhe. Tagsüber ist es sonnig und richtig warm, aber nachts wird's seeehr frisch. 

Zum Start in die neue Woche ist Eugen schon wieder fitter und wir setzen uns zusammen in ein Café zum Arbeiten und machen auch einen gemeinsamen Spaziergang. Ich streune Nachmittags noch eine Weile durch die Gassen - jeder Hinterhof hier sieht klasse aus, es gibt überall kleine Lädchen, in denen man traditionelle Gewänder, Lederwaren oder Gemüse kaufen kann, und es gibt unglaublich viele nett aussehende Restaurants. Das alles vor einem Bergpanorama, bei dem man immer irgendeine Kirche oder Kathedrale in der Ferne sieht. Richtig toll.

Vor dem Abendessen schaue ich bei einer Chiropraktiker-Massage-Frau vorbei, die mir in schnellem Spanisch alles Mögliche über meine Hüfte und die Schiefe meiner Wirbelsäule erzählt. Ich bin sehr stolz, dass ich sie verstehe, will aber eigentlich lieber, dass sie mich massiert, als mir irgendwas einzurenken. Das klappt so mäßig. Tut trotzdem gut. 
Dann hole ich uns Abendessen beim Veganer. Eugen isst auch schon wieder richtig (ich weiß, nicht jeder von euch zählt veganes Essen zu "richtigem" Essen - aber von Schweinefleisch hat er erstmal genug). 
Die Berge in der Dämmerung sind klasse. Und ich hab mit Freude vorhin festgestellt, dass wir zwei statt, wie ich dachte, eine Woche hier sind. :-)


26. bis 27. Februar 2021: Comitan

Freitag früh sagen wir unserem lustigen Auto-Hotel in Palenque Lebewohl und fahren wieder in die Berge. In Ocosingo machen wir Pause zum Mittagessen und Fahrerwechsel. Ab hier kennen wir die Strecke noch nicht - es ist spannend zu sehen, wie sich der Dschungel ganz langsam fließend zum Nadelwald wandelt. Wir kommen über Hochebenen mit Kiefern und Seen und weidenden Büffeln, die an amerikanische Nationalparks erinnern. Die Straße windet sich bergauf, bergab, durch den Wald und durch kleine Dörflein. Irgendwann wird es flacher, und die erste Tankstelle kündigt die nahende Zivilisation an. Der erste Eindruck von Comitan, wo wir zwei Nächte sein werden, ist ein guter: Bunte Häuschen, kleine Straßen die seeehr steil den Berg hinauf und hinab führen, eine hübsche Kirche und buntes Treiben auf dem Dorfplatz. Unten findet ihr mal wieder ein Video aus dem Auto.

Unsere Airbnb-Wohnung ist eine sehr niedliche Holzhütte im Garten eines noch niedlicheren alten Mannes namens Hugo, der Eugen schon Tage vor unserer Ankunft aufgeregt mit allerhand Tipps für Comitan zuspamt. Hugo begrüßt uns überschwänglich, versorgt uns mit Keksen und führt uns übers ganze Grundstück. Als er uns unser Bett zeigt, guckt er Eugen nochmal kurz von der Seite an und stellt dann einen Hocker und einen Stuhl ans Fußende, in dem Versuch eine Bettverlängerung für den großen deutschen Mann zu bauen.
Unser erster Erkundungs-Spaziergang durch Comitan führt uns zu diversen schönen Kirchen und Plätzen. Das häufigste Auto hier ist der VW-Käfer, und die Männer tragen ernsthaft Sombreros!
Zum Abendessen gibts endlich mal Salat, und wir fallen früh ins Bett.

Herrlich ausgeschlafen folgen wir am Samstag Morgen einem Tipp von Vermieter Hugo und frühstücken im Hotel Internacional (ganz nett). Dann schlendern wir durch eine Markthalle, in der man von Gemüse über halbe Schweine bis hin zu Spülschwämmen und Plastikspielzeug alles kaufen kann (wer findet die Garnelen unter dem Gemüse...?). Wir kaufen einer netten alten Dame ein Pfund frisch gemahlenen Kaffee ab. Dann müssen wir leider feststellen, dass alle Museen coronabedingt geschlossen sind. Also gehen wir shoppen - es gibt einen tollen Cowboy-Laden mit kompletter Cowboy-Ausrüstung (auch für Cowgirls) - fast kauft Eugen Cowboystiefel. Am Ende bin ich es aber, die zuschlägt, und zwar in einer kleinen Boutique mit unglaublich schönen Abend- und Cocktailkleidern. Ist es bescheuert, sich auf einem Backpacking-Trip ein Abendkleid und ein Cocktailkleid zu kaufen? Auf jeden Fall! Ich mach's trotzdem, weil im Sommer wieder ganz viele Freunde zuhause heiraten und die Kleider einfach sooo schön sind (und so günstig! Ich war kurz davor, die Verkäuferin zu fragen, ob die Preise auf den Etiketten in Pesos oder in Dollar seien - und 1 Dollar sind 20 Pesos, ihr könnt euch also vorstellen wie erfreut ich war, als sie sagte es seien Pesos...).

Zum Mittagessen hat Eugen wieder einen Einheimischen-Geheimtipp aufgetan. Ein knallbuntes Lokal, in dem schon einige mexikanische Großfamilien speisen. Wir bestellen, was Hugo uns empfohlen hat - ich will allerdings lieber gar nicht wissen, welche Teile vom Tier wir da vorgesetzt bekommen haben. Eine Fleischplatte mit verschiedenen Würsten, Speckschwarten und undefinierbaren Fleischteilen, einen Teller mit einer Art Leberwurst (die selbst Eugen nicht essen mochte), und sowas wie Pulled Pork (das ging noch). Ich esse mich mit Guacamole und einer Art mit Bohnenmus gefüllten Maispfannkuchen satt.
Den Nachmittag verbringen wir gemütlich in unserer Hütte (daher hole ich hier auch endlich wieder auf).
Abends gehen wir ins beste Restaurant des Dorfes, Ta Bonitio. Nachdem unsere Veggieburger komisch schmecken, werden wir sehr betüttelt und kriegen neues Essen: Tacos (Eugen) und einen Salat (ich) und Café Horchata umsonst dazu (Kaffee mit Reiswasser und Zimt, leckerer als es klingt). Nach dem Essen sage ich nichtsahnend zu Eugen, "In meinem Salat war so ein leckeres besonderes Salz drin, das könnten wir mal nachkaufen", und wir schauen auf der Speisekarte nach, wie das Salz heißt. Sal de Gusano. Ich geb das auf meinem Handy bei Google ein - und der erste Treffer lautet: "Wurmsalz - eine mexikanische Delikatesse"! Eugen lacht sich halb kaputt und es stellt sich raus, dass mein (angeblich vegetarischer) Salat tatsächlich als besondere Zutat Wurmsalz enthielt, was aus Würmern, Chilis und Salz besteht. Iiihhhh!! 
Eugen freut sich diebisch. Ja, es wurmt mich... :-)

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25. Februar 2021: Yaxchilan

Um halb 6 klingelt der Wecker, und Carlos & Carlos erwarten uns trotz der Uhrzeit schon mit einem tollen Obst-Frühstück in der Dschungelhütte. Wir haben 160km bzw. 3h Fahrt zur historischen Maya-Stätte Yaxchilan vor uns. Auch hier ist der Weg ein bisschen das Ziel - die Fahrt führt uns an einer Bergkette entlang durch Farmland und dann durch den Dschungel. Der Sonnenaufgang über den Bergen ist großartig.
Eugen ist dazu übergegangen, an jedem Polizei-Kontrollposten schnell die Sonnenblende auf meiner Seite runterzuklappen, damit man Touri-Blondie nicht auf 100m Entfernung schon erkennt - und es scheint zu funktionieren, wir müssen heute niemanden bestechen und auch keine Wegzölle zahlen.
Die Straßen sind teilweise in schlechtem Zustand voller Schlaglöcher, aber noch schlimmer sind die "Topes": eine Art Speedbumps, also so Bodenschwellen, nur dass die hier gerne mal 50cm hoch und kaum abgerundet sind, sodass man sie wirklich nicht übersehen darf. Und sie sind überall. Manchmal in Ortschaften, aber gerne auch mal plötzlich auf Straßen, die eher in die Kategorie Autobahn fallen. Ohne Ankündigung. Man muss also ständig auf der Hut sein. Meine Taktik ist also, sehr langsam zu fahren. Eugen entdeckt eine neue Taktik: Sich einem ortskundigen Minibus an die Fersen heften - die wissen nämlich genau, wo die Schlaglöcher und Tope-Hubbel sind. 
Natürlich fahren wir beide grundsätzlich sehr vorsichtig, wir wollen ja in der mexikanischen Pampa keine Panne und schon gar keinen Unfall haben.

Und so kommen wir gut am Visitor Center von Yaxchilan an, was direkt an der Grenze zu Guatemala liegt. Wir sind das einzige Auto auf dem riesigen Besucherparkplatz. Was uns nicht so klar war: Um zur Ruinenstadt zu kommen, muss man von hier aus nochmal eine Stunde den Fluss Usumacinta hinunter mit dem Boot fahren. Ein Boot kostet 1500 Pesos (ca. 60€) - so viel Bargeld haben wir nicht mal dabei!
Unsere Rettung naht in Form eines deutsch-mexikanischen Pärchens, das auch zur Ruinenstadt will. Nach ein bisschen Runterhandeln können wir uns ein geteiltes Boot leisten. Der leere Parkplatz und die etwa 30 gelangweilt am Ufer liegenden leeren Boote zeigen: Corona hat den Tourismus hier hart getroffen. Für uns umso besser: Als wir von Bord gehen und das Gelände von Yaxchilan betreten, sind wir tatsächlich die einzigen Menschen hier.

Vielleicht auch aus diesem Grunde beeindruckt mich Yaxchilan mehr als jede andere Ruinenstadt, die ich bisher gesehen habe. Zahlreiche Tempel liegen verstreut im Dschungel, und über uns schwingen sich Affen durch die Bäume. Man hört Affengeschrei und Vogelgezwitscher, und ab und zu raschelt neben unseren Füßen irgendeine Echse. 
Yaxchilan war von 350 v. Chr. bis 850 n. Chr. besiedelt. Zu sehen sind heute noch etwa 10 Gebäude, eines davon die auf einem Hügel thronende Akropolis, die wir über eine riesige Steintreppe erklimmen. Auch die Vegetation macht die Anlage so beeindruckend - wir sind hier wirklich einfach mitten im Dschungel! Ich umarme eine Weile einen der riesigen Bäume (nicht lachen, Bäume umarmen ist toll) und bin sehr glücklich und etwas überwältigt, dass wir das alles hier so erleben können. Dann kommt doch noch ein Boot an mit einer Gruppe Mexikaner, die unseren Frieden stören und laut singend Selfies machen...

Auf der Rückfahrt zeigt uns unser Kapitän einen weiteren Bewohner dieser schönen Landschaft - ein riesiges Krokodil (siehe Bilder). Streng genommen ist es ein guatemalischer Staatsbürger, denn es sitzt am anderen Flussufer.
Wieder beim Auto beschließen wir, im nächsten Dorf von unseren letzten Paar Pesos ein kleines Mittagessen und ein paar Liter Benzin zu erstehen, und fahren dann gemütlich wieder heim nach Palenque (zum Glück ohne Zwischenfälle, wir hätten uns gar nicht mehr "freikaufen" können...). 
Zum Abendessen fahren wir in ein Café mit Wlan in Downtown Palenque (was gar nicht so schlimm aussieht, wie alle immer sagen). Morgen ziehen wir wieder um!

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