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15. bis 17. Januar 2021: Kolumbien nach Mexiko

Die letzten Tage in Kolumbien nutze ich zum Auskurieren, während Eugen arbeitet oder mit mir chillt. Die größten Ereignisse sind Ausflüge zum Essen gehen, wobei es bei mir hauptsächlich Zwieback gibt.
Merke: Das bei Tripadvisor bestbewertete Restaurant Bogotas heißt Machu Picchu, sieht völlig unscheinbar bis shabby aus, macht aber sehr leckeres peruanisches Essen. Der Kellner kommt nicht darüber hinweg, dass ich nur als Eugens Gesellschaft da bin und selber wegen meiner Magenprobleme nichts essen kann, und bringt mir trotzdem kostenlose Drinks, gebackenen Tintenfisch mit Soße, Bananenchips etc.

Samstag stehen wir um 4 auf und fahren zum Flughafen, damit Wingo Airlines uns nach Mexiko bringt. Das ist zwar die absolute Billigfluglinie, aber es klappt alles wunderbar und wir steigen um 10 Uhr morgens in Cancun aus dem Flieger.
Nach etwas Ärger mit der Autovermietung (10.000€ Kaution für einen Mietwagen hinterlegen? Nein danke.) fahren wir erstmal ohne Mietwagen (dafür mit einem Suburban als Taxi) zu unserem kleinen Haus in Downtown Cancun. 
Das Haus ist total süß mit einem kleinen Pool im Garten und sehr persönlicher Einrichtung. Es scheint, als würde die Vermieterin eigentlich die meiste Zeit selbst hier drin wohnen. Die Küche ist wunderbar ausgestattet, wir haben einen riesigen amerikanischen Kühlschrank, und außerdem zwei Sofas und einen Arbeitsplatz. 
Hier sind wir nun für die erste Woche. Wir wollen endlich mal ein bisschen Arbeit nachholen, und tageweise Kitesurfen gehen wenn ich wieder ganz fit bin. 
Unser Haus liegt in einer sympathischen Wohngegend mit vielen netten kleinen Restaurants (und einer riesigen Shopping Mall um die Ecke - die USA lassen grüßen). 
Am ersten Abend gönnen wir uns mal wieder eine Massage, die zwar in der Wohnung der Masseurin stattfindet, was mich erst skeptisch stimmt, dann aber aber unglaublich großartig ist. 

Ab morgen haben wir dann hoffentlich unseren Mietwagen und werden mal die Gegend erkunden gehen. Ich war 2012 schon mal hier, allerdings für Spring Break, was ehrlicherweise amerikanischem Sauftourismus entspricht. Daher erinnere ich mich vielleicht auch an nicht viel mehr als den Strand und das Hotel von damals, aber ich bin gespannt ob ich sonst noch was wiedererkenne bzw. wie die Stadt sich verändert hat. 

Und hier noch Bilder aus dem Dschungel von der Kamera!

10.-14. Januar 2021

Nach dem Frühstück fahren wir mit Heike und Florentino mit dem Boot eine knappe Stunde viele Windungen flussaufwärts, bis Florentino irgendwo im Nirgendwo anlegt. Hier beginnt ein viele Generationen alter Trampelpfad in die Jagdgründe. Wir wandern fast 3h durch den Dschungel, der Pfad ist meist für Außenstehende nicht einmal erkennbar. Florentinos Orientierung ist unheimlich gut, er kennt hier jeden Baum. Und wir sehen einen Toukan und nochmal eine ganze Affenbande! Ungefähr 10 Affen schwingen sich über uns wild von Baum zu Baum. 

Auf dem Rückweg versuchen Eugen, Heike und Florentino zu Angeln. Die Fische müssen sich gefreut haben, es war mehr eine Fischfütterung denn ein Fische fangen. Die Fische futtern nämlich eifrig immer wieder alle Köder ab, aber keiner beißt an. Irgendwann geben die drei auf. Ich als Nicht-Fischesser klopfe schlaue Sprüche und bin ganz froh, dass keine toten Fische neben mir im Boot liegen.

 

In den letzten Tagen ist noch so viel mehr passiert, und insbesondere von Heike haben wir so unglaublich viel über die Kultur der indigenen Bevölkerung, die Probleme im Amazonas, die Tierwelt usw. gelernt. Wir wollen uns aber noch ein bisschen was aufsparen, was wir euch nach unserer Rückkehr erzählen können.

 

Nur für uns ein paar Stichworte als Gedächtnisstütze: Gott des Windes und die Testicles, Anerkennung des Ancestral Land, Anacondas, Coka Plantagen als alternativer Arbeitgeber, das Uboot, smallworldfoundation, „the community“, Malokas, Schnittlauchwasser übern Kopf, Harpy Eagle

Am Sonntag Nachmittag habe ich leider etwas Fieber und Magenprobleme bekommen, auch daher der kurze Bericht. Das Programm am nächsten Tag (Agricultural Walk und Pottery Workshop) musste Eugen leider alleine machen. Er und Heike haben sich rührend um mich gekümmert. Wir hatten wahnsinniges Glück. Da die hier überall Fieber messen, wäre ich damit auf kein Boot/Bus/Flugzeug mehr gekommen. Wir haben uns schon in einer Dschungelklinik festhängen und unseren Flug verpassen sehen.

Am Ende war das Fieber am Abreisetag zum Glück aber gerade wieder unten und wir konnten nach Bogota fliegen.

Obwohl es mir hier schon wieder etwas besser ging, wollten wir aber doch abklären, dass es nichts Schlimmeres war (es war nur ein normaler Virus) und wollten gerade ins Krankenhaus fahren - da hat Eugen spontan was gedeichselt, dass eine Ärztin mich hier in unserem Hotel angucken kommt. Und die kam innerhalb von 2h, was ein Service! Eine total nette Frau mit einer lieben Assistentin. Die waren klasse, haben alles Mögliche abgecheckt, mir eine Spritze gegeben, und jetzt gehts mir schon viel besser.

Also ingesamt alles wirklich glimpflich und gut gelaufen! Die drei Tage, die wir jetzt in Bogota haben, nutze ich noch zum Auskurieren. Eugen arbeitet schon wieder fleißig. Also: Macht euch bitte keine Sorgen, alles wieder gut!

Wir haben auch noch tolle Bilder auf der guten Kamera, die kommen wieder irgendwann. :-)

09. Januar 2021: Affen und Nachtwanderung

Heike hat sich gestern schon verplappert, daher weiß ich, dass wir heute Affen suchen gehen! Erstmal gibts aber Frühstück: Spiegelei und Brot mit Butter und Marmelade, dazu ganz viel Obst. Nach dem Frühstück schmeißen wir uns in langärmelige Kleidung und Gummistiefel und machen uns mit Heike und Johan mit dem Boot auf den Weg nach Macagua. Das ist die Siedlung eines anderen Stammes ungefähr 40 Bootsminuten von hier. Dort treffen wir auf unsere lokale Guide-Frau, die uns etwa eine Stunde lang durch den Wald führt, bis wir beim Monkey Conservation Center ankommen. Da begrüßt uns neben zwei Affendamen (Helena und April) und einem Affenbaby auch ein netter Herr, der hier arbeitet. Seine Aufgabe ist hauptsächlich, von der Polizei aufgegriffene Haustier-Affen in die Natur zu reintegrieren. Die Affen, die wir hier sehen, sind aber alle frei. Sie kommen immer wieder hierher, weil sie hier Futter und Zuneigung bekommen, aber irgendwann gehen sie wieder ihres Weges. Die Affen sind supercool, verschmust wie kleine Hunde, nur deutlich schlauer. Man sollte seine Siebensachen gut im Blick behalten! Reißverschlüsse sind kein Problem. Wir spielen eine ganze Weile mit den Affen, die uns interessant finden, und erfahren einiges über die Naturschutz-Arbeit hier. Im Conservation Center leben gerade außerdem noch ein Night Monkey und zwei süße kleine schwarze Baby-Howlermonkeys. 

Es gibt wohl immer wieder Diskussionen mit anderen Affen-Stationen, die die Affen wieder eher wie Haustiere für die Touristen halten, anstatt sie auszuwildern. Tourismus ist hier echt Fluch und Segen zugleich – so kommt zwar Geld rein, aber falsche Erwartungen, man müsse unbedingt Wildtiere sehen oder sogar anfassen, führen eben zu solcher Praxis.

 

Wir wandern zurück und kehren zum Mittagessen bei einer netten Dame ein, die uns erst Suppe und dann Linsen, Reis, Salat, Bananenchips und Hühnchen bzw. Spiegelei serviert. Es gibt sogar Kuchen zum Nachtisch! Wir quatschen beim Mittagessen lange mit Heike über Förderprojekte und wie man den Leuten hier eigentlich wirklich helfen könnte, während der arme, nicht-englischsprachige Johan auf seinem Handy Tetris spielt. Heike sagt, viele Projekte gehen sehr an der Lebenswirklichkeit der Menschen hier vorbei – die Initiative müsse von Innen kommen, sprich nur wenn die Menschen sich selbst aktiv für ein Projekt bzw. eine Art eigenes Startup entscheiden, funktioniert es auch. Als Beispiel nennt sie einen Mann, der beschlossen hat einen Fischteich anzulegen. Sobald Ideen von außen kommen, steht niemand richtig dahinter und es versandet. Beispielsweise kam wohl mal jemand hier ins Dorf und fragte, wer Lust hätte Marmelade herzustellen und zu verkaufen. Ein paar Leute haben sich pflichtschuldigst gemeldet, aber die Marmelade hätte viel zu teuer verkauft werden müssen, um rentabel zu sein, sodass das wieder eingeschlafen ist. Heike findet Eugens Erfahrungen aus Südafrika sehr spannend. 

Auch Schulbildung ist ein Thema. Die Kinder werden zwar auf eine Art weiterführende Schule geschickt, aber Heike sagt, danach studieren gehen können sie nicht, und es gibt nicht wirklich eine große Auswahl an Berufsausbildungen, aber Fischer oder Bananenbauer wollen die Kinder danach halt auch nicht mehr werden. Deshalb sind viele sehr orientierungslos. 

 

Auf dem Weg mit dem Boot zurück nach San Martin winkt uns ein hilflos treibendes Motorboot zu, dessen Motor ausgefallen ist. Wir schleppen es mit viel Mühe ans Ufer – der Amazonas hat eine ordentliche Strömung, und unser kleines Boot nur einen 15PS-Außenbordmotor. Aber die Rettung ist dank Johans Manövrierkünsten trotzdem erfolgreich.

Dann fängt es aus heiterem Himmel an zu schütten wie aus Eimern, was aber auch irgendwie eine total schöne Stimmung erzeugt. 

 

Wieder zuhause klettern wir aus unseren schlammigen Gummistiefeln in die Dusche und haben den Rest des Nachmittags zur freien Verfügung, sprich: Schläfchen und Hörbuch in der Hängematte. Heike berichtet, dass kolumbianische Touristen eher so japanischen Tourismus betreiben, also immer nur eine Nacht an einer Station, alles total vollgepackt, „and when you tell them now it’s time to relax, they look at you like, what am I supposed to do now?!“. Das Problem haben wir nicht. :-) 

 

Nach dem Abendessen machen wir noch eine Nachtwanderung mit Heike und unserem Guide Florentino (der gleichzeitig der Police Chief des Dorfes ist). Das ist schon ganz schön spannend, so mit der Taschenlampe durch den Dschungel. Wir sehen vor allem allerhand Insektengetier. Eine handtellergroße Skorpionspinne (später stellt sich raus, dass ein männliches Exemplar davon jetzt in unserem Badezimmer wohnt. Ich nenne ihn Heinrich. Gruselige Mitbewohner sind mit Haustiernamen einfach besser zu ertragen. Heinrich sieht aus, als hätte man ihn einmal von oben plattgedrückt, ist dunkelbraun und sehr schnell. Aber sonst ganz nett.), Tausendfüßler, massiv große Heuschrecken, aber auch schöne Schmetterlinge. Außerdem eine fette, sehr giftige Kröte. Schlangen begegnen uns zum Glück keine. Auch die Geräuschkulisse ist spannend – es zirpt und knarrt und klopft und quakt und zwitschert überall. Immer wenn sich der Wald lichtet, offenbart sich ein atemberaubender Sternenhimmel. 

Unser Haus, drei Stockwerke :-)

Blick vom obersten ins zweite Stockwerk unsere Hauses. Alles von Heike und ihrem Mann gebaut!

Die Kinder des Dorfes springen unter lautem Geschrei vom Baum in den Fluss, vor allem wenn Touris vorbeifahren.

Eugen auf dem Weg zu den Affen

Die Abendsonne vor unserem Haus

In Macagua auf dem Weg zu den Affen

Eine Frau vom Nationalpark, Heike und Eugen in schicken Gummistiefeln

Helena, die Affendame

Baby Monkey!

Helena und April, beide 8 Jahre alt (und damit bald reif, allein in den Dschungel zu ziehen)

Kuschliges Äffchen. Also rechts.

Ein typisches (wenn auch eher stattliches) Haus im Dorf Macagua

Plötzlicher Regen und Boot aus einem einzigen Stamm

06. bis 08. Januar 2021: In the jungle, the mighty jungle

Aufregende Reisetage! Den Mittwoch verbringen wir mit diversen beruflichen Videocalls aus Cafés in Medellin und Videodreh. Wir brauchen nämlich einen kurzen Werbeclip für Youtube, in dem wir unseren Onlinekurs vorstellen. Ein paar Szenen nehmen wir in Laureles auf der Straße oder im Park auf, und für einige Takes mieten wir ganz spontan kurz einen Meetingraum in einem schicken Coworking-Space. Außerdem erledigen wir die letzten Besorgungen für den Dschungel. 
 Unseren Flug von Medellin über Bogota nach Leticia hat Avianca spontan auf zwei Tage aufgeteilt, daher fliegen wir abends nach Bogota und am nächsten Tag erst weiter. Eugen hat aber auch für die kurze Zwischenübernachtung ein nettes Hotel gefunden. Wir bestellen Wok-Gemüse beim hiesigen Lieferservice („Rappi“) und schauen unsere Serie, Narcos. 

 

Am nächsten Morgen geht der nächste Flieger weiter nach Leticia, Kolumbiens Tor zum Amazonas. Schaut euch das mal auf der Landkarte an, es sieht aus als hätte Kolumbien sich einen Zipfel von Peru oder Brasilien geklaut. Die drei Länder grenzen hier direkt aneinander.
Leticia ist so, wie man sich eine geschäftige Durchgangsstadt im Dschungel vorstellt. Nicht besonders schön, überall gibts nur Brathähnchen, und überall stehen gelangweilte junge Männer, die wahrscheinlich Touranbieter oder dergleichen sind, aber gerade null Kundschaft haben. 
Ich habe plötzlich wahnsinnige Rückenschmerzen auf dem Flug bekommen (man wird ja auch nicht jünger) und stiefele daher etwas wortkarg hinter Eugen drein durch Leticia, der sich in den Kopf gesetzt hat uns noch schnell riesige Überhosen für uns gegen die Mücken zu kaufen und außerdem noch essen zu gehen, obwohl unser Boot in 15min abfährt. So schnell habe ich (wurde mir...) noch nie eine Hose gekauft! Eugen setzt mich am Pier ab und holt uns beim Bäcker Verpflegung, dann gehts auch schon los. Wir fahren 3h mit dem Bus-Boot den Amazonas runter, bis wir in Puerto Narino ankommen. 

 

Ich dachte, Puerto Narino wäre wie Leticia in klein, aber weit gefehlt. Schon vom Boot aus sieht man leuchtend bunte Häuser, einen Spielplatz, einen schönen Anlegesteg und einen Aussichtssturm. Der Ort ist einfach richtig hübsch! Wie eine kleine Oase im Dschungel. Am auffälligsten sind die netten, rot gepflasterten Fußwege (es gibt hier keine Autos) mit Mülleimern alle 50m. An vielen Ecken stehen Steinstatuen von Tieren (Schildkröten, Vögel, sogar ein rosa Delfin – darüber später mehr), und alle Leute grüßen freundlich.
Wir stapfen mit all unserem Gepäck durchs Ortszentrum und den Berg rauf zu unserem Hostel. Auch das ist total süß, kleine Holzhäuser in einem Garten voller riesiger Pflanzen. Überall schwirren übergroße knallbunte Schmetterlinge.

 

Bei einem Dorfspaziergang entdecken wir eine „Eisdiele“ mit abgefahrenen Eissorten und netten InhaberInnen – man empfiehlt uns Mani (irgendeine Nuss) und noch irgendeine nie gehörte Frucht. Das Eis wird hergestellt wie bei uns früher – Saft in einen Becher und Stiel rein. Sehr lecker! Eugen fragt eine der Eisverkäuferinnen nach Tipps fürs Abendessen, und sie empfiehlt uns zwei Restaurants. Den Sonnenuntergang schauen wir vom Statuen-Spielplatz aus an, und wir sehen die ersten rosa Delfine! Es gibt hier nämlich zwei Sorten Fluss-Delfine: graue und rosafarbene. 
Auf der Suche nach den empfohlenen Restaurants bleiben wir bei einem der Straßenstände hängen, die plötzlich an jeder Ecke auftauchen: Jeder Stand wird von einer Familie betrieben, der Mann steht am fahrbaren Grill, die Frau hat Schüsseln mit Reis, Yucca und Saucen dabei. Wir beschließen, das doch mal zu testen. Eugen kriegt leckeren im Bananenblatt gegrillten Fisch mit Reis und Yucca, und ich bleibe bei Reis mit Yucca (obwohl mir ein Spieß mit ganzen Hühnerfüßen dran sehr angepriesen wurde). Da wird uns auch klar, dass die Eisverkäuferin wohl genau diese Straßenstände meinte mit ihren Empfehlungen – „richtige“ Restaurants gibts hier nämlich kaum. Nach dem Essen schlendern wir heim (wir sind übrigens weit und breit die einzige Touristen hier) und fallen erschöpft ins Bett. Nachts regnet es wie aus Kübeln, und gegen fünf weckt uns eine mehrstimmige, sehr energische Kirchenglocke.

 

Über den Plan der nächsten Tage weiß ich quasi gar nichts, ich hab nur den Flug nach Leticia gebucht, für alles Weitere hat Eugen sich mal wieder seinem Hobby hingegeben (coole Erfahrungen als Überraschung für Andere organisieren), und ich bin gespannt was mich erwartet.
Der Tag beginnt mit einem Frühstück aus Kaffee und Obst im Hostel, dann warten wir, bis Johan, unser 24jähriger Guide, uns abholt. Johan geleitet uns zu seinem Boot am Hafen, der Regen hat zum Glück gerade aufgehört, und fährt mit uns einen Seitenarm des Amazonas entlang bis zu einem See. Schon die Fahrt dahin ist eine Reise in eine andere Welt. Die Vegetation am Ufer ist so vielfältig, alles ist unglaublich grün und lebendig. Allerhand Vögel flattern überall rum, Fische springen, und manchmal sogar Delfine. Unterwegs sehen wir hoch oben in einem Baum am Ufer ein Faultier (Perezoso – eines der wenigen spanischen Wörter, die ich mir richtig gut merken kann, weil ich selbst manchmal ein Faultier im Herzen bin). 
Auch der See ist beeindruckend. An der Mündung gibt es ein schwimmendes Kontrollhäuschen – bestimmte Fische dürfen hier nämlich nicht gefischt werden (und zwar ein 3m langes Seemonster, das man wohl auch nicht so gut in seinem Fischerboot verstecken kann). Generell wird viel für die Erhaltung bedrohter Arten getan, dazu später mehr. 
Johan erklärt uns, was hier so alles kreucht, fleucht und schwimmt: Manatees (Seekühe), Piranhas (angeblich für Menschen nicht gefährlich, es sei denn man blutet irgendwo), besagter Riesenfisch, und noch ganz viel mehr. Wir sehen auch wieder beide Delfinarten. Eugen ist mutig und nimmt die Einladung unseres Guides an, doch kurz schwimmen zu gehen (keine Sorge, das machen hier alle, ist wirklich ungefährlich). Höchst couragiert springt er vom Boot, klettert aber doch auch schnell wieder rein. :-)
Ich bin feige, nachdem Johan uns eine überlieferte Geschichte erzählt hat, derzufolge sich manchmal große fremde Männer in rosa Delfine verwandeln und kleine Mädchen klauen.

 

Übrigens spricht Johan kein Wort Englisch, aber sein Spanisch ist zum Glück so klar, dass ich überraschenderweise dank Französisch, Englisch und Latein fast alles verstehen oder zumindest erraten kann, ohne jemals Spanisch gelernt zu haben. Mein passiver Wortschatz wird immer besser, nur das mit dem Sprechen hapert noch sehr. Ich übe. 

 

Wir fahren zurück nach Puerto Narino und steigen auf den Aussichtsturm (der Eingang ist der Schlund eines Tigers, ein bisschen wie im Vergnügungspark – hier hat sich wirklich jemand überlegt, wie man das Dorf schön und Touri-freundlich macht). Da sieht man erstmal, wie groß das Dorf ist. Hier leben 4000 Menschen, im „Großraum“ sogar 8000. Es wirkt eher wie eine kleine Siedlung, in der Jeder Jeden kennt. 
Am Fuße des Aussichtsturms kauft Johan uns nochmal Eis, diesmal Araza (schmeckt wie Orange und Vanille, nur besser) und Cocoazu (sieht aus wie eine Mischung aus Kokosnuss und Kakaobohne, schmeckt aber wie nichts was wir jemals geschmeckt haben. Aber lecker.).
Anschließend gehts zum Museum. Dort bekommen wir eine wirklich süße (natürlich spanische) Führung von einem sehr stolzen Museumsguide. Er erzählt uns, dass hier viel für den Naturschutz getan wird, und erklärt uns allerhand Getier anhand von liebevoll aus Holz geschnitzten, lebensgroßen Modellen. Sie haben Delfine, ein 4m langes Krokodil, sogar ein Manatee. Es gibt am Amazonas zwei Jahreszeiten: Quasi Flut und Ebbe, die entsprechend der Regen- und Trockenzeit wechseln. Gerade sind wir kurz vor Flut. Die Schwankung vom Tiefst- zum Höchststand beträgt 15m! Daher gibt es überall mehrere Bootsanleger, alle Häuser sind auf Stegen etc. Die Führung schließt ab mit einer Hütte, die komplett abgedunkelt ist. Wir werden gebeten, uns im Dunkeln zu setzen, und der Guide erzählt uns einen überlieferten Mythos von Kasimir dem Fischer, während er mit einer Taschenlampe passende, wieder aus Holz geschnitzte Gegenstände anleuchtet. Wir verstehen nicht viel von der Geschichte, aber Kasimir ist wohl nachts Fischen gegangen und hat eine Schildkröte und ganze viele andere Tiere getroffen. Und er hat den Mond gesehen. Der Rest blieb unklar. Jedenfalls ist das Museum sehr goldig.

 

Zum Mittagessen führt Johan uns ins Pub des Dorfes, wo Rammstein läuft und der Inhaber Englisch spricht. Der brät uns leckere Burger, vegetarisch und fleischig. Dann holen wir unsere großen Rucksäcke, schleppen sie zum Hafen und werden mit dem Boot (das noch schnell mit allerhand Obst und Gemüse uns sonstigen Säcken vollgeladen wird, und übrigens aus einem einzigen Baumstamm nahtlos gehauen ist, wahnsinn) in unser neues Zuhause für die nächsten paar Tage gefahren: San Martin. 

 

San Martin ist ein kleines Dorf (150 Familien – Einwohner werden hier nicht gezählt) an einem weiteren Seitenarm des Amazonas. Sehr gespannt schleppe ich meinen Rucksack den Berg hoch und bin überglücklich, als ich unser Haus sehe: Wir haben ein eigenes, dreistöckiges Holzhüttchen bei einer netten Gastgeberin names Heike. Heike ist vor 16 Jahren aus Holland hier hängengeblieben, als sie im Rahmen ihrer Doktorarbeit in Biologie die Blattschneide-Ameise erforscht hat. Sie macht uns gleich Kaffee und Obst, versorgt uns mit Gummistiefeln und erzählt, wie sie mit ihrem Partner José über die Zeit diese Lodge aufgebaut hat. Erst hatten sie jahrelang nur eine kleine Hütte ohne Dusche und Toilette (erledigt man beides im Fluss), irgendwann haben sie angebaut, dann auch mit kleinem Gästezimmer für Freunde und Familie. Das Gästezimmer hat sich rumgesprochen, sodass irgendwann immer mehr Fremde bei ihnen übernachtet haben, bis sie auf die Idee kamen, dafür Geld zu verlangen. So war das „Hotel“ geboren. Heike hat auch entdeckt, dass sie lieber hier rumspringt und an ihren Holzhäuschen rumwerkelt, als biologisch zu forschen. Unsere Hütte ist jedenfalls klasse geworden. 
 Vor dem Dunkelwerden nimmt Johan uns noch mit auf einen „Community Walk“, sprich er zeigt uns das Dorf. Ich verliebe mich in einen winzigen schwarzen Hundewelpen. Hunde rennen hier überall rum, und wenn man einen haben will, dann nimmt man ihn mit und gibt ihm einen Namen. 
Das Dorf bezieht Strom über einen Dieselgenerator auf dem Berg. Daneben befindet sich auch eine große Solaranlage, die traurigerweise aufgrund von Verhandlungskonflikten mit der Dieselstromfirma nie genutzt werden konnte. Das Stromnetz hier gehört nämlich dieser Firma, und die weigert sich, den Solarstrom zu verteilen. Scheinbar geht das hier noch zwei weiteren Dörfern so, echt traurig. 
Ansonsten ist das Dorf total nett, es gibt eine Schule mit Fußballplatz, einen Kindergarten, eine Versammungshütte und eine Kirche. Johan erklärt uns auch allerhand Heilpflanzen. Die können hier alles heilen, selbst für gebärende Frauen gibt es ein Kraut, dessen Tee alles wieder gut macht. Kinder werden wenn möglich zuhause geboren, nur bei Komplikationen wird nach Porto Narino oder Leticia ins Krankenhaus gefahren. 

 

Wir sind die einzigen Touristen im Dorf, und Heike hat uns schon vorgewarnt, dass wir vereinzelt eventuell auf Ablehnung stoßen könnten. Lange wurden hier gar keine Touristen reingelassen, aus Angst vor Corona. Inzwischen gab es scheinbar einen Gemeinschafts-Entscheid, wieder Touris aufzunehmen, aber einzelne ältere Dorfbewohner beäugen uns dennoch etwas kritisch. Die meisten grüßen aber freundlich. 
Es ist richtig heiß und schwül, und wir freuen uns nach dem Spaziergang über eine kalte Dusche. 
Das Abendessen bei Heike besteht aus Reis, Linsen, Yucca-Pommes (lecker!) und Salat, und für Eugen Catfish. Zum Nachtisch gibts frisches Obst, Banane und Papaya. Herrlich!

Hier erst einmal Bilder aus Puerto Narino.

02. bis 05. Januar 2021

Auch der zweite Lockdown-Tag ist unspektakulär, ich sneake wieder raus für einen kleinen Spaziergang, ansonsten lesen, Netflix und Reiseplanung. Abends bringt uns der Lieferservice des Tikitaka-Restaurants (der Name hätte uns schon alarmieren sollen...) eine halbgare Lasagne aus Nudeln, Fleisch und Käse, ohne Tomatensauce, die Eugen munter verputzt, die ich aber nach drei Bissen nicht weiter essen kann. Ab da geht's bergab mit mir, Bauchkrämpfe und am nächsten Tag auch etwas Fieber, pünktlich zum Ende des Lockdowns. Als es wieder einigermaßen geht machen wir uns mit einem geliehenen Roller auf nach San Rafael. Das ist ein sehr ursprüngliches, deutlich tiefer liegendes (San Rafael 1000m, Guatape 1900m ü. NN.) Bergdorf an einem Fluss, in dem man baden kann. Ich hänge ziemlich in den Seilen, daher lassen wir das Baden bleiben und gehen dort nur Mittag essen. Es gibt mal wieder das übliche: Man darf aussuchen zwischen Hühnchen, Schwein, Rind, Bacon (Chicharron) und Fisch, dazu gibts Reis, Pommes, Platanenpfannkuchen frittiert, und Salat. Keine Sauce. Das ist das Standardgericht hier, das wir ehrlicherweise langsam nicht mehr sehen können. 
Aber der Weg ist definitiv das Ziel - die 27km lange Strecke von Guatape nach San Rafael ist richtig toll, eine Kurvenstraße durch die Berge mit atemberaubender Aussicht hinter jeder Kurve. 
Auf dem Rückweg ist Eugen wieder hungrig und lässt sich von einem Restaurant am Weg "Irgendwas zum Mitnehmen" machen. Er kriegt ne Milch. Also wirklich eine Schüssel mit Milch, die sich als Maismilch entpuppt, mit einer Art Cornflakes drin (siehe entsprechend genussvollen Blick auf dem zweiten Foto). Hmmm!

Abends gelingt uns dafür mal wieder eine kulinarische Entdeckung: Das "Amazonas", was sich als der Garten einer netten Kolumbianerin namens Adriana entpuppt, die in ihrer eigenen Küche für Gäste kocht und einen Pavillon in ihrem Garten aufgestellt hat, weil sie sich die Restaurantmiete im Ort nicht leisten kann. Es gibt zum Beispiel selbstgemachte Kürbis-Platanen-Gnocchi mit Auberginensauce mit Kürbis aus dem eigenen Garten. Adriana ist sehr spirituell, gibt Gesundheitstipps, alles riecht nach Räucherstäbchen, und sie hat einen lustigen Kater, der gerne mit uns abhängt. 

Für unseren letzten Tag in Guatape haben wir uns den Endgegner aufgehoben: El Penol, der riesige Felsbrocken, der hier etwas willkürlich in der Landschaft liegt. 
Erstmal müssen wir aber feststellen, dass auch das typische Frühstück uns langsam auf den Keks geht: Ungewürztes Rührei mit Arepa (nach nichts schmeckendem Maisteigfladen) und eine Scheibe Ziegenkäse, der dafür umso versalzener ist. Die einzige Alternative ist frittierter Teig in allen Variationen: frittierter Teig mit Käse drin, frittierter Teig der Käse umhüllt, frittiert Teig in Zucker gewälzt, usw. 

Nach einem dementsprechend notwendigen Verdauungs-Päuschen und Spaziergang (an jedem Haus in Guatape sind wunderschöne Reliefe dran, siehe Fotos) bringt uns ein Tuktuk zum Felsen, und wir starten den Aufstieg: 723 Stufen! Man muss sich seine schöne Aussicht ja auch verdienen. Die ist dafür wirklich spektakulär (wenn man ein Plätzchen am Rande der Absperrung ganz oben ergattern konnte - wir sind nicht alleine hier).
Die Landschaft hier ist grandios. Guatape liegt an einem Stausee, der in den 60ern zur Stromgewinnung erzeugt wurde. Dadurch ist eine wahnsinnig weit verzweigte Seenlandschaft entstanden. Allerdings ist das Wetter etwas merkwürdig, Guatape hat quasi zwei Jahreszeiten: Sonne (dann sofort gefühlt 40° und man verglüht) und Schatten (und man sehnt sich nach einem Schneeanzug). 
Zum Mittagessen hat Eugen ein veganes Restaurant aufgetan, was echt eine gute Abwechslung ist (und das will was heißen). Den Nachmittag hänge ich immer noch etwas schlapp im Bett. Abends gehen wir wieder zu Adriana und teilen uns den Pavillon mit einer Gruppe Deutscher, die alle irgendwann zwischen 2005 und 2017 nach Kolumbien ausgewandert sind. Ein lustiger bodenständiger Stuttgarter hat einen Motorradverleih in Guatape und war wegen Covid den Sommer über in Deutschland und hat einen Kindergarten gebaut. Er ist ganz verwundert über unser Modell, was "im Internet" zu machen. Aber wir sind uns einig darüber, dass das Modell, dem deutschen Winter hier zu entfliehen, ein Gutes ist. 

Am nächsten Tag setzen wir uns (nach dem üblichen Frühstück für Eugen und Bauchweh für mich...) in den Bus nach Medellin. Wir haben für eine Nacht wieder ein Hotel in unserem Lieblingsviertel in Laureles, bevor es morgen für eine Nacht nach Bogota geht, und dann weiter in den Dschungel (ging nicht anders, thanks Avianca...). Jetzt müssen wir endlich mal wieder einiges an Arbeit aufholen, uns um unsere Stipendienverträge kümmern und so. Ich esse den ganzen Tag nur Brot und Cracker und schaue abends sogar Eugen beim Burgeressen zu, aber dafür gehts mir inzwischen deutlich besser.

Unser Hotel ("Bolivariana Plaza", sehr hochtrabend) hat den Charme eines amerikanischen Motels, das einzige Fenster geht zum Gang. Aber es ist sauber und günstig und reicht für eine Nacht. Wir freuen uns auf den Dschungel!

30. Dezember 2020 bis 01. Januar 2021: Medellin nach Guatape

Immer wieder verschoben, aber wir schaffen es doch noch: Heute steht die Free Walking Tour an. Falls ihr das Konzept nicht kennt: In allen großen Städten der Welt gibt es mittlerweile solche Stadtführungen auf Spendenbasis, oft von einheimischen Studenten. Wir treffen unseren Guide in Downtown und bekommen erstmal einiges über die bewegte Geschichte Kolumbiens erzählt. Er schildert eindrucksvoll, dass seine erste bewusste Erinnerung eine Schießerei vor seinem Elternhaus ist, und was es für ihn persönlich bedeutet, wie Kolumbien mit seiner Drogenvergangenheit umgeht und sich weiterentwickelt. Er sagt, die ab den 1990ern Geborenen seien die einzigen Kolumbianer, die Pablo Escobar manchmal verherrlichen, weil sie eben den Schrecken nicht mitbekommen haben. Manche Leute idealisieren ihn als Helden, als Kämpfer der Armen, der Geld an die Benachteiligten verteilte. Das Land kämpft aber absolut immer noch sehr mit Korruption und Drogenschmuggel. Wir laufen durch eine Fußgängerzone, in der zahllose kleine Händler gefälschte Markenklamotten und allerhand Krimskrams verkaufen – Geldwäsche für die Drogenbosse.
Aber auch im Positiven haben einige Kolumbianer über ihre Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt, zum Beispiel der Künstler Fernando Botero, ein Maler und Bildhauer. Die Stadtführung führt uns auch an einen Platz, auf dem zahlreiche von Boteros disproportionierten Statuen stehen (alles, was er malt oder baut, sieht dick und oft ziemlich lustig aus). Auf einem der Bilder seht ihr eine solche Statue. Dahinter ist ein kirchenähnliches Gebäude zu sehen, was Kolumbiens Regierung bei einem belgischen Architekten in Auftrag gegeben hat. Mit dem haben sie sich dann zerstritten, er ist erbost nach Belgien zurückgereist, und Medellin hatte ein halbfertiges gotisches Gebäude. Der Versuch, den Bau auf eigene Faust zu vervollständigen, führte dazu dass die Rückseite nun eine platte graue Wand mit viereckigen Fenstern ist, im Gegensatz zu den prachtvollen gotischen Fenstern im Rest des Gebäudes. Pfusch!

 

Mittags trifft Eugen eine Medelliner Grafikdesignerin, mit der er virtuell arbeitet, mal persönlich. Den Nachmittag verbringen wir im Viertel El Poblado mit Videoshoots für unseren Onlinekurs. Ich laufe also hübsche Gehwege entlang und sage Sätze über Soziale Angst auf, während Eugen rückwärts laufend filmt, während uns dauernd hupende Autos den Ton versauen. Nicht ganz einfach hier. 

 

Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen vom Hotel. Eugen verabschiedet sich herzlichst vom Omelette-Mann beim Frühstücksbuffet. Zwei Stunden Busfahrt mit schönem Ausblick später kommen wir in Guatape an, was unser Zuhause für die nächsten vier Tage sein wird. Guatape ist ein wunderschönes Bergdorf in einer Gegend, die man als das kolumbianische Äquivalent der Mecklenburgischen Seenplatte bezeichnen könnte. Wir haben ein sehr kompaktes Airbnb-Zimmer, weil wir dachten, wir seien eh die meiste Zeit draußen auf Tour – aber hier wurde spontan wieder ein Lockdown angeordnet, und ab Silvester 20 Uhr bis zum Morgen des 3. Januar darf keiner auf die Straße. Unser Host bemüht sich sehr, es uns trotzdem gemütlich zu machen. Er stellt uns eine Bank in den 3qm großen Vorgarten und versorgt uns mit Infos über Restaurants mit Lieferservice. 


Wir gehen also zuallererst mal einkaufen, damit wir zumindest unser Frühstück selber machen können (eine Küche haben wir leider nicht). Dann erkunden wir Guatape. Unglaublich farbenfrohe Gemälde überall an den Häusern, eine nette Kirche mit einem wie immer überbordend weihnachtlich dekorierten Vorplatz, hübsche kleine Gässchen und Seeblick. Wirklich schön. 
Als wir so am See entlang schlendern kommen wir an einem Jetski-Verleih vorbei. Der See sieht schon ziemlich verlockend aus, und man weiß ja, dass die Dinger unfassbar nervig sind – außer man sitzt selbst darauf... Also los gehts, 30min lang dürfen wir mit so einem Deppmobil über den See fahren. Die Landschaft ist so großartig, die paar wenigen Boote machen kleine Wellen, über die das Jetski springt – wir haben großen Spaß. Es ist jetzt kurz vor Silvester in Deutschland, und wir machen uns anschließend auf zu einem Mexikaner zum Abendessen, bevor der Lockdown greift. Die Burritos sind so fleischlastig, dass selbst Eugen sie kaum essen kann, sodass ich auf dem Heimweg zum Nachtisch noch ein „Bunuelo“ bekomme: Einen frittierten Teigball mit Käse drin. Eine der vielen köstlichen frittierten Spezialitäten hier. 

 

Unser Gastgeber hat uns zu einer kleinen Silvesterparty in einem befreundeten Hostel ein paar Meter die Straße runter eingeladen, und wir beschließen nicht ganz Lockdown-konform doch zumindest mal vorbeizuschauen, auch wenn wir eh um 22 Uhr müde werden. Da quatschen wir eine Weile mit einem netten britischen Pärchen und ein paar kolumbianischen Touristen, unter anderem Davide, einem 22Jährigen Bogotaner, dessen größter Traum ist, nächstes Jahr als Au Pair nach Deutschland zu kommen. Er hat sich selbst schon ziemlich gut Deutsch beigebracht und ist eine herzensgute Seele. Das Geld fürs Studium verdient er sich als „Teacher and Nurse“. Bezeichnenderweise erzählt er, dass er im Kreißsaal als Helfer eingesetzt wurde, und somit die erste nackte Frau, die er jemals (!) sah, eine Gebärende war. Könnte noch etwas Therapiebedarf nach sich ziehen, die Geschichte.
Wie geahnt verabschieden wir uns gegen 10, stellen aber schnell fest, dass an Schlaf nicht zu denken ist, weil all unsere Nachbarn laute Musik laufen haben. Lockdown hält hier niemanden vom Feiern ab. Und so erleben wir Mitternacht doch noch, sind aber nicht mal motiviert unsere Flasche Rotwein aufzumachen, sondern quatschen nur noch ein bisschen und schlafen dann.

 

2021 beginnt damit total ausgeschlafen und unverkatert, auch mal schön. Wir haben Obst und Müsli, müssen aber leider feststellen, dass das Müsli krabbelt. Aber: Glücklicherweise hat einer der Supermärkte im Ort einen Roller-Lieferservice, der uns per Whatsapp-Bestellung eine neue Packung Müsli bringt. Den Tag verbringen wir mit Netflix und Reiseplanung. Mittags kriegen wir sogar Pizza geliefert. Ich mache noch einen von unserem Gastgeber empfohlenen kleinen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt auf dem Berg hinter dem Haus. Eugen ist ja unglaublich gut darin, einsiedlerisch tagelang zufrieden drinnen zu sein, aber ich brauche doch irgendwann Tageslicht und Bewegung. Zum Glück kassiert mich die Polizei nicht ein. Überhaupt ist dieser Lockdown entspannter als gedacht. Kinder spielen auf den Straßen, und Leute gehen spazieren. Es scheint eher drum zu gehen, große Familienzusammenkünfte zu verhindern.

 

Zum Monatsende machen wir auch immer einen kurzen Finanzcheck und schauen, was wir so ausgeben. Wegen des Kitesurfing-Unterrichts sind wir gerade etwas über Budget, aber alles in allem kommen wir gut hin. Unser Untermieter schreibt ab und an nette Nachrichten aus Berlin und scheint sehr happy mit unserer Wohnung zu sein. 

Neujahrsvorsätze setze ich mir keine. Nachdem ich mir letztes Silvester vorgenommen hatte, auch mal Nein zu sagen und nicht immer auf jeder Party tanzen zu müssen, und plötzlich das ganze Jahr alle Parties auf der ganzen Welt ausfielen, lasse ich das nun lieber bleiben.

Während ich das hier schreibe, steckt neben mir ein winziger Kolibri seinen Schnabel in rote und gelbe Blümchen, und neben mir auf der Bank sitzt ein netter grüner Grashüpfer und schaut mich interessiert an. 

Euch allen einen guten Start ins neue Jahr!

26.-29. Dezember 2020

Auch hier ist die Zeit zwischen den Jahren irgendwie ein entspanntes Niemandsland. Wir genießen immer noch unser schickes Hotel, liegen am Pool (selten), arbeiten (öfter) oder tun auch einfach mal gar nix (sehr oft). 

Zwei schöne Ausflüge haben wir aber gemacht, und zwar in den botanischen Garten und die Comuna 13, ein Stadtviertel mit besonderer Geschichte. 
Der botanische Garten ist richtig nett, man fühlt sich wie im Dschungel und kann die Großstadt außenrum fast (bis auf gelegentliches Gehupe) vergessen. Und es gab Riesenwarane (ähnlich wie die, die wir auf Curacao im Garten hatten) und Landschildkröten! Danach waren wir in einem kleinen, nur von Einheimischen besuchten Restaurant essen. Mit dem "Menu del Dia" (= Tagesessen) fährt man eigentlich immer gut, und die Kellnerin meinte es gäbe Chicken Soup. Überraschenderweise kam aber nach der Soup noch das Chicken und wir hatten viel zu viel zu essen (siehe Foto) - alles für etwa 3,50€ pro Nase. Und auch ganz lecker! Dazu wurde uns Tomatensaft versprochen - der war gelb und süß, sodass wir fragen, ob die Kellnerin sich vielleicht vertan und Mangosaft gebracht hat. Nein, meinte sie, das seien süße gelbe Baumtomaten. Was es nicht alles gibt.

Die Comuna 13 war mal eines der gefährlichsten Viertel Medellins, als hier der Drogenkrieg tobte. Anfang der 90er gab es hier mehr als einen Mord am Tag (!). Umso schöner ist es zu sehen, wie sehr sich die Lage hier gewandelt hat. Heute ist die Comuna 13 ein richtig schönes Wohnviertel am Hang mit ganz viel bunter Streetart, bunten Häusern und freundlichen Einwohnern. Man kann einfach durchspazieren. Viele der Jugendliche dort leben vom Tourismus und lernen Englisch extra um dann als Guide in ihrem eigenen Viertel arbeiten zu können. 
Ein Meilenstein in der Geschichte der Comuna 13 war der Bau von Rolltreppen. Das Viertel ist so extrem steil, dass früher alles nur über winzig kleine Treppchen zu erreichen war. Die Stadt hat dann eine Reihe von kleinen Rolltreppen hintereinander installiert, was das Ganze viel zugänglicher macht und sofort zu einem Rückgang der Kriminalität geführt hat. Es ist schön zu sehen, welche Fortschritte das Land macht (auch wenn Korruption immer noch ein riesen Problem ist). Kolumbiens Ruf in der Welt ist ja leider noch sehr geprägt von Pablo Escobar und Kokain, aber das wird dem Land nun wirklich nicht gerecht.

Unsere weitere Planung: Morgen machen wir eine Stadtführung, Donnerstag fahren wir nach Guatape, und am 5.1. kommen wir wieder nach Medellin, nur um am 6.1. dann weiterzureisen nach Leticia, eine Stadt am Amazonas, grenzend an Peru und Brasilien.

Hinter den Bildern vom Botanischen Garten und der Comuna 13 gibts noch nachträglich exklusive Auszüge eines Pärchen-Fotoshootings auf der Finca, zu dem wir einen armen Angestellten dort genötigt haben. :-)

23.-25. Dezember 2020

Zeit, sich von der Finca Los Arrayanes zu verabschieden. Katharina, unsere Gastgeberin, fährt uns zu einer Kreuzung, an der wir pünktlich vom Bus nach Medellin aufgesammelt werden. Generell verläuft hier vieles deutlich termintreuer, als ich das so erwartet hätte. Die Fahrt bietet nochmal schöne Blicke in tiefe Flusstäler und auf die Anden.
Wir fahren vom Busterminal in Medellin direkt in unser Hotel. Wir wohnen bis Neujahr kostenlos im Sheraton Hotel, weil ich noch ein paar letzte SPG-Punkte übrig hatte (zu irgendwas müssen 7 Jahre Unternehmensberatung ja gut gewesen sein... Für jede Übernachtung in den großen Hotelketten sammelt man Punkte, und wenn man genug gesammelt hat, kann man davon wiederum privat umsonst in den Hotels nächtigen.). 

Das Hotel ist echt nett, wir haben ein schönes Zimmer mit einem riesigen Bett, was besonders Eugen freut, weil die Betten hier nicht standardmäßig 2m lang sind, sondern manchmal auch deutlich kürzer. Das Hotel ist direkt neben einer Shopping Mall, sodass wir uns für den anstehenden Lockdown vorsichtshalber ein wenig Notverpflegung zulegen (es wird sich rausstellen - brauchen wir nicht). Abends gönnen wir uns nochmal eine Massage in Laureles, und gehen dann dort lecker Indisch essen in einem Restaurant, das mir eine Freundin empfohlen hat.

Den Weihnachtstag beginnen wir mit Sport im Hotelfitnessstudio. Während ich noch dusche, deckt Eugen (bzw. lässt decken) unten im Restaurant schon unseren Weihnachts-Frühstückstisch. Es mangelt uns an nichts - es gibt Rührei, allerhand Brötchen, Pancakes, Obst, Müsli, Joghurt und und und. Auch mal wieder eine schöne Abwechslung, und dank der Punkte alles umsonst. Dann springen wir einmal in den Hotelpool, den wir für uns alleine haben, und liegen ein bisschen in der Sonne.
Vormittags telefonieren wir noch schön mit Eugens Familie, und nach dem Mittagessen mit meiner. 

Da Kolumbien spontan einen Lockdown über die Feiertage beschlossen hat, und man ab Heiligabend 20 Uhr bis zum 26. um 6 Uhr sein Haus nicht verlassen darf, haben wir uns entschieden, an Heiligabend mittags groß Essen zu gehen, und zwar Peruanisch. Das Rocoto Restaurant enttäuscht nicht - hier bei uns im die Ecke in Poblado an einem Fluß mit ganz viel Palmen und sonstigem Grün gelegen genießen wir ein tolles Essen und den einen oder anderen Pisco. 
Zum Nachmittag wollten wir zum Parque del Rio, der scheinbar das Zentrum der ganzen opulenten Weihnachtsbeleuchtung hier in Medellin ist. Jeder noch so kleine Park hier ist weihnachtlich geschmückt, aber dieser Park soll die Krönung sein. Als wir ankommen, müssen wir aber leider feststellen, dass der Park aus Sorge vor zu großen Menschenansammlungen Corona-bedingt geschlossen ist. Keine Weihnachtsbeleuchtung an Weihnachten. Also fahren wir wieder heim und lassen es uns im Hotel Spa mit Sauna, Jacuzzi und Dampfbad gut gehen. 

Wir hatten eigentlich abgemacht, dass wir uns gegenseitig nichts schenken, hatten uns dann aber doch jeder eine kleine Kleinigkeit füreinander überlegt, und freuen uns über die kleine aber feine Bescherung. Statt des üblichen Fondues und Weihnachtsbaumguckens gibt es dieses Jahr für uns Room Service Abendessen und einen Weihnachtsfilm. Auch schön!

Am 25. gibts nach dem Sport wieder ein ausgiebiges Frühstück. Es ist total erstaunlich, wenn man in einer Stadt wie Medellin aus dem Fenster schaut, und kein einziges Auto auf der Straße sieht, wo sonst das totale Auto- / Bus- / Motorrad- / Fußgängerchaos herrscht. Wir dürfen heute umziehen in ein anderes Zimmer, eine Suite mit Wohn- und Schlafzimmer, zwei Bädern und Terrasse. So lässt sich der Lockdown wirklich gut aushalten. Mittags gehen wir wieder an den Pool, machen ein bisschen Reiseplanung und bestellen Takeaway von "Crepes & Waffles" - Essenslieferanten zählen hier zu den Systemrelevanten. Den Rest des Tages verbringen wir mit Arbeit, Netflix, und Sauna. 
Auch irgendwie was Besonderes, wenn so eine große Stadt mal so zur Ruhe kommt.

21.-22. Dezember 2020

Gestern Abend wurden wir für ein Special Event nochmal aus der Hütte gelockt. Wir lagen schon im Bett und haben klischeehaft und nichtsahnend die Netflix-Serie Narcos geschaut (über Pablo Escobar, sehr passend), als es an unsere Tür klopft und der alte Finca-Besitzer uns (mit Nachdruck) ans Lagerfeuer einlädt. 
Außer uns sind noch zwei andere Familien da, und der alte Herr hat einen Turm Holz in einer Feuerschale aufgebaut. Während er, natürlich auf Spanisch, Geschichten erzählt, die wir nicht verstehen, zündet er winzige Pappstückchen an und steckt die oben (!?) in seinen Holzturm. Witz der Sache scheint zu sein, dass es möglichst lange dauert, bis der Turm brennt. Sicher sind wir uns nicht, jedenfalls wird es kalt. Irgendwann hat er aber doch ein schönes Feuerchen entzündet, und jeder Touri muss sich kurz vorstellen und irgendwas erzählen. Dann werden Gefühle auf Zettel geschrieben und verbrannt. Fast wie ein Burn-Event! 

Am Montag machen wir nach dem Frühstück einen Ausflug zur Quelle des Rio Tarpato, den "Chorros de Tarpato". Unser Guide fährt uns und Hund Martin über Stock und Stein bis ans Ende eines Feldweges ins Nirgendwo. Von dort aus startet die kurze Wanderung, den Fluss entlang durch das wunderschöne Tal. Pferde und Mulis grasen auf dem Weg, Martin jagt sie ein wenig. Eugen und ich sind von Martin sehr begeistert, aber er lässt uns links liegen. Als wir der Flussquelle näher kommen und über ziemlich glatte Felsen klettern müssen, lässt Martin sich aber doch dazu herab, sich von Eugen auf die Felsen heben zu lassen, auf die er selbst nicht hochkommt.
Unser Ziel ist eine Kaskade aus mehreren spektakulären Wasserfällen, die tosend den Berg herabfallen und dazwischen kleine Pools bilden. In eines dieser natürlichen Becken springen wir kurz rein - eisig kalt! Unser Guide macht eifrig Fotos... Martin geht gezwungenermaßen auch kurz baden, findet es aber gar nicht sooo gut. Wir klettern bzw. laufen gemütlich wieder am Fluss entlang zurück. Den Nachmittag verbringen wir am Pool und mit Telefonaten.
Am Spätnachmittag bestellen wir uns ein Taxi nach Andes, das ist das nächstgrößere Dorf. Auch hier gibt es eine beeindruckende Kathedrale mit einem Vorplatz, auf dem man sich zu treffen scheint. Das Dorf ist sehr am Berg gebaut, und um das auszugleichen gibt es einen Fußgängertunnel, der zur Brücke wird, und ganz edukativ mit Luftbildern, Landkarten und Höhenprofilen der Gegend dekoriert ist. Wir latschen eine Weile rum und gehen dann Burger essen. 

Den Dienstag beginnen wir mit Yoga auf der Aussichtsplattform der Finca. Normalerweise treffe ich mich jedes Jahr kurz vor Weihnachten mit meiner Freundestruppe aus der Schulzeit. Für mich ganz praktisch - das Ganze findet dieses Jahr digital statt. Wir quatschen nach dem Frühstück zwei Stunden, Caro aus der gleichen Zeitzone wie wir, der Rest der Bande aus Deutschland und der Schweiz. Die Hälfte hat inzwischen quakende Kinder im Zoomcall dabei... 
Den Rest des Tages verbringen wir am Pool bzw. mit Spaziergängen über das riesige Grundstück. Eugen stellt sich instagram-tauglich unter den kleinen Wasserfall neben der Kaffeewaschanlage. Außerdem besuchen wir nochmal das maulige Pferd und die Ziegen, den Schmetterlingsgarten und die "Mythen und Legenden"-Ecke. Die haben hier eine Art Märchengarten gebaut, mit Tafeln auf denen Sagen geschrieben stehen, und Figuren aus Holz und Moos und allerhand Anderem dazu. Die meisten Sagen sind etwas düster (wenn unser bestes Spanisch uns nicht trügt), z.B. werden Ehebrecher hier angeblich von einer Waldfrau heimgesucht, die Feuer speit. Es ist Wahnsinn, mit wie viel Liebe diese ganze Anlage gestaltet ist. 

Abends fragt Katharina, die Tochter der Besitzerfamilie, ob wir sehen wollen wie "Panela" gemacht wird. Wir haben keine Ahnung wovon sie spricht, aber sagen natürlich enthusiastisch Ja. Ich dachte, sie führt uns in die Küche, aber wir steigen in ihr Auto und fahren ein Stück zu einem Handwerksbetrieb. Wir nehmen immer noch an, Panela sei ein Kuchen. Es stellt sich aber raus, dass es um Zuckerrohr geht. 
Wir dürfen miterleben, wie aus Stöcken von Zuckerrohr am Ende Rohzucker wird. Ich bin total fasziniert, dieses alte Handwerk in einem Familienbetrieb so erklärt zu bekommen. Ich hab ein etwas chaotisches Video dazu zusammengefügt, siehe unten - manchmal erklär ich sogar was dazu wenn ihr den Ton anmacht, manchmal gibts auch spanisches Radio. :-)
Das Ganze funktioniert so: Es gibt eine wasserbetriebene Mühle, mit der die Zuckerrohrstöcke so gequetscht werden, dass der Sirup extrahiert wird. Der fließt dann in ein Becken und wird erhitzt, über einem Feuer was aus den Überresten des Zuckerrohrs betrieben wird. Die Flüssigkeit wird schaumig, und wird immer wieder abgeschöpft ins nächste Kupferbecken, wo sie wieder erhitzt wird, bis irgendwann eine honigartige, karamellige, immer dicker werdende brodelnde Zuckersuppe übrig bleibt. Dann wird diese Masse auf eine Art Riesen-Backblech gekippt, weiter fleißig gerührt, bis sie auf genau die richtige Temperatur abgekühlt ist, um sie in kreisrunde 500g-Holzförmchen zu streichen. Da kühlt sie dann weiter ab, wird dabei hart, und wird am Ende verpackt. 
Wir dürfen probieren: Schmeckt süß und leicht karamellig. Ich habe jetzt schon tausend Ideen, was man alles Tolles damit backen könnte. Wir kriegen auch jeder einen eigenen Brocken geschenkt. Ich würde das Zeug am liebsten nach Deutschland exportieren.

Auf der Heimfahrt zur Finca kommt Eugen eine wilde Idee. "Du meintest doch, dir fehlt das Plätzchen backen..."
Und eh ich mich versah, hat er mit den Finca-Leuten ausgemacht, dass wir nach dem Abendessen die Küche überlassen bekommen und Plätzchen backen, mit Panela. Der Druck ist groß, ich suche das einfachste Mürbeteig-Ausstecherle-Rezept raus, und bin erleichtert, dass ich nicht mit Maismehl arbeiten muss... Es gibt Eier, Mehl, Butter, Panela und sogar ein wenig dunkle Schokolade. Damit kann ich arbeiten!
Eugen hilft und schneidet fleißig Weihnachtsbäumchen aus dem Teig aus. Die süße Finca-Oma kommt sogar im Schlafanzug nochmal in die Küche, als sie die Plätzchen riecht, um zu schauen was da so passiert. Nach vollbrachtem Werk laufen wir stolz mit einer Platte "Galetas de Navidad" übers Gelände und verteilen Plätzchen an alle Angestellten und Gäste. Ich bin so glücklich, dass Eugen das angezettelt hat!

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18.-20. Dezember 2020

Freitag früh packen wir unsere Sachen und ziehen aus unserem schönen Apartment aus. Bis zur Abfahrt in die Berge sitzen wir nochmal in meinem Lieblingscafé, weil ich ein Online-Meeting mit den Mädels von meiner Coaching-Ausbildung habe. Dann machen wir uns auf zum Busterminal im Süden Medellins und nehmen ein Collectivo, einen 8-Sitzer, der uns in die Anden bringt, passenderweise in eine Stadt namens Andes. Die Fahrt bietet spektakuläre Aussichten (und Kurven), und nach ca. 3h sind wir da. Einer der Mitfahrer ist ein lustiger Amerikaner namens Kash, der mit seinem kolumbianischen Tinderdate, das er seit 3 Wochen kennt, in die Berge fährt. Er gibt uns allerhand Tipps für Medellin und Ecuador. Das letzte Stück nehmen wir ein Taxi bis zu unserer Finca.

Die Finca war ein Tipp unserer Berliner Freunde Ross und Allison und ist der absolute Wahnsinn (https://fincahotelarrayanes.com/, aber die Website wird der Realität so gar nicht gerecht). Eine Kaffeefarm in x-ster Generation, betrieben von einer unbeschreiblich freundlichen Familie. Die ganze Anlage ist mit Liebe zum Detail gestaltet. Die Vegetation ist der Hammer, unser Hüttchen ist auch nett und es gibt Hunde, Katzen, sprechende Papageien, ein Pferd, ein Muli, Hühner, Ziegen, einen Schmetterlingsgarten und noch vieles mehr. Und natürlich: Den besten Kaffee, den ich je getrunken habe!

Die Finca liegt an einem Fluss mit Badestelle. Es gibt einen kleinen Wasserfall, unter den man sich stellen kann, und kleine Sitzplätze, die extra für Fußbäder gedacht sind, an einem Flußableger. Außerdem einen schönen Pool, Springbrunnen, überall kleine Rückzugsorte wo man sich hinsetzen kann, eine Art Gewächshaus, Mandarinenbäume überall, die man direkt abernten kann - paradiesisch. Wir haben's mal wieder gut getroffen.

Am nächsten Morgen beim Frühstück werden wir eingeladen zu einer Kaffee-Führung, gemeinsam mit einer spanischen Familie, die mit drei Generationen hier gerade Urlaub macht. Einer von denen ist Halbamerikaner und übersetzt dankenswerterweise, wenn wir nicht mitkommen. Wie sich rausstellt, hat er ein interessantes Business: er exportiert Medical Marihuana, unter anderem an die Berliner Charité. 
Die Führung macht das Oberhaupt der Besitzerfamilie, ein süßer alter Herr, der mit aller Leidenschaft Kaffeefarmer ist. Er erklärt uns, wie Kaffee gepflanzt, geerntet, gewaschen, gepellt und sortiert wird (die Guten ins Töpfchen...). Für 1kg Kaffee bekommt er ungefähr 2€. Alles funktioniert nachhaltig - die Kaffeeschalen dienen als natürlicher Dünger und als Brennmaterial für die Trockenmaschine, Chemie gibt es hier nicht. Und der Kaffee ist sooo lecker!

Wir liegen erst ein bisschen am Pool und fahren nachmittags nach Jardin, ein Bergdorf das für seine bunten Häuschen und seine Kathedrale bekannt ist. Überall hängt bunte Weihnachtsbeleuchtung. Weil Samstag ist sitzen überall Leute aller Altersklassen auf den Plätzen vor den Bars und trinken gemütlich Kaffee, Bier oder Rum (vielleicht tun sie das auch jeden Tag, man weiß es nicht genau). Wir tun es ihnen gleich. Ein Tuktukfahrer fährt uns für ein paar Pesos ein bisschen durch die Gegend, und wir erkunden das Dorf noch eine Weile zu Fuß. Zum Abendessen landen wir bei "Bon Appetit", was eine wilde Mischung aus Italiener und Thai ist (ich kriege Nudeln aus dem Wok mit Sojasoße und Mozzarella). 
Als es dunkel wird, erstrahlt die Kathedrale komplett in bunten Lichtern, und auch der ganze Vorplatz ist weihnachtlich beleuchtet. 
Als wir heimkommen, will man uns noch überreden, in die Finca-eigene Bar zu gehen und zu tanzen - wir sind eigentlich müde und schleichen uns heimlich davon. Alles sehr familiär hier, man kann dem Programm schwer entkommen... Aber auch total nett. 

Der Sonntag beginnt eher verregnet. Wir frühstücken ausgiebig (und meditieren auf Felsblöcken im Fluss sitzend, ziemlich cool) und nutzen die Zeit dann für Arbeit und Telefonate. Zwischendrin besuchen wir das Pferd (es mag mich nicht, aber ich glaube es mag niemanden) und quatschen mit den Papageien. Und es gibt Kolibris! Auch bei Regen ist dieser Ort toll, mit den hohen Bergen um uns herum, urwaldartigen Bäumen in allen Grüntönen, riesigen Blumen und dem Rauschen des Flusses vor der Haustür.

--- Oben Bilder von der guten Kamera, unten Handyfotos. :-) ---

17. Dezember 2020

Ausflugstag! Nach ein bisschen Arbeit machen wir uns auf in Richtung Parque Arvi, einem Naturschutzgebiet auf einem Berg oberhalb Medellins. Per Uber gehts zur Talstation der Seilbahn, die da hochfährt. Medellin liegt in einem Talkessel und wuchert quasi zu allen Seiten die ziemlich hohen Berge hoch. Deshalb hat die Stadt irgendwann einige Seilbahnen gebaut, sodass man jetzt mit Gondeln den Berg hochkommt, wie beim Skifahren. Es gibt wahnsinnig viel zu sehen während der Fahrt. Wir schweben über verschiedenste Wohnviertel (siehe Videos unten), anfangs noch mit einfachen aber stabilen Häusern aus unverputzten Ziegeln, je höher man kommt desto mehr wird's Wellblech. Aber überall gibt's Spielplätze, Fußballplätze, fröhliche Musik, buntes Treiben und Weihnachtsdeko. Irgendwann wird die Besiedelung dünner und die Landschaft wandelt sich zu Urwald. Die Gondel fährt immer tiefer in den Wald, der hier schon sehr nach Dschungel aussieht.

Oben angekommen kaufen wir erstmal an ein paar kleinen Ständen was zu Essen, und ich kriege einen Poncho (kälter als erwartet dort oben). Gegen Eintritt dürfen wir eine Runde auf einem Trampelpfad durch den Dschungel drehen. Superschön, plötzlich aus der Stadt so tief in der Natur zu sein. Es gibt alle möglichen coolen Pflanzen mit riesigen Blättern, überall hängen Lianen, und Orchideen blühen.

Runter fahren wir wieder mit der Gondel und nehmen dann mal die Metro. Der ÖPNV in Medellin funktioniert ganz gut. Wieder zuhause angekommen machen wir nochmal Reiseplanung - wir müssen morgen hier aus unserer Wohnung und hatten schon ein neues Apartment gefunden, was aber heute spontan abgesagt hat.
Kein Problem - wir werfen kurzerhand unsere Pläne über den Haufen und beschließen, morgen schon aufs Land zu fahren (in die Kaffeegegend, auf diese Finca). Da werden wir bis zum 23.12. bleiben, und dann kommen wir nochmal eine Woche nach Medellin zurück, wo wir Weihnachten und Silvester verbringen wollen. 

Am Abend kommt die Abenteuerlaune - ich hab euch ja im gestrigen Eintrag von Mondongo erzählt... Heute ist es soweit! Wir machen einen kleinen Spaziergang und wagen uns dann zu Mondongo's. Man sitzt schön mit Blick aufs bunte Treiben in Laureles. Eugen ist ein Held, er traut sich tatsächlich und bestellt die Mondongo-Suppe. Ich bleibe bei gegrilltem Hähnchen. Der Kellner stellt uns den Tisch mit allem Möglichen voll: Reisbrötchen, Guacamole, Tomatensalsa, Reis, Pommes, Avocado, Bananen, sonstige Soßen. Eugen kriegt zu seiner Mondongo noch ein Stück Bacon, das 3cm dick ist und ungefähr 1kg wiegt. Er kämpft sich auch tapfer durch seine Innereien-Suppe, scheint gar nicht sooo schlecht zu sein.
Wo wir schon bei der Völlerei sind, beschließen wir uns auch noch zwei Desserts empfehlen zu lassen: Torta Napoletana und das allgegenwärtige Milo. Der Kellner stellt uns darauf hin zwei Nachtische noch in ihrer Supermarktverpackung hin. Man ist hier mehr so aufs Fleisch fokussiert. Trotzdem lecker. Wir sind pappsatt und rollen uns nach Hause. Gute Nacht!

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16. Dezember 2020

Yoga, Arbeit, Mittagessen bei Saludpan, dann wieder Arbeit (Eugen von zuhause, ich aus einem Café). Wir sind echt Gewohnheitstiere. Zum Feierabend gönnen wir uns dekadent jeder 90min Massage - herrlich (für 15€ pro Nase)! Mein Spanisch ist ja leider noch nicht so berühmt, daher gab's erst etwas Verwirrung, weil Google Translate "freie Termine" mit "gratuitas" übersetzt, ich also nach kostenlosen Massageterminen gefragt habe...
Abends gehen wir Pasta essen, man kann auch nicht jeden Tag Empanadas haben.

Die Ernährung der Kolumbianer, zumindest hier in der Stadt, ist überhaupt interessant. An jeder Ecke gibt es Perro (= Hund, also Hot Dog) für ca. 30 Cent. Ansonsten viel Empanadas und Arepas, also frittierter Teig, am besten mit Käse. Und Pizza und Burger überall. Softdrinks sind auch sehr beliebt - man wundert sich nicht, dass ein Großteil der Bevölkerung übergewichtig ist. Amerika lässt grüßen.
Eine Spezialität, die uns vielfach empfohlen wurde, an die wir uns aber noch nicht rangetraut haben, ist Mondongo. Mondongo ist scheinbar eine Suppe mit Kuhmagen, der wiederum mit Schweinefleisch gefüllt ist. Wer könnte da widerstehen?! Es gibt sogar eine eigene Mondongo-Fastfoodkette, vor der sich regelmäßig eine lange Schlange bildet. Mal sehen ob Eugen sich irgendwann mal traut das Zeug zu probieren - ich bin raus.

Wir haben heute ein wenig Reiseplanung betrieben: Freitag ziehen wir um in ein anderes Apartment hier in Medellin im selben Viertel, und bleiben auch über Weihnachten hier. Nach Weihnachten fahren wir in ein paar Dörfer hier im Umland, die teilweise schöne bunte Häuschen haben und toll an Seen liegen (Guatape) bzw. im Kaffee-Anbaugebiet sind (Jardin). Zeit für ein bisschen Natur.
Danach machen wir einen Ausflug ins Amazonas-Gebiet. Ich war 2016 schonmal in Brasilien am Amazonas auf so einer Dschungeltour und freu mich schon, wieder Faultiere & Co. zu sehen. 

Wir stellen immer wieder fest, dass wir ja Zeit haben. Es ist so schön, gar nicht weit vorausplanen oder mit begrenzten Urlaubstagen haushalten zu müssen. Deshalb buchen wir möglichst wenig vor - um die Freiheit zu haben, einfach da zu bleiben, wo's uns gefällt. 

12.-15. Dezember 2020: Einleben in Medellin

Wir fühlen uns von Anfang an wohl hier. Ich wollte ursprünglich mal ins Touri- und Party-Viertel El Poblado ziehen, aber Eugen hat weise entschieden und uns ein Zuhause in Laureles gesucht, einer etwas ruhigeren Wohngegend mit ganz vielen netten kleinen Cafés, Parks und Restaurants.
Wir haben einiges an Arbeit aufzuholen und verbringen die Vormittage daher am Laptop. Wie in Berlin auch arbeite ich gerne aus einem Café weil ich ein bisschen Trubel um mich rum ganz gerne mag, und hab hier direkt den perfekten Ort gefunden: Das Café Naturalia bei uns um die Ecke, in dem ich jetzt oft sitze. Die ersten Tage machen wir viele Spaziergänge durch die Nachbarschaft. Es gibt eine lustige Eisdiele, die einem Eis aus allen möglichen Zutaten zusammenmischt. Unseren Lieblingsort fürs Mittagessen haben wir auch schon: Saludpan, was ein Mittagsmenü mit Suppe, gesundem Hauptgericht, Saft und Nachtisch für ca 4€ anbietet.

Bei einem Ausflug zum Obst- und Gemüsemarkt (wir sind auf der Suche nach der Brotfrucht) zahlen wir für ein paar Tomaten und Zwiebeln ca 0,18€. Man kann hier wirklich günstig leben.

Samstag Abend waren wir sogar feiern in einem Club mit elektronischer Musik in El Poblado - natürlich mit Masken und mit Abstand. Der Club hätte auch in Berlin sein können, und die Leute verhalten sich ähnlich. :-)

Generell gilt auch hier: Mit Corona wird gefühlt besser umgegangen als in Deutschland. Alle tragen Masken, an jedem Supermarkteingang wird Temperatur gemessen und man muss sich die Hände desinfizieren. Maskengegner sind in der absoluten Minderheit. Wir fühlen uns hier insgesamt sehr sicher.

Medellin wird auch die "Stadt des ewigen Frühlings" genannt. Das Klima ist wunderbar, jeden Tag ca. 27 Grad und Sonne mit ein paar Wolken, Nachts etwa 18 Grad. Perfekt für uns. Alles ist schön begrünt und jetzt sogar weihnachtlich geschmückt. Wir können uns vorstellen, hier bis nach Weihnachten zu bleiben.

Heute (Dienstag) haben wir einen Ausflug auf einen Berg mitten in der Stadt gemacht, Pueblito Paisa. Auf dem Berg ist ein kleines traditionell kolumbianisches Dorf nachgebaut, und man hat einen sehr schönen Ausblick über die ganze Stadt. Aber der Weg da hoch was ganz schön anstrengend!

Blick aus unserem Fenster

Weihnachtsbeleuchtung in El Poblado

Die Uni ist um die Ecke, und es gibt überall Radwege!

Die Kolumbianer sind große Fans von Milchshakes. Wir auch.

Mein Lieblingscafé

Straßendeko bei uns um die Ecke

Gemixtes Eis

Blick vom Pueblito Paisa

Auf dem Weg auf den Berg

Pueblito Paisa


Pueblito Paisa


Pueblito Paisa

Mehr Bilder aus Cabo von Eugens guter Kamera!

Mein Kitelehrer Chamo

Unser Häuschen

Nachbarsjungs

Windig :-)

Blick aus unserem Fenster

9.-11. Dezember 2020: Cabo de la Vela nach Medellin

Wir sind total im Rhythmus von Tawi (was sowohl der Name unseres Camps wie auch der Spitzname von Eigentümer Jorge ist) angekommen. Die Tage sind geprägt von einer unbeschreiblichen Ruhe. Die Landschaft schafft eine ganz besondere Stimmung. Die Wüste und wilde Steinformationen gehen in den Ozean über, es gibt nichts außer ein paar Hütten der Wayuu und Ziegenherden. Die Sonnenaufgänge, -untergänge und der Sternenhimmel sind unbeschreiblich. Der Wind scheint den Gang der Zeit zu bestimmen. Alles ist "muy tranquillo“, sehr ruhig und entspannt. 

 

Wir sind inzwischen die einzigen Gäste und fühlen uns als Teil der Familie. Ich wache eines morgens mit einer leichten Augenentzündung auf (Sonnencreme, Salzwasser und das Starren nach oben in die Sonne beim Kiten...), und kurzerhand bastelt mein Kitelehrer Chamo meine Sonnenbrille mit einer Schnur an meinem Kite-Geschirr fest, damit ich sie während des Übens anlassen kann. Weil mir beim Kiten immer meine Haare ins Gesicht klatschen, verbringt Mailin einen Vormittag damit, mir ein Haarband zu häkeln. Die Wayuu-Frauen sind für ihr Handwerk bekannt, vor allem Taschen und Hängematten. Alle sind einfach wahnsinnig bemüht und freundlich.

 

Eines Abends spricht uns beim Sonnenuntergangs-Spaziergang ein junger Mann an, Brando, und fragt, ob wir schon beim Pilon de Azucar (= Zuckerhut, ein spitzer Berg in der Nähe von Cabo) und der Playa del Pilon waren. Er bietet an, uns am nächsten Morgen hinzufahren. Da wir gerne auch noch ein bisschen was von der Umgebung sehen wollen, machen wir den Ausflug mit ihm. Er sammelt uns morgens nach dem Frühstück ein, und wir fahren eine Viertelstunde durch die Wüste. Er zeigt uns einen eindrucksvollen Felsstrand und klettert mit uns auf den Zuckerhut, auf dem eine kleine Jungfrauenstatue steht. Die Aussicht ist klasse, man sieht die Weite der Wüste, eine Salzlagune, unser Camp, verschiedene Strände und das Meer. 

Danach fährt er uns zu einem wunderschönen gelben Sandstrand in einer Felsbucht, wo wir baden gehen. Dann gehts zurück über Stock und Stein. 

 

Wir waschen unsere Wäsche in der „Wäscherei“ von Tawi, einem kleinen Verschlag mit ein paar Bottichen und einem Waschbrett. An die Einfachheit des Lebens haben wir uns schnell gewöhnt, und wir lernen sogar beide, in einer Hängematte zu schlafen. 

Im Innenhof unserer Hütte spannt eine ziemlich große Spinne unermüdlich jede Nacht wieder ihr Netz quer rüber, sodass wir nicht mehr an unsere Wäscheleine kommen. Eugen hängt das Spinnennetz vorsichtig um, und Spinni kapiert irgendwann, dass unsere Eingangstür kein guter Ort für tragende Haltefäden ist. Ich hab sie irgendwann als Haustier akzeptiert und keine Angst mehr vor ihr.

 

Am letzten Tag bin ich mit meinen Kite-Künsten so weit, dass ich in beide Richtungen ein gutes Stück fahren, ein bisschen die Richtung beeinflussen und manchmal sogar die Richtung wechseln kann. Ich habe auch nicht mehr so viel Respekt vor dem großen Drachen wie anfangs (das Ding entwickelt ganz schöne Kräfte), sondern kann ganz gut damit umgehen. Ziel erreicht!

 

Freitag früh um 6 holt uns Carlitos, ein Freund von Jorge, mit seinem Pickup ab, um uns nach Uribia zu fahren. Es steigen noch diverse andere Leute zu, auch auf die Ladefläche, und es ist kuschelig eng. Die Buckelpiste überstehen wir ganz gut, und in Uribia hat Carlitos uns auch gleich eine Weiterfahrt organisiert. Uribia ist eine wahnsinnig wuselige Wüstenstadt. Alles ist voll mit kleinen Läden (vornehmlich Autoreifen und bunter Garn), Rikscha-Fahrern und Straßenverkäufern. Unser nächster Fahrer setzt uns in Riohacha in einer Shopping Mall ab, in deren Cafeteria wir die Zeit bis zu unserem Abflug totschlagen (leider sind auch kolumbianische Barbiepuppen weiß und blond...).

Mit Zwischenstop in Bogota, in dem wir uns Poke Bowls und Crepes gönnen nach all dem Fisch und Reis, landen wir Abends gut in Medellin. Schon der erste Eindruck ist top: Unser Uber-Fahrer ist wahnsinnig nett und gibt uns viele Tipps, und die Skyline der Stadt leuchtet beeindruckend an den Berghängen. Unsere Unterkunft ist ein kleines Apartment im Viertel Laureles. Eugen hat mal wieder gut ausgesucht: Wir haben alles, was wir brauchen. Sogar eine Waschmaschine mit integriertem Trockner! Wir fallen kaputt aber glücklich ins Bett. 

05.-08. Dezember 2020: Bogota nach Cabo de la Vela

Samstag früh wachen wir auf, packen unsere Sachen und steuern ein Frühstückscafé in Bogota an, das uns eine Freundin empfohlen hat. La Puerta Falsa ist eine Institution und schon über 100 Jahre das beste Café am Platz. Der Platz, Plaza Bolivar, ist eindrucksvoll gesäumt vom Justizpalast, dem Kapitol, diversen Regierungsgebäuden und der Kathedrale. Wir bestellen traditionell kolumbianisches Frühstück: Eine heiße Schokolade mit Butterbrötchen und einem Stück Käse. Den Käse tunkt man in die Schokolade – andere Länder, andere Sitten, aber es schmeckt gar nicht so schlecht wie es klingt. Dazu Rührei und Dulce de Leche, eine Art Pudding. Nach dem Frühstück erledigen wir letzte Einkäufe für unseren Trip in die Wüste. 

 

Am Flughafen sind wir (nach den Erlebnissen in Aruba...) überrascht von der Freundlichkeit und Effizienz bei der Airline Avianca und landen pünktlich in Riohacha. In der Reihe uns gegenüber sitzt auf dem Flug ein riesiger plüschiger weißer „Emotional Support Dog“. 

 

In Riohacha angekommen folgen wir den Instruktionen unseres Kitelehrers und nehmen ein Taxi zu einem Platz, von dem aus wiederum andere Sammeltaxis nach Uribia fahren. Wir verhandeln den Preis - wegen Covid kann der Fahrer das Auto nicht voll machen und verlangt damit schonmal das doppelte, 60k COP (etwa 14€) für die anderthalbstündige Fahrt nach Uribia. Wir willigen ein. In Uribia sagt er dann, 90k COP seien doch ausgemacht gewesen – wir haben keine Wahl. Passiert. 

 

Uribia ist eine Wüstenstadt, und wir stehen an einer Kreuzung, an der angeblich Jeeps nach demselben Sammelprinzip fahren. Wenn sie voll sind (mit Touristen, Hühnern, Reis oder sonstigem), dann gehts los nach Cabo de la Vela. Blöd nur, dass wir heute die einzigen Touris weit und breit sind. Wir warten eine Weile. Eugen freundet sich mit einem kleinen fußballbegeisterten Jungen an, während ein Mädchen des Wayuu-Stammes, das weder Englisch noch Spanisch spricht, glückselig meine Haare streichelt. Wir quatschen eine Menge Leute an, ob sie nicht heute noch nach Cabo de la Vela fahren, aber außer zwei relativ kleinen Jungs, die anbieten uns auf ihren Motorrädern mitzunehmen (was wir dann doch lieber ausschlagen), kann uns keiner mitnehmen. 

 

Ich sehe uns schon in Uribia übernachten, als ein weiterer Jeep anhält. Fahrer Micele sagt, er fährt mit Frau und Kind heute noch nach Cabo und kann uns mitnehmen. Der Preis ist mit 100k COP auch okay. Puuh! Nach einer weiteren Weile warten (man lehrt uns hier Geduld) gehts los. Nach ein paar hundert Metern fällt Eugen auf, dass er seine Pullis in einem anderen Jeep hat liegen lassen, wir kehren um. Dabei kommen wir in eine Polizeikontrolle, die unseren Fahrer nach Waffen und Drogen durchsucht, und dann unsere Pässe sehen will. Mit der Preisfrage „What’s your name?“ „Julia“ „Ok“ kriegen wir sie wieder zurück und dürfen weiter. 

 

Die anderthalbstündige Fahrt von Uribia nach Cabo de la Vela geht über Stock und Stein und nur mit Allradantrieb. Es wird dunkel und gefühlt fährt Micele einfach querfeldein durch die Wüste, aber er scheint zu wissen, wo er hin will. Seine Playlist enthält Touri-freundlich neben ACDC auch einen Beethoven-Remix, Katy Perry und Gigi D’Agostino. Seine Frau Milady ist auch sehr nett und schenkt uns Lollis, während ihr Sohn auf ihrem Schoß schläft, trotz der Ruckelpartie. 

Micele gehört ein Hostel in Cabo, wo wir kurz beim Sachen ausladen helfen, bevor er uns bei unserer Unterkunft absetzt: Tawi Kite etwas außerhalb vom Örtchen Cabo. Dort nimmt uns Jorge, der Besitzer, freundlich in Empfang, zeigt uns unsere Hütte und trinkt ein kaltes Bier mit uns. Die Küchenfee Mailin, Jorges Schwester, kocht uns sogar noch was zu essen. Eugen kriegt eine fette Languste und ich Pommes mit Käse. Ich sehe schon, Vegetarier sein wird hier schwierig. Aber so ist das eben. 

 

Unsere Hütte ist „luxuriöser“ als gedacht, aus Kaktusholz sogar mit Boden, mit einem Bett und einer Hängematte und sogar einem eigenen „Badezimmer“. Das besteht aus einer Außendusche, aus der (zu bestimmten Zeiten) ein Rinnsal Süßwasser kommt, und einer Toilette, in die man Salzwasser aus einem Eimer kippt. 

Bevor wir ins Bett fallen bestaunen wir eine Weile den Sternenhimmel und die Weite. Direkt vor uns ist das Meer, hinter uns die Wüste. Die Sternenkuppel lässt uns an Afrikaburn denken. Der Ort fühlt sich magisch an. 

 

Morgens wachen wir zu einem spektakulären Sonnenaufgang auf. Ab hier ähneln sich nun die Tage. Ab 7 Uhr gibt es Frühstück: Rührei mit Arepas (Maisteigfladen) und Banane, dazu starker schwarzer Kaffee. Dann heißt es warten, bis der Wind kommt. Wir meditieren viel, lesen oder hören Hörbücher. Zwischen 11 und 1 kommen unsere Kitelehrer und geben das Signal, dass es nun losgehen kann. Ich habe den einzigen englischsprachigen Kitelehrer hier weit und breit bekommen, Chamo. Chamo kommt aus Venezuela und ist nun schon seit 9 Monaten hier in Cabo. Er war auch schonmal auf Fehmarn zum Kiten. 

 

Eugen war ja schonmal kitesurfen und kriegt deshalb seinen eigenen Lehrer. Für mich gehts erstmal mit einer Einführung in „Kite Control“ los, und das ist schon gar nicht so einfach. Am zweiten Tag gelingt es mir zum ersten Mal, ein bisschen auf dem Bord zu stehen. Aber es macht Spaß! 

 

Für die Wayuu, in deren Stammesgebiet wir hier sind und zu denen auch unser Gastgeber Jorge gehört, ist der Wind heilig. Das passt ganz schön zum Kitesurfen. Richtungen werden bei den Wayuu auch nicht in rechts oder links oder Süden oder Osten angegeben, sondern danach wie der Wind gerade weht. 

 

Jeden Morgen gegen 6 kommen die Fischer rein, und Jorge seziert den „Catch of the Day“, während das halbe Dorf zuschaut. Es wird einfach so viel gefischt, wie wir hier für alle Bewohner von Tawi brauchen. Manchmal gibt es 5 Langusten, manchmal eben nur 2, dafür mehr Fisch. Eugen probiert sich durch alles durch. Wir sagen der Küchenfrau immer morgens, was wir den Rest des Tages essen wollen. Meine Auswahl sind Reis, Linsen, manchmal Salat (wenn der Gemüsemann da war), Arepas, Kochbananenpfannkuchen und Pommes. Vielleicht schlachtet sie mir in den nächsten Tagen auch mal ein Huhn, mal sehen. 

 

Im Moment sind außer uns noch ein kolumbianisches Pärchen aus Medellin, das sich die ganze Zeit streitet, und ein Holländer und ein Ami hier. Alle vier reisen aber scheinbar morgen ab, sodass wir Tawi dann für uns haben. Wir wollen so lange bleiben, bis ich in der Lage bin, ohne Lehrer zu kitesurfen. Das kann sich nur noch um Monate handeln. J 

 

Die Stimmung hier ist wirklich einzigartig. Man lebt sehr einfach, aber total im Einklang mit der Natur. Alles passiert sehr langsam und einfach zu seiner Zeit. Es gibt kein Wlan, und Strom nur über ein paar wenige Solarzellen. Wir haben keine Steckdosen, sondern geben unsere Geräte an Jorge zum Laden, der Herr über die irgendwo versteckte einzige Steckdose ist. 

 

Bilder werden wir also erst hochladen können, wenn wir wieder in der Zivilisation sind. Und wann und wo das sein wird, lassen wir gerade mal ganz entspannt offen. Mal sehen, wie der Wind steht. 

04. Dezember 2020: Bogota

Wir wachen ausgeschlafen mückenfrei auf (auf den ersten beiden Bildern seht ihr unser Haus) und streifen um 7 Uhr durch das Viertel auf der Suche nach einem offenen Café mit Wlan. Das ist gar nicht so leicht, aber wir finden einen Kaffee-Kette mit wunderbarem Wlan, frühstücken dort und erledigen ein paar Arbeitssachen. Außerdem rufen wir unsere Familien an. Auch hier nochmal: Happy Birthday Papa, es war schön euch zu hören und sehen!

Umd halb 11 haben wir eine Verabredung mit Mike von Bogota Bike Tours (der Typ mit dem Hut auf den Bildern), mit dem ich 2017 schonmal eine Fahrrad-Stadtführung hier gemacht habe, die super war und von der ich dachte, dass sie auch Eugen sehr gefallen wird. Und es hat auch wieder richtig Spaß gemacht. Bogota ist erstaunlich fahrradfreundlich, es gibt viele Radwege, einige Parks und man sieht viel mehr als zu Fuß. Mike hat uns einige historische Gebäude gezeigt, verschiedene Stadtviertel erklärt und etwas Hintergrund zu den politischen Konflikten der letzten Jahre in Kolumbien gegeben. Außerdem haben wir viel Streetart und auch das Rotlichtviertel gesehen. Das Highlight aber waren zum Einen ein Markt, auf dem an zahlreichen Ständen unendlich viel frisches Obst und Gemüse verkauft wird. Wir durften alles Mögliche probieren, von der Passionsfrucht über süße Tomaten, Physalis, verschiedenste Sorten Mango bis hin zu vier verschiedenen Arten Avocado und zig anderen Sachen, deren Namen ich mir nicht merken konnte. Zum Anderen haben wir eine Kaffeerösterei gezeigt bekommen und durften besten kolumbianischen Kaffee probieren, mit Gebäck aus einer kleinen Bäckerei dazu. Köstlich!
Bogota ist wahnsinnig vielfältig. Neben dem Studentenviertel mit kleinen bunten Häuschen, in dem wir wohnen, waren wir in Downtown mit ganz vielen Hochhäusern, in schicken Wohngegenden mit englisch aussehenden Backsteinhäuschen mit ganz viel Grün dazwischen, in armen und reichen Gegenden und haben jetzt einen ganz guten Überblick über die Stadt. Die Aussicht ist auch oft toll weil Bogota auf einer Hochebene liegt und am Ostrand von hohen Bergen umgeben ist. 
Alles ist sehr wuselig, es ist überall viel los. Aber auch hier: Bisher waren alle Leute sehr freundlich. 

Nachmittags erreicht uns die Nachricht von unserem Geschäftspartner Heinrich: Unser erster Onlinekurs ist live! Darauf trinken wir ein Corona-Bier zu dritt per Videocall. Zum Abendessen wünscht Eugen sich Burger und sucht ein grandioses Restaurant in einem anderen total schönen Stadtteil aus, wo wir es uns zur Feier des Tages gut gehen lassen mit Wagyu Beef und Rotwein (inklusive zahlreicher Beilagen landen wir bei ca. 30€...).
Viele Fotos heute aber es war auch einfach ein klasse Tag mit vielen Erlebnissen!

Es ist übrigens auch jetzt schon wahnsinnig wertvoll, dass Eugen sich auf Spanisch verständigen kann. Er kann mit allen Leuten einen kleinen Plausch halten, während ich zwar meistens grob verstehe worum es geht, aber leider keinen geraden Satz bilden kann. Ich bin sehr motiviert, an meinem Spanisch zu arbeiten!

Wir reisen morgen weiter in ein winziges Dörfchen an der Nordküste namens Cabo de la Vela. Dort wird es vermutlich wenn überhaupt nur sehr schlechtes Wlan geben - wundert euch also nicht, wenn es hier etwas ruhiger wird! Wir werden dort mindestens eine Woche bleiben. Daher bitte immer annehmen: Wenn ihr nichts von uns hört, dann geht's uns gut!

03. Dezember 2020: Hallo Kolumbien!

Der Wecker klingelt um 5 Uhr, wir suchen die letzten Sachen zusammen und sagen der Katze und dem Whitehouse Tschüß. Am Flughafen stellen wir unseren Mietwagen gemäß Anweisung einfach auf dem Departure-Parkplatz ab und legen den Schlüssel unter die Fußmatte (nur falls mal jemand ein Auto auf Curacao braucht - ist relativ einfach...). Wir sind zu früh und warten noch ein Stündchen. Unser erster Zwischenstop ist die Nachbarinsel Aruba. Interessanterweise haben wir einen Flug um 8 Uhr gebucht, am Flughafen steht erst, der Flug ginge um 8:25, und die Flughafen-Website sagt 8:45. Es scheint ein bisschen so, als würde man halt fliegen, wenn der Pilot da ist oder so. Okay. Beim Einchecken kurzer Schockmoment: "You have the Aruba Health App and your Covid test?" Ääähm nein, wir hatten nicht damit gerechnet, dass man sowas für nen Transit braucht. Zum Glück ist die App schnell heruntergeladen, und der Covid Test geht auch nach Ankunft. 
Wir frühstücken noch von unseren letzten Antillen-Gulden, und gegen 9 Uhr startet der Flieger dann wirklich. Eine sehr süße, etwas ältere Propellermaschine. Der Flug macht richtig Spaß und fühlt sich eher wie ein Sightseeing-Rundflug über Curacao an. Man sieht sogar unser Haus von oben!

In Aruba angekommen werden wir in die Covid-Testschlange gelotst, aber die zuständige Dame schaut uns nur prüfend an, macht ein paar Scherze mit uns und winkt uns so durch. Hätte auch wenig Sinn ergeben, wenn die in Aruba in 24h wissen, ob wir positiv sind, und wir bis dahin schon über alle kolumbianischen Berge sind...
Der Check-in für den Flug nach Bogota dauert ewig. Deutsche Effizienz ist hier absolut unbekannt, es wird Gepäck eingepackt, wieder ausgepackt, umgepackt, Dokumente vergessen. Bei quasi jedem Fluggast in der Schlange vor uns stimmt irgendetwas nicht. Umso überraschter sind wir, als wir zügig unsere Bordkarten in Empfang nehmen dürfen. Was das Ganze entschuldigt ist, dass dies dank Covid der allererste Flug von den Niederländischen Antillen nach Kolumbien nach 10 Monaten (!) ist (und wir sind ziemlich froh, den bekommen zu haben).

Der Flug nach Kolumbien ist auch nett, man sieht sogar schneebedeckte Berge. Schon in der Immigration-Schlange wird klar: Die nehmen das hier ernst mit Corona. Wärmekameras, Fiebermessen, Abstand wird eingehalten. Finde ich gut. Auch hier klappt alles wie am Schnürchen, wir holen unser Gepäck und fahren zu unserer Unterkunft. Wir haben ein winziges zweistöckiges Airbnb-Apartment im Studentenstadtteil Candelaria. Ich war hier 2017 schon mal und fand das total nett, und Eugen ist auch sehr begeistert. Wir werfen nur kurz das Gepäck ab und machen dann einen Spaziergang durchs Viertel. Wir landen in einem sehr skurillen, aber total netten Restaurant, das gleichzeitig ein Antiquitätenladen ist. Um hier gleich richtig anzukommen lassen wir uns kolumbianische Spezialitäten empfehlen: Eugen kriegt eine Suppe mit viel Fleisch und Knochen, verschiedensten Kartoffelsorten und Mais, und ich einen Teller Reis mit Bohnen und Fleisch (Pulled Pork? Pulled Chicken? Wer weiß das schon so genau) mit Spiegelei, Mais-Dings und Teig-Dings. Alles sehr lecker. Auch hier: Alles wird penibelst desinfiziert, Abstände eingehalten, die Leute tragen selbst auf der Straße Masken. 

Dann bummeln wir durch die Gässchen und erledigen ein paar Einkäufe. Candelaria ist wunderschön am Hang gelegen mit kleinen alten bunten Häuschen, ganz viel Streetart (also Graffiti in schön) und netten kleinen Cafés und Restaurants.

Wir sind abends früh ziemlich platt, raffen uns aber doch nochmal auf, das Haus für ein kleines Abendessen zu verlassen. Um die Ecke gibt's einen kleinen Pizzaladen, wo wir uns "nur mal schnell ein Stück holen" wollen. Alle 10min sagt uns der Pizzabäcker, dass es jetzt aber wirklich nur noch 10min dauern würde. Eine Dreiviertelstunde später stiefeln wir mit sehr mittelmäßiger Pizza im Gepäck wieder heim, aber fallen trotzdem zufrieden und satt ins Bett. Mückenfrei und kühl, 17°!